Düsseldorf: Fast 600 Menschen säubern das Rheinufer

Rhine Cleanup 2018 : Fast 600 Düsseldorfer säubern das Rheinufer von Nord bis Süd

Die Schützen, ein Reitcorps, Vereine und Kirchen, viele Unternehmen und Einzelpersonen unterstützen den Rhine Cleanup, der am Samstag, 15. September, stattfindet.

Blocksblocks Cleanup Drei Monate hat sich Victoria Blocksdorf eine Auszeit genommen, ein kurzes Sabbatical. Das war Anfang des Jahres, als sie Arbeit hat Arbeit sein lassen und Düsseldorf Düsseldorf. Sie ist durch die Welt gezogen, war auf der anderen Seite der Erdkugel. Hawaii hatte es der 37-Jährigen besonders angetan, die Inseln mit ihrer Natur, dem vielen Grün, den Stränden und dem Meer. Was ihr auffiel: „Es gab viel Verschmutzung“, sagt Blocksdorf, die etwas für die Meere tun wollte, als sie wieder zurück in Golzheim war. Vor ein paar Monaten organisierte sie ein erstes kleines Cleanup, zwischen der Oberkasseler und der Rheinkniebrücke. Helfer fanden sich bald, mit der Zeit wurden es mehr. Und irgendwie war es für Victoria Blocksberg Ehrensache, beim Rhine Cleanup mitzumachen, um am Samstag das Rheinufer von Müll zu befreien.

Victoria Blocksdorf hat die wohl größte Gruppe zusammengetrommelt, die sich bisher bei den Initiatoren von Rhine Cleanup angemeldet hat: Rund 50 Leute werden linksrheinisch mit ihr sammeln. Foto: Anne Orthen (ort)

Ein bisschen ist das Aufräumen auch ein Ausgleich für Victoria Blocksdorf, die selbstständige Grafikdesignerin ist, die viel am Schreibtisch sitzt vor dem PC. Ein Kontrast sozusagen zur virtuellen Welt, „einfach mal rauszukommen, in die Natur, an die frische Luft und etwas mit den Händen machen“. Dass ihre Mühen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein könnten bei den vielen Tonnen Plastik, die jedes Jahr über den Rhein in die Ozeane kommen, daran denkt Victoria Blocksdorf nicht. Im Gegenteil: Sie treibt der Gedanke an, vielleicht eine Schildkröte damit zu retten, „weil das Stück Plastik, das ich aufgesammelt habe, nicht in ihrem Magen landet“, sagt Blocksdorf. Ein gutes Gefühl ist das, das sie gerne teilen will mit anderen, die aber auch warnt: „Es ist schwer, den Blick für den ganzen Müll wieder loszuwerden“. Um ihre Gruppe ein bisschen anzuspornen beim Rhine Cleanup, hat sie Händler aus dem Viertel angesprochen, die kleine Gutscheine zur Verfügung gestellt haben, „für Eis, Smoothies oder eine Yoga-Stunde“, sagt Victoria Blocksdorf, die ihren Helfern damit ein bisschen Wertschätzung schenken will.

Die Mülldetektive von Rath & Tat, Claus-Stephan Emming und Jupp Becker (v.l.) sind rund um das Wasserwerk im Einsatz. Foto: Rath und Tat

Rath und Tat Der Stadtteil Rath liegt rund fünf Kilometer vom Rhein entfernt. Dennoch werden sich Mitglieder der Gruppe „Rath und Tat“ an der Rheinsäuberungsaktion beteiligen. „Wir sind doch alle Düsseldorfer und haben etwas vom Rhein“, sagt Claus-Stephan Emming. Zur Teilnahme motiviert wurde die Initiative „Rath und Tat“, die eine offene Gruppe für engagierte Bürger ist, die Rath lebenswerter gestalten wollen, von der Organisation Pro Düsseldorf. „Pro Düsseldorf hat im Mai 2017 bei uns in Rath den Dreck-weg-Tag eröffnet. So kam der Kontakt zustande“, sagt Emming. Voraussichtlich zehn Rather werden sich an der Säuberungsaktion beteiligen. „Wir ab 10 Uhr zwischen dem Restaurant Schnellenburg und dem Wasserwerk Am Staad unterwegs“, sagt Emming.

