Düsseldorf-Düsseltal: Inklusion auf dem Fußballplatz

Sport in Düsseldorf : Inklusion auf dem Fußballplatz

Der Düsseldorfer SC hat die erste Inklusionsmannschaft der Stadt gegründet. Kinder mit und ohne geistige Behinderung nehmen hier gemeinsam am Training von Toni Bilotta teil.

Die Sonne steht tief über dem Fußballplatz mit Blick auf das Arag-Haus. Die Fahnenmasten, an denen die Vereinsflaggen des DSC 99 wehen, werfen lange Schatten auf den Rasen. Es ist Mittwoch, 16.30 Uhr – Zeit für das Training der Inklusionsmannschaft. Zehn Kinder und Jugendliche sind heute gekommen, um mit Toni Bilotta zu trainieren. In ihren neongelben Trikots sind sie schon von Weitem kaum zu übersehen. Zu Beginn des Trainings lässt der Coach seine Schützlinge auf dem Platz auf und ab laufen. Mal sollen sie den Ball kontrolliert führen, mal hochwerfen und wieder auffangen, mal auf dem Knie auftitschen lassen. „Ein Großteil der Kinder hat Probleme mit der Balance, deshalb machen wir im Training viele Koordinationsübungen“, sagt Bilotta.

Die 17 Mädchen und Jungen in seiner Mannschaft sind zwischen acht und 17 Jahren alt und leben mit geistigen Behinderungen. „Das ist manchmal so, als würde man eine Mannschaft von Sechsjährigen trainieren – nur mit enormem Körperbau“, scherzt Bilotta. Das verlange auch einem erfahrenen Trainer wie ihm zusätzliche Kompetenzen ab: „Ich musste erst einmal lernen, mich in jeden einzelnen hineinzuversetzen. Hier haben alle ihren eigenen Rhythmus.“

Deshalb nimmt er beim Training auch mal den ein oder anderen an die Hand und erklärt die Übungen wenn nötig zwei- oder dreimal. Während der eine sich allein auf den Ball konzentriert, wirbelt der andere beim Laufen die Arme durch die Luft und singt vor sich hin. Permanent ist Bilotta damit beschäftigt, die Kinder zur Bewegung zu motivieren. „Wenn du weiter auf dem Ball rumsitzt, dann habe ich am Ende des Trainings ein Ei“, ruft er Elijah zu, der vor Lachen auf den Rasen plumpst. Der Neunjährige ist sich sicher: „Unser Team ist das beste! Ich mag den DSC, und wir spielen einfach gut.“

Mit der Inklusionsmannschaft trainieren jede Woche auch Kinder aus Bilottas anderen Jugendteams. „Das war die beste Idee, die ich in meinen 30 Jahren als Trainer hatte“, ist sich der 54-Jährige sicher. „Wir tun in dieser Stadt zwar viel für Menschen mit Behinderung, aber oft bleiben sie unter sich.“ Beim DSC hingegen wolle man ein Miteinander schaffen, statt die Kinder „einfach zusammen in eine Schachtel zu stecken“. Und auch die Mitspieler ohne Behinderung sollen etwas lernen: „Hier sehen die Jungs, dass ihr Leben ganz anders hätte verlaufen können. Das lehrt sie, demütig zu bleiben und das wertzuschätzen, was sie haben.“

Eine große Hilfe ist die Inklusionsmannschaft auch für die Eltern der Kinder mit Handicap. Denn sie alle mussten in der Vergangenheit feststellen, dass Freizeitangebote für Kinder mit geistigen Behinderungen in Düsseldorf rar sind. „Meine Tochter hat immer gerne Fußball gespielt, doch in einer normalen Mannschaft hätte sie kaum Chancen“, weiß Mutter Daniela Born. Ihre elfjährige Tochter Sarah leidet unter Konzentrationsschwierigkeiten. „Hier kann sie ihre Teamfähigkeit stärken, neue Freunde finden – und hat vor allen Dingen einfach Spaß.“

Gegründet wurde die Mannschaft im April. Vorher gab es in Düsseldorf keine vergleichbaren Angebote, und das, obwohl in vielen anderen Städten in NRW schon länger inklusive Jugendmannschaften vertreten sind. Für die Zukunft seines Teams hat Bilotta einen Wunsch: „Diese Mannschaft soll Düsseldorf repräsentieren“, sagt er. „Ich möchte, dass sich die Düsseldorfer mit dieser bunt gemischten Mannschaft identifizieren können und anerkennen, dass Kinder mit Behinderungen ein Teil unserer Gesellschaft sind.“

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