Düsseldorf: Der Boom in der Baubranche

Bauen in Düsseldorf : Der Boom in der Baubranche

Die Unternehmen der Bauindustrie haben volle Auftragsbücher – aber auch Mühe, alle offenen Stellen zu besetzen. Viel Arbeit fließt in die Nachwuchsgewinnung, sogar mit einem Multimedia-Bus, der Schüler begeistern soll. Genervt ist die Branche von alten Vorurteilen.

Sie würden zu spät fertig und überschritten dabei natürlich die geplanten Kosten: „Im Tatort wird das bis heute gerne so gezeigt, und in einigen Köpfen ist das nach wie vor das Image unserer Branche“, sagt der Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes NRW, Siegfried Steuer. Zutreffend seien solcherlei Vorurteile freilich nicht, prominente Problem-Projekte wie der Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie prägten aber leider zumindest teilweise das öffentliche Bild: „Natürlich gibt es aber in Berlin und Hamburg und selbstverständlich in Düsseldorf viele tolle Projekte, die architektonisch spannend sind und die im geplanten Zeit- und Kostenrahmen abgewickelt werden.“ Das betonen er und andere Branchenvertreter auch deshalb, weil sie gerade so besonders im Fokus stehen: Die Branche boomt wie nie zuvor, aber auch die Preise steigen, ebenso die Wartezeiten.

Fakt ist: Der Branche geht es aktuell hervorragend. Anfang des Jahres meldeten die Industrie- und Handelskammern im Rheinland die beste bei ihrem  Konjunkturbarometer jemals gemessene Geschäftslage der Bauunternehmen. Knapp zwei Drittel der befragten Betriebe in der Region bezeichneten ihre Lage damals als gut, gerade einmal 2 Prozent nannten ihre Situation schlecht. Schon in diesem Bericht hieß es aber auch: Die Betriebe arbeiten angesichts der vollen Auftragsbücher „am Anschlag“, während gleichzeitig der Fachkräftemangel durchschlägt.

Vor diesem Hintergrund seien auch die vielfach diskutierten hohen Bau-Preise noch einmal anders zu sehen, betont etwa Thomas Fiedler, Bereichsleiter bei Wayss & Freytag Ingenieurbau. „Natürlich profitiert auch die Bauindustrie davon“, sagt er: Gleichzeitig habe man im vergangenen Jahr aber auch eine deutliche Erhöhung der Tarifgehälter gehabt: „Wenn die Branche floriert, dann möchten natürlich auch alle gerne daran teilhaben.“ Lohndumping gebe es glücklicherweise nahezu nicht mehr; und nach wie vor zahlt die Bauindustrie nach eigenen Angaben auch die höchste Ausbildungsvergütung: „Wir haben dennoch nicht alle Stellen besetzen können.“

Um mehr Jugendliche für die Arbeit am Bau zu begeistern, tourt die Bauindustrie inzwischen sogar mit einem eigenen, multimedial ausgebauten Bus durch das Land. 12.000 Schüler habe man im vergangenen Jahr damit besucht – an Bord befinden sich ein ferngesteuerter Mini-Bagger, es gibt ein Geräusche-Rätsel, und am „BauBoard“ erleben die Schüler eine virtuelle Fahrt über eine Baustelle. Mehr als 20 verschiedene Bauberufe werden dem potenziellen Nachwuchs auf diese Weise nahegebracht. „Es werden viele Anstrengungen unternommen“, sagt Steuer.

Insgesamt sind die Gründe für die hohen Kosten für Neubauten heutzutage vielfältig, wie die Bauindustrie betont. Ein erheblicher Teil entfalle dabei schlicht auf die Mangelware Bauland, die in begehrten Städten inzwischen nur noch zu Höchstpreisen zu haben ist. Dazu kommen die hohen gesetzlichen Anforderungen beispielsweise bei Energieeffizienz, Schallschutz und Barrierefreiheit und die entsprechend komplexen Genehmigungsverfahren.

Was nicht nur die Kosten steigen lässt, sondern auch die Wartezeiten erhöht: „Diese Verfahren sind intensiv und kosten viel Zeit“, sagen die Bau-Experten. Bei der Stadt Düsseldorf erlebten sie zahlreiche engagierte Mitarbeiter in diesem Bereich: „Aber die haben wirklich viel auf dem Tisch.“