Düsseldorf: Diskussionen über Joseph Beuys als Straßennamen

Düsseldorf : Diskussionen über Joseph Beuys als Straßennamen

Eine Kommission unter Leitung von Historikern prüft derzeit, welche Straßen in Düsseldorf umbenannt werden sollten. Dabei geht es um Persönlichkeiten, die in die Verbrechen der Nazis oder der Kolonialzeit verstrickt waren. Auch der Name Beuys taucht auf.

Eine vom Düsseldorfer Stadtrat beauftragte Kommission überprüft derzeit, ob ein nach Joseph Beuys benanntes Stück Rheinufer umbenannt werden sollte.

„Wir werden über Beuys in den nächsten Wochen diskutieren“, sagte Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus, am Mittwoch auf dpa-Anfrage.

Wie Beuys werde aber jeder, nachdem in Düsseldorf eine Straße oder ein Platz benannt ist, auf NS- oder Kolonialismus-Vergangenheit überprüft, betonte Fleermann. Das betreffe hunderte Persönlichkeiten.

Fleermann leitet die Kommission gemeinsam mit dem Leiter des Stadtarchivs. Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr einstimmig den Auftrag dazu erteilt. Die Kommission habe ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen und sich auch noch nicht auf Empfehlungen festgelegt. Im kommenden Januar werde man dem Stadtrat Vorschläge zur Umbenennung unterbreiten.

Für den Kunstbetrieb wäre eine solche Empfehlung im Fall Beuys kurz vor dessen 100. Geburtstag im Jahr 2021 ein Paukenschlag. Der „Schamane vom Niederrhein“ mit Filzhut und Anglerweste gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

Beuys, als Mitbegründer der Grünen und Teil der Friedensbewegung bekannt, war politisch stets dem linken Spektrum zugerechnet worden.

Noch 1976 kandidierte er aber für die Aktionsgemeinschaft unabhängiger Deutscher (AUD), in der ökologische Strömungen, aber auch stark rechte Tendenzen vertreten waren. Sie war lange Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextremistisch eingestuft worden.

Beuys-Biografen wie Hans-Peter Riegel sehen den Künstler als Anhänger einer völkischen Ideologie des Anthroposophen Rudolf Steiner. „BILD“ und „NRZ“ hatten am Mittwoch über die Arbeit der Kommission und den „Verdachtsfall“ Beuys berichtet.

Die Kommission sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass Beuys weder Nazi, noch Rassist oder Antisemit gewesen sei, berichtete die „NRZ“. Auch mit Otto Hahn und Max Planck setze sich die Kommission auseinander.

(csr/dpa)
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