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Düsseldorf: Fair Fashion, Upcycling und Zero Waste - Projekt Humansforup macht es vor

Nachhaltigkeit : Sogar aus einem Hochzeitskleid wird Neues

Im Projekt Humansforup entwerfen Melissa Christov und Emir Medic gemeinsam mit geflüchteten Menschen neue Kleidung.

Sortieren, aufwerten und neu designen: So wollen der Modedesigner Emir Medic (33) und die Politologin Melissa Christov (29) aus Kleiderspenden und Reststoffen neue Kleidungsstücke entwerfen. Unter dem Namen Humansforup wollen sie nicht nur den Wegwerf-Gewohnheiten entgegenwirken, sondern legen auch Wert auf lokale Produktion. „Mode sollte unter transparenten und menschenwürdigen Bedingungen entstehen“, sagt Melissa Christov. Deshalb haben sich die beiden ein kleines Atelier an der Rather Straße ausgesucht, in dem die Kollektionen gefertigt werden. Aktuell suchen sie aber eine neue Werkstatt, verkaufen möchten sie die Stücke in einem fairen Laden.

Denn der zweite wichtige Aspekt ihres Konzepts ist die faire Produktion. Deshalb arbeiten sie mit geflüchteten Menschen zusammen, denen sie eine Perspektive ermöglichen wollen. Unter ihnen sind gelernte Näherinnen, aber auch neue Helferinnen, die vorher noch nie an einer Nähmaschine saßen. Mit Hilfe von Emir Medic, der das Schneidern von der Pike auf gelernt hat, wurden die Helferinnen geschult. An ihren Nähmaschinen entstehen nun komplett neue Stücke – aus einem Kleid kann dabei auch ein Rock werden, aus einer Hose eine Bluse. Die Entwürfe kommen von Medic: „Wir glauben an gute Styles statt schneller Trends“, sagt er.

Gearbeitet wird nach dem Prinzip der Kapsel- beziehungsweise Slow-Fashion. Das bedeutet faire Arbeitsbedingungen, transparente und umweltschonende Produktion sowie die bewusste Auswahl von Rohstoffen. Das bedeutet aber gleichzeitig nicht, dass ein Flickenteppich entsteht: Im Atelier reihen sich schlichte und geradlinige Einzelteile aneinander, teils etwa mit retrofloralen Mustern oder Streifen. Das genaue Aussehen der Kleidungsstücke richtet sich aber nach den Materialien. Emir Medic entwirft seine Stücke aus dem, was er hat und bekommt – die Näherinnen setzen es um. Deshalb gleicht keines der Kleidungstücke dem anderen. Jedes ist ein Unikat.

Die Stoffe für Blusen, Hemden und Kleider stammen teils aus der Überproduktion großer Unternehmen. Viele Textilien oder Reste würden sonst im Müll landen oder verbrannt werden. Aber auch gebrauchte Stoffe und Altkleider werden verwendet: Beim sogenannten Upcycling entsteht aus den Abfällen neue und hochwertige Kleidung. Ganz im Sinne von Zero Waste, einer nach Nachhaltigkeit strebenden Philosophie, die das Ziel verfolgt möglichst wenig Abfall zu produzieren.

Emir Medic sichtet mit Näherinnen die Kleidung, die weiter verarbeitet werden soll. Foto: Melissa Christov
Zwei der Entwürfe aus dem Unternehmen. Foto: Melissa Christov
Mit dem Projekt Humansforup entwerfen Melissa Christov und Emir Medic gemeinsam mit Menschen aus schwierigen sozialen Bedingungen in einem kleinen Atelier in Düsseldorf neue Kleidung. Foto: Melissa Christov

Einige der Kleiderspenden haben berührende Geschichten – nicht zuletzt die Kleidungsstücke, die das Gründer-Duo Melissa Christov und Emir Medic selbst beigetragen hat. Die Politologin hat beispielsweise sogar ihr weißes Hochzeitskleid für die Wiederverwertung geopfert. „Die Kleidungsstücke verändern sich und leben weiter. So verbinden sich Menschen mit Geschichten anderer Menschen“, sagt Christov. Auch Medic hat gespendet: Der ehemalige Kostümbildner hatte aus früheren Theaterstücken noch Kostüme übrig, die nun umgestaltet werden. Dabei können aufregende Dinge entstehen. Christov: „Nachhaltige Mode muss nicht öko und langweilig sein.“