Auch wenn das kürzeste Stück Rhein an Heerdt liegt, liegt den Heerdter Schützen viel an ihrem Rhein: Treffpunkt ist um 10 Uhr am Kaiser-Friedrich-Ring. Foto: Schützen Heerdt

Heerdter Schützen Die vier linksrheinischen Stadtteile liegen alle am Rhein. Zu jedem gehört ein Teil der Rheinwiesen. Für den Bereich Heerdt nimmt der Heerdter Schützenverein am Cleanup-Tag teil. Die Schützen haben bereits Erfahrung, denn auch am Dreck-weg-Tag sind sie dabei und säubern regelmäßig unter anderem das Rheinufer. „Am Cleanup-Tag holen wir uns um 10 Uhr die Utensilien am Ausgabepunkt Kaiser-Friedrich-Ring ab und legen dann los“, sagt Schützenchef Andreas Bahners in der Hoffnung, dass sich weitere Mitstreiter anschließen werden. Der Hintergrund für den Einsatz sei, dass Schützen ihre Heimat schützen. Das Rheinufer gehört zur DNA von Heerdt wie der Nikolaus-Knopp-Platz, unsere Kirchen, der Handweiser oder die alte Mühle und das Rathaus. „Darauf müssen wir acht geben.“

Das Reitcorps in Angermund fängt ein bisschen später an. Dafür kommt es mit Traktor und Planwagen zum Rhein. Start ist um 15 Uhr. Foto: Anne Orthen (ort)

Reitcorps Angermund Richtig professionell werden rund 25 Mitglieder des Reitercorps Angermund am Samstag anrücken. Zum Treffpunkt am Kaiserswerther Markt fahren sie gemeinsam in einem Planwagen, der von einem Traktor gezogen wird. „Da es sich um ein landwirtschaftliches Fahrzeug handelt, darf damit auch der Deich entlang unseres Abschnitts bis zur Schwarzbachmündung befahren werden. Wir können somit Ausrüstung und Verpflegung gut mitnehmen und den Müll in einem Hänger abladen“, sagt Peter Perovic, Sportwart beim Reitcorps. Perovic hatte schon länger das Bedürfnis, gemeinsam mit seinen Vereinsfreunden das Rheinufer zu säubern und dazu bereits eine Anfrage an die Stadt gestellt. „Dabei haben wir von Rhine Cleanup erfahren und uns natürlich angeschlossen.“ Schließlich seien sie durch ihren Reitsport sehr naturverbunden. „Zudem können wir so unsere Jugend an das Thema Sauberkeit heranführen. Rund die Hälfte unserer 80 Mitglieder sind Jugendliche.“ Loslegen wollen die Reiter um 15 Uhr. „Wir hoffen dann um 18 Uhr mit unserem rund zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt fertig zu sein.“

Die Viertklässler der International School ärgern sich so über den ganzen Plastikmüll am Rhein, dass sie bald in der Schule ganz ohne Plastik auskommen wollen. Foto: Bretz, Andreas (abr)

International School Fünf Viertklässler haben sich an der International School of Düsseldorf zu der Gruppe „Zero plastic “ zusammengeschlossen, um das Rheinufer vom Plastikmüll zu befreien. Da die Schule selbst nah am Rhein gelegen ist, wünscht sich die Gruppe, dass dort alle den Fluss genießen und spielen können. „Wir waren überrascht wie dreckig das Rheinufer ist, da Deutschland doch eigentlich sehr sauber ist“, sagt die Gruppe. Filter, die das Rheinwasser vom Plastik befreien, sind schon gekauft. Zukünftig möchte die Gruppe ihre Schule plastikfrei machen und ihre Idee auch an anderen Schulen verbreiten. Natürlich werden aber auch noch mehr Schüler beim Rhine Cleanup das Flussufer säubern.

