Düsseldorf: Ed Sheeran-Konzert würde nicht gegen Vogelschutz verstoßen

Umstrittene Pläne : Sheeran-Konzert würde nicht gegen Vogelschutz verstoßen

In Düsseldorf soll Ed Sheeran vor 85.000 Menschen auftreten. Ein Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass die Folgen für Vögel kein Hinderungsgrund wären. Hauptstreitpunkt bleiben die Bäume, die gefällt werden müssten.

Das Düsseldorfer Ed-Sheeran-Konzert wird nicht am Vogelschutz scheitern. Bei Zählungen im Auftrag der Stadt sind zwar einige Greifvögel im Umkreis der neuen Open-Air-Fläche gesichtet worden, ein Gutachter kommt aber zu dem Schluss, dass nicht gegen Auflagen zum Artenschutz verstoßen würde – auch nicht durch die geplante Fällung von 104 Bäumen. Dies teilte Düsseldorfs Umweltdezernentin Helga Stulgies auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, Norbert Czerwinski, geht davon aus, dass das Konzert an dieser Frage auch politisch nicht scheitern würde. „Ich habe Vertrauen in das Monitoring der Stadt“, sagte er. Er verstehe aber nicht, warum das Papier nicht veröffentlicht wird. Die Grünen lehnen das Konzert trotzdem mit Blick auf die vielen Baumfällungen bislang ab. Dadurch fehlt eine Mehrheit vor der entscheidenden Sitzung am 27. Juni, weil auch die CDU nach bisherigem Stand mit Nein stimmen würde. Es laufen aber weiterhin Gespräche.

Vögel kein Hinderungsgrund

In der Tat ist das bereits im April erstellte Vogel-Gutachten, über das am Freitag die „Bild“-Zeitung berichtet hatte, bislang von Ratsmitgliedern nur auf Anfrage einzusehen. Dies soll sich aber bald ändern, heißt es aus der Stadtspitze. Ein Landschaftsarchitekt hatte im Auftrag des Gartenamts untersucht, wie stark Tiere durch das Konzert mit 85.000 Besuchern beeinträchtigt werden. Er kam laut Stulgies zu dem Ergebnis, dass die Folgen für die Vögel so gering wären, dass sie keinen Hinderungsgrund darstellen.

Auf Rat des Gutachters wird die Fläche seitdem beobachtet. Bei der jüngsten Zählung am Donnerstag wurde ein Nest von Mäusebussarden mit mindestens einem Jungtier gesichtet, das sich rund 100 Meter vom geplanten Standort der Bühne in Richtung A44 befindet. Die Vögel haben sich dort angesiedelt, obwohl der Ort neben der Autobahn und mitten in der Einflugschneise des Flughafens befindet. Außerdem haben Habichte rund 600 Meter entfernt ein Nest gebaut, in dem sich aktuell zwei Jungtiere befinden. Zudem wurden Steinkäuze gesichtet. Alle genannten Arten gelten nicht als bedroht.

Die mindestens drei Jungtiere sind vier bis fünf Wochen alt. Bis zum Konzert werden sie aller Voraussicht nach flügge sein. Das geschieht nach durchschnittlich 45 Tagen. Falls das wider Erwarten nicht passiert ist und die Eltern sie zurücklassen, würden die Jungtiere in eine Aufzuchtstation gebracht, so Stulgies.

Diese Rolle spielt das Alter der Tiere

Das Alter der Tiere ist wichtig, da nach EU-Recht alle Vogelarten als geschützt gelten und Brut- und Nistplätze nicht gefährdet werden dürfen. Der ursprüngliche Ort für das Ed-Sheeran-Konzert, der Flughafen Essen/Mülheim, war unter anderem am Vogelschutz gescheitert. Dort wurden Feldlerchen gefunden, die anders als die in Düsseldorf gesichteten Arten als stark gefährdet gelten. Der Naturschutzbund Nabu hatte daher mit einer Klage gedroht. Der Düsseldorfer Nabu-Verband lehnt auch die neue Fläche auf einem Messeparkplatz ab. Er fordert eine Verlegung des Konzerts in die Esprit-Arena, auch mit Blick auf die kurze Vorbereitungszeit. Man verweist darauf, dass Vögel trotzdem durch den Lärm gestört würden. Die Verlegung lehnt der Veranstalter aber als logistisch nicht möglich ab.

Hauptstreitpunkt sind die Bäume

Der politische Hauptstreitpunkt ist weiterhin die Fällung von 104 Bäumen, 60 weitere würden versetzt. Angesichts der drohenden politischen Ablehnung des Konzerts am 27. Juni versucht man bei der Stadt, die Zahl der Fällungen zu verringern – allerdings bislang ohne Erfolg. Eine Versetzung weiterer Bäume wäre ohne jahrelange Vorbereitung nicht möglich. „Es muss wohl bei dieser Zahl bleiben“, so Dezernentin Stulgies.

Die Fällungen würden aber nach den gesetzlichen Vorschriften kompensiert. Die Stadt würde ein „Ausgleichsgeld“ in Höhe von rund 300.000 Euro erhalten. Dies soll in die Pflanzung neuer Straßenbäume mit Schwerpunkt im Norden der Stadt investiert werden, außerdem würde unter anderem der Wald im Naturschutzgebiet Heltorf im nördlichen Stadtteil Angermund erweitert. In Düsseldorf werden laut der Umweltdezernentin pro Jahr rund 1000 Bäume gefällt. Die Stadt verfolge aber das Ziel, mehr Bäume zu pflanzen, als gefällt werden, so Stulgies.

(sef)