Projekt in Düsseldorf Warum es auf dem Stresemannplatz jetzt eine autarke Toilette gibt

Düsseldorf · In Düsseldorf gibt es auf dem Stresemannplatz in der Innenstadt jetzt eine autarke Toilettenanlage. Das WC-Häuschen soll Konflikte mit den Nachbarn der Notschlafstelle eindämmen. Weitere Plätze im Stadtgebiet könnten folgen.

 Die sogenannte Eco-Toilette ist autark und wird jeden Tag von der Betreiberfirma gereinigt und gewartet.

Die sogenannte Eco-Toilette ist autark und wird jeden Tag von der Betreiberfirma gereinigt und gewartet.

Foto: Marlen Keß

Am Stresemannplatz steht Düsseldorfs erste Eco-Toilette. Am Montag wurde sie im Beisein von Kulturdezernentin Miriam Koch und des stellvertretenden kommissarischen Leiters des Amtes für Migration und Integration, Markus Götz, eröffnet. Um eine öffentliche Toilette handelt es sich allerdings nicht: Das WC-Häuschen, das vor der seit Jahren leer stehenden ehemaligen Tankstelle aufgebaut wurde, ist für die Nutzerinnen und Nutzer der benachbarten Notschlafstelle an der Graf-Adolf-Straße bestimmt, die sich häufig bereits ab dem Nachmittag auf dem Platz aufhalten.

Von 5 Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend ist die Toilette zugänglich – Kontrollen, wer sie tatsächlich nutzt, wird es laut Koch jedoch nicht geben. Mitarbeiter der Notschlafstelle, die von den Franzfreunden betrieben wird, sollen in den ersten Wochen ab und zu nach dem Rechten schauen. Zudem wird das WC-Häuschen täglich von der Betreiberfirma gereinigt und gewartet.

Die sogenannte Eco-Toilette ist nicht an die Kanalisation angeschlossen, sondern arbeitet autark. Die Toilette und das Urinal im Inneren funktionieren trocken, für das Waschbecken wird Regenwasser genutzt, das bei Bedarf aufgefüllt werden kann, der Strom kommt über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Kostenpunkt: rund 45.000 Euro, zusätzlich fallen pro Monat rund 2000 Euro für die Reinigung und Wartung an. Finanziert wird das Projekt vom Amt für Migration.

Ein Blick ins Innere: Die Toilette und das Urinal funktionieren trocken, für das Waschbecken wird Regenwasser verwendet.

Ein Blick ins Innere: Die Toilette und das Urinal funktionieren trocken, für das Waschbecken wird Regenwasser verwendet.

Foto: Marlen Keß

Die Idee indes stammt von Anliegern des Stresemannplatzes. Anwohner und Geschäftsleute seien schon länger unzufrieden mit den Zuständen auf dem Platz und drumherum, sagt Omid Gudarzi von der Initiative Mintrop-Kiez. So sei es regelmäßig vorgekommen, dass Menschen ihr Geschäft in Hauseingängen oder Hinterhöfen verrichtet hätten.

Nach einem Treffen mit der Stadt habe sich Miriam Koch, damals noch Amtsleiterin, dann für das Konzept einer autarken Toilette starkgemacht. „Dass es jetzt geklappt hat, dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Gudarzi, die um die Ecke wohnt. „Wir müssen alle Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander aller Anliegerinnen und Anlieger schaffen“, sagt Koch. Es gehe darum, die Aufenthaltsqualität auf dem Platz für alle zu verbessern.

Die Toilette ist ab sofort zugänglich, bekommt aber demnächst noch einen neuen Anstrich – im selben Grau, das die Künstlerin Tita Giese vor einigen Jahren bei der Umgestaltung des Platzes genutzt hatte. Auch Giese war bei der Eröffnung dabei und zeigte sich zufrieden mit Konzept und Realisierung. Wenn das Projekt Erfolg hat, könnte es auch auf weitere Plätze im Stadtgebiet ausgeweitet werden, sagt Koch.

Im April hatte der Rat ein gesamtstädtisches Toilettenkonzept des Amts für Gebäudemanagement beschlossen. Demnach soll die Anzahl der öffentlichen Toiletten erhöht werden, viele davon sollen durchgängig geöffnet und selbstreinigend sein. Kostenpflichtiger Inhalt Insgesamt sollen für Sanierung, Neuanschaffung und Betrieb über 15 Jahre mehr als 52 Millionen Euro investiert werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort