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Düsseldorf enthüllt Kunstwerk für geschlechtliche Vielfalt

Auf der Apollo-Wiese : Düsseldorf enthüllt Kunstwerk für geschlechtliche Vielfalt

Zum Start des Christopher Street Day wurde das lange diskutierte Kunstwerk für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt enthüllt. Es steht an prominenter Stelle auf der Wiese zwischen Staatskanzlei und Landtag. Der Entwurf erinnert bewusst an klassische Heldendenkmäler.

Mehr als zwei Jahrzehnte wurde die Idee diskutiert, rund drei Jahre am Entwurf gefeilt – jetzt lässt sich das Ergebnis an prominenter Stelle anschauen: Gemeinsam mit dem Christopher Street Day wurde am Freitag der „Ort für Erinnerung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ auf der Dreieckswiese neben der Rheinkniebrücke eröffnet. Gäste von queeren Initiativen, aus Politik, Stadtverwaltung und Kulturszene kamen zur Enthüllung des Kunstwerks, das der Bildhauer Claus Richter geschaffen hat – und trotzten unter teils regenbogenfarbenen Schirmen dem miesen Wetter.

Es handelt sich um einen Ort mit großer politischer Bedeutung – das war in allen Redebeiträgen zu spüren. Die Figurengruppe des Kölner Künstlers soll nicht nur an Menschen erinnern, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und kriminalisiert worden sind. Gabriele Bischoff vom LSBTIQ+-Forum Düsseldorf – der Arbeitsgemeinschaft der lokalen Lesben-, Schwulen, Bi- und Transgruppen – sprach von einem „Ort gelebter Emanzipation“, der für das lange Streben nach Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe und für den Kampf gegen Diskriminierung stehe. Dieser Kampf sei noch lange nicht abgeschlossen, sagte Bischoff und verwies auf die Ablehnung von homosexuellen Männern bei der Blutspende oder die rechtliche Ungleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Elternpaaren. „Das ist nicht das Ende eines langen Kampfes“, sagte sie.

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Das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP hatte im Stadtrat den Weg für den bereits seit den 1990er Jahre von queeren Initiativen geforderten Erinnerungsort freigemacht. Die Kunstkommission, ein städtisches Gremium aus Künstlern und Politik, hatte anschließend in einem Wettbewerb nach einem Entwurf gesucht. Künstlerisch galt die Aufgabe als nicht einfach, die Kommission kürte dann auch keinen klassischen Siegerentwurf. Richters Idee mit dem Titel „Ein seltsam klassisches Denkmal“ fanden die Mitglieder aber am vielversprechendsten.

Richter hat vier Figuren entworfen, die verschiedene geschlechtliche Identitäten widerspiegeln und im Unklaren lassen, aus welchem Jahrzehnt sie stammen. Sie posieren mit gereckter Faust oder Victory-Zeichen und erinnern in ihrer Ästhetik bewusst an klassische Heldendenkmäler. Dass sich Kritiker in der Diskussion an sowjetischen Realismus erinnert gefühlt haben, wundert den Künstler nicht. Er sieht in den Posen aber „universelle Gesten von Widerstand und Selbstermächtigung“. Ihm sei wichtig gewesen, dass sich der Ort nicht wegduckt, sagte Richter. Ihre andere Hand haben die Figuren hinter ihren Körpern und halten einander ihre Hände.

Claus Richter erzählte bei der Eröffnung, dass er seine ersten Entwürfe im Dialog mit vielen Beteiligten weiterentwickelt hat. Zuerst hatten die Figuren kämpferischer ausgesehen. Beim ersten Anblick der Skulptur an ihrem Standort fand Richter sie am Freitag sehr romantisch. „Das wird ein schöner Ort“, meinte er. Gegossen wurde die Bronzeskulptur in der Gießerei Kayser im Hafen, sie wurde so bearbeitet, dass sie angejährt aussieht.

Allen Beteiligten war ein prominenter Standort wichtig. Den hat es mit der belebten Wiese direkt neben Landesregierung und Landtag gefunden. Das Podest unter den Figuren wurde bewusst breiter gestaltet als in ersten Entwürfen, damit sich Besucher auf den Rand setzen können. Der Burgplatz war als Alternative unter anderem deshalb verworfen worden, weil man Wildpinkler fürchtete. Auch der Alte Hafen war bei den Debatten, an denen sich auch die Bezirksvertretung 1 beteiligte, im Gespräch gewesen.

Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sagte bei der Eröffnung, Düsseldorf sei eine weltoffene, bunte und tolerante Stadt. „Dieser Ort soll uns alle immer wieder daran erinnern, dass ein vielfältiges und tolerantes Miteinander keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte Keller. Der besondere Ort solle jede und jeden dazu ermutigen, sich dafür einzusetzen, für gegenseitigen Respekt und Akzeptanz einzutreten und Hass und Diskriminierung entgegenzutreten.

Der Christopher Street Day wird bis Sonntag unter anderem mit einem Straßenfest auf dem Johannes-Rau-Platz gefeiert.