Marcel Schwering, Emil, Johannes Kroell, Thomas Peußer, Norbert Schulze, Annette Stella, Frieda, Karl und Tina Stella (v.l.) sind im Düsseldorfer Süden unterwegs. Foto: Georg Salzburg(salz)

SPD im Düsseldorfer Süden Zufall ist es keiner gewesen, dass sich der SPD-Ortsverein an der Aktion beteiligt: „Ein Mitglied ist auch Mit-Initiator des Rhine Cleanups“, sagt Thomas Peußer, der sich mit 15 festen Helfern um den Düsseldorfer Süden kümmert. „Jeder, der sich anschließen will, bekommt eine Weste, Müllbeutel und eine Zange“, sagt er. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Ecke Pigageallee/Benrather Schloßufer.

Bezirksregierung Düsseldorf Einen Steinwurf entfernt liegt das Präsidium der Bezirksregierung Düsseldorf entfernt vom Rhein. Manche Mitarbeiter werden sicher auch das Glück haben, in einem Büro mit Blick auf das Wasser sitzen zu können. Lange mussten sich Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher und Vizepräsident Roland Schlapka nicht bitten lassen, die gleich ihre Mitarbeiter motivierten, sich beim Rhine Cleanup zu beteiligen. Zwischen 20 und 25 Teilnehmer schickt das Präsidium raus, Start ist an der Cecilienallee, wo auch das Gebäude steht; weiter geht es durch den Rheinpark Richtung Norden. „Damit wollen wir einen Beitrag dazu leisten,  die Natur vor unserer Haustür ein wenig sauberer zu gestalten“, sagt Dagmar Groß, Sprecherin der Bezirksregierung.

Die Muschel von Jacques Tilly wird die Deutsche Postcode-Lotterie am Paradiesstrand aufstellen. Darin sollen die vollen Müllsäcke gestapelt werden – als eine Art Mahnmahl. Foto: Rhine Cleanup

Deutsche Postcode-Lotterie Mit 20 bis 30 Leuten wird Nicolas Berthold am Paradiesstrand unterwegs sein beim Rhine Celanup, allesamt sind sie Mitarbeiter der Deutschen Postcode-Lotterie. Ursprünglich wollte die Soziallotterie, die es seit 2016 in Deutschland gibt, eine eigene Aktion planen, Berthold hörten dann vom Rhine Cleanup und fand: „Das ist was für uns.“ Ein paar Organisationen hatte die Postcode-Lotterie bereits unterstützt, in Hamburg zum Beispiel die „Tour de Meeresmüll“ vom BUND. Am Elbstrand wurde Müll gesammelt, der anschließend in Netze geflochten und über einen Felsen gehangen wurde, „als Mahnmal“, erzählt Berthold. Dieses Foto zeigte er den Initiatoren des Rhine Cleanups, Klaus Vorgang und seine Kollegen waren begeistert und wollten auch ein Motiv schaffen, das den Düsseldorfern in Erinnerung bleibt. Gemeinsam holten sie den Karnevalswagen-Bauer Jacques Tilly ins Boot, der eine alte Requisite vom letzten Rosenmontagszug zur Verfügung stellen wird: eine menschengroße Muschel, in der und um die Müllsäcke vom Paradiesstrand drapiert werden. „Wir glauben an die Idee des Rhine Cleanups“, sagt Nicolas Berthold, der überzeugt ist, dass sich das Projekt noch weiterentwickeln wird. Schließlich verbinde jeder etwas mit dem Fluss, Berthold selbst ist am Rhein aufgewachsen.

Weitere Groß-Gruppen  Uniper (20, Hafen), AWO Kreisverband Düsseldorf (20, Paradiesstrand), Stadtentwässerung Düsseldorf (15, Yachthafen Volmerswerth), Firma Zoro Tools (10, Paradiesstrand), Kanzlei Hogan Lovells inter LLP (10, Theodor-Heuss-Brücke), Architekt Ralf Breuer (15, Löricker Hafen, Halbinsel Hafenausfahrt), Ev. Kirche / Flüchtlinge Golzheim (20, Kleiner Rheinpark Golzheim, Rotterdamer Straße Richtung Messe), der japanische Kunststoffhandel Sekisui (21, davon acht Kinder, Theodor Heuss Brücke), Birgit Kölgen mit 15 Personen (Kniebrücke bis Heerdt), Regenbogenland (10, Theorod-Heuss-Brücke)