Düsseldorf: Digitales Klassenzimmer am Lessing-Gymnasium

Düsseldorf: Schüler entwickeln digitalen Schulplaner: Eine App für das digitale Klassenzimmer

Mit dem Prototyp einer App zur digitalen Schulorganisation überzeugten Schüler des Lessing-Gymnasiums beim bundesweiten Wettbewerb „StartUp Teens“. Mit Hilfe eines Preisgeldes können sie das Produkt weiter perfektionieren.

Für Nils Reichardt (17), Nicklas Mantz (17) und Kai Beisheim (15) gehört es zum Schulalltag dazu, ein Hausaufgabenheft zu führen. Zwar dürfte es den meisten ihrer Mitschüler am Lessing-Gymnasium genauso gehen – doch kommt es immer wieder vor, dass in der Aufbruchstimmung am Unterrichtsende auch mal die ein oder andere Vorgabe für die nächste Stunde vergessen wird.

Wer Auskunft braucht, der fragt dann einfach in der WhatsApp-Gruppe der Klasse nach. „Gerade in der Oberstufe nahm das zu, weil sich alle darauf verlassen, dass irgendjemand die Hausaufgabe notiert hat. Aber wenn jeden Tag irgendwer in irgendeiner Gruppe nach den Hausaufgaben fragt, antwortet irgendwann keiner mehr auf die Fragen“, sagt Reichardt. Das permanente Fragespiel auf ihren Smartphones ging den drei Zehntklässlern irgendwann gehörig auf die Nerven. Also überlegten die Informatik-Schüler, wie sich die Organisation des Alltags vereinfachen lässt – etwa mit digitalen Hilfsmitteln. „Schließlich hat jeder Schüler ein internetfähiges Smartphone“, sagt Beisheim. Herausgekommen ist die App „SharingZone“, die nicht nur allein als Hausaufgabenplaner nützlich ist, sondern gleich die gesamte, schulische Organisation ins digitale Zeitalter überführt.

Die App folgt dem sogenannten Cloud-Prinzip. Das heißt, die Nutzer können alle Daten miteinander teilen, die sie hochladen, ohne direkt miteinander kommunizieren zu müssen. Für seinen Kurs oder seine Klasse kann der Lehrer also ein „digitales Klassenzimmer“ einrichten, über das sich die Schüler auch abseits der Schulzeiten Informationen und Material holen können. Etwa, um Hausaufgaben einzutragen oder Arbeitsblätter als Datei direkt der ganzen Klasse zur Verfügung zu stellen. „Das erspart dem Lehrer auch die unzähligen Gänge zum Kopierer“, fügt Mantz hinzu. In einen Kalender können die Lehrer zudem wichtige Termine wie Schulausflüge, Elternsprechtage oder Klausuren eintragen. Dabei können auch Eltern Zugang zum digitalen Schulorganisator des Kindes erhalten. „Nur ins Hausaufgabenheft können die nicht hinein schauen“, sagt Reichhardt mit einem Zwinkern.

Aus Gesprächen mit ihren Mitschülern und den Lehrern des Lessing-Gymnasiums haben die drei IT-Fans die gewünschten Funktionen abgeleitet. Umgesetzt haben sie das Ganze dann zum Teil selber unter Mithilfe von programmierkundigen Freunden. Mit dem ersten Prototyp bewarben sich die Schüler beim bundesweiten Wettbewerb „StartUp Teens“ und konnten die Juroren überzeugen, so dass mithilfe des Preisgeldes von 10.000 Euro die endgültige Entwicklung angegangen werden konnte. Der Anfang war für die unerfahrenen Jung-Unternehmer jedoch zäh. „Zu Beginn standen wir vor ziemlich großen Problemen. Etwa, einen Server anmieten zu müssen. Auch die neue EU-Datenschutzverordnung stellte gerade für teilnehmende Lehrer im öffentlichen Dienst eine große Problematik dar“, erinnert sich Beisheim.

Über ihre eigene Firma „CodingBrain“ wollen die Lessing-Schüler ihre App bald vertreiben. „So etwas im Lebenslauf zu haben, ist eine gute Sache. Aber es macht uns allen auch einfach Spaß, weil wir wirklich was verändern können“, sagen sie.

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