Düsseldorf: Es geht um das Herz von Unterbach

Mobile Redaktion Unterbach : Es geht um das Herz von Unterbach

Der Umbau des Breidenplatzes mobilisiert die Menschen im Dorf. Aber auch die schlechten Busverbindungen oder die eingeschränkten Öffnungszeiten der Sparkasse waren Thema am Stand der Mobilen Redaktion der RP am Samstag.

Trotz strömenden Regens wurde es am Samstagvormittag richtig voll am Stand der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post in Unterbach. Viele Bürger, darunter Vertreter von Heimat- und Bürgerverein und aus der Politik, wollten über die Dinge sprechen, die sie aktuell am meisten beschäftigen. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Themen des Vormittags.

Breidenplatz Der bevorstehende Umbau des Breidenplatzes mit der geplanten Neubebauung im Umfeld ist der Aufreger schlechthin. Ein Großteil der Bewohner hält die Planung für überdimensioniert. Ingo Block zählt zu einer Bürgergruppe, die einen abgespeckten Gegenentwurf erarbeitet hat. Ob und wenn ja in welchem Ausmaß die Stadt diese Ideen aber berücksichtigen wird, kann er nicht sagen: „Wir hatten Ende September noch einmal ein Gespräch mit Planungsdezernentin Cornelia Zuschke, ein Durchbruch war das aber nicht. Es gibt keinen aktiven Austausch, das hatten wir uns anders vorgestellt.“ Wolfgang Rothers sagt: „Es geht hier um das Herz von Unterbach. Für mich ist das ein Lehrbeispiel dafür, wie eine Stadt die Interessen ihrer Bürger ignoriert. Es wurde ja noch nicht einmal die Verkehrsbelastung richtig geprüft.“

Wie die Autos abfließen sollen, wenn rund um den Breidenplatz 160 neue Wohnungen entstehen, fragt sich auch Ursula Rath: „Das packt die Gerresheimer Landstraße nicht, da geht doch jetzt schon kaum noch was.“ Alexander Willige sieht das ähnlich, dem neben den Verkehrsproblemen auch der bevorstehende Baulärm ein Dorn im Auge ist: „Das ist jetzt schon grenzwertig.“ Wie man es besser machen könnte, hat Josef Schmitz in Mettingen beobachtet, wo die Familie Brenninkmeijer (C&A) bei einem Bauprojekt die Bürger wirklich mitgenommen habe. „Hier in Unterbach gibt es keinen ,Round Table‘, das ist doch allenfalls eine Pseudo-Beteiligung.“ Rainer Buchholz dagegen begrüßt die geplante Bebauung und zeigt wenig Verständnis für die Kritiker: „Das sind alles Blockierer. Hier hat sich 50 Jahre nichts getan, und viele wollen offenbar, dass das auch so bleibt.“ Dafür, dass die Verwaltung mit ihrer Planung nicht so recht vorankommt, zeigt Thomas Mende Verständnis: „Die Stadt hat einfach viel zu wenig Leute, das ist Fakt.“

Petra Zaksek wünscht sich, dass bitte „keine Wohntürme“ entstehen sollen: „Wir lieben den Dorfcharakter von Unterbach, der soll erhalten bleiben.“ Auch Michael Seyfarth schätzt das Grün und das Ländliche am Stadtteil und hofft, dass die Bebauung daran nichts ändern wird. „Natürlich ist es aber legitim, dass Bebauung dazukommt. Sie muss nur passen.“

Supermarkt Eng verbunden mit dem Umbau des Breidenplatzes ist die Zukunft des Supermarktes. Ein neuer großer soll den jetzigen, viel zu kleinen Rewe ablösen, dort könnte dann stattdessen ein Drogeriemarkt einziehen. „Aber der Vertrag des Pächters läuft bald aus, und wenn hier nicht endlich was passiert, ist der weg“, befürchtet Martin Beier. „Und wenn hier gar kein Angebot mehr vorhanden ist, fahren die Menschen nach Unterfeldhaus.“ Als Ärgernis empfindet Peter Rambow die Behauptung, dass ein großer Supermarkt nur funktionieren könne, wenn auch gleichzeitig ein großes Baugebiet entstehe: „Das ist doch eine haltlose Drohkulisse.“ Andreas Schey (Aktionsgemeinschaft Auf nach Unterbach) dagegen plädiert für eine schnelle Umsetzung des Bebauungsplanes, bevor der Supermarkt „mangels ausreichender Sortimentspräsentation“ den Standort verlasse. Auch darüber hinaus sei der Plan eine Chance, den lokalen Handel zu stärken und Kaufkraft nicht ins Umland abwandern zu lassen.

Busse Die Taktung der für Unterbach relevanten Buslinien 735 und 737 (alle 20 Minuten, am Wochenende alle 30) findet Jens Barkemeyer unbefriedigend: „Hinzu kommt, dass Busse oft ausfallen. Und dynamische Fahrgastinformation gibt es hier auch nicht.“ Das sieht Anne Külgen genauso: „Es heißt doch, wir sollen aufs Auto verzichten. Und dann stehst du eine Stunde an der Haltestelle und kommst nicht nach Hause.“ Zudem seien die Busse nicht gefedert, bemängelt Gerhard Kisker: „Das sind echte Bandscheibenkiller.“

Volker Müller-Tönnissen würde sich wünschen, dass Carsharing, Miet-Räder oder auch der Eddy- Roller es bis nach Unterbach schaffen: „Nichts davon habe ich hier jemals gesehen.“ Edeltraut Freund wünscht sich zudem, dass man auch nach kulturellen Ereignissen am Abend noch in einem vernünftigen Bus-Takt zurück nach Hause kommt. Und gleich mehrere ÖPNV-Nutzer beklagen dazu, dass gerade der letzte Bus am Abend zurück nach Unterbach manchmal ein wenig zu früh losfährt: „Das muss wirklich nicht sein, dass man ausgerechnet den dann verpasst.“ Hoffnung machen sich einige Unterbacher auf das Angebot Bus-on-Demand, bei dem Taxibusse auf Anforderung den Stadtteil anbinden würden. „Das könnte uns helfen“, sagt Manfred Peter vom Bürger- und Heimatverein. Man müsse nur sehen, was mit den älteren Leuten wäre, die kein Smartphone haben.

Sparkasse Die Sparkasse in Unterbach soll nicht geschlossen werden, das bestätigt Sprecher Michael Klein auf Anfrage unserer Redaktion. Diese Aussage hält Alexander Druckenmüller für Augenwischerei: „Die Filiale in Unterbach hat künftig nur noch montags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Die Post ist weg, der Metzger auch, jetzt noch das. Da kann ich auch gleich zu einer Direkt-Bank gehen.“

Und sonst? Die mangelnde Sauberkeit im Dorf kritisiert Renate Fuchs: „Die Grünpflege ist eine absolute Katastrophe. Und die Straßenschilder sind so dreckig, dass man sie kaum noch lesen kann.“ Edeltraut Freund glaubt: „Viele Unterbacher haben sich jahrelang engagiert – deshalb wird nun von offizieller Seite nicht mehr genug getan.“ Einen Wunsch hat Dagmar Mark: „Ich träume von einer Untertunnelung der Rothenburgstraße entlang des Unterbacher Sees nach dem Vorbild der Tieferlegung der Rheinuferstraße. Da könnte man aus dem Dorf direkt ins Naherholungsgebiet gehen. Ich würde auch ein paar Euros für die Finanzierung dazugeben.“

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