Landeswettbewerb Jugend Forscht Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz – daran forscht die Jugend

Düsseldorf · Beim „Jugend Forscht“-Landeswettbewerb NRW konnten Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten in Mint-Fächern auf dem Firmengelände von Henkel vorstellen. Dabei wetteiferten sie um den Einzug in den Bundeswettbewerb.

 Julius Clauss (17) von der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach wurde Landessieger im Fachgebiet Arbeitswelt. Er befasste sich mit in der Milchwirtschaft häufig auftretenden Klauenkrankheiten bei Rindern.

Julius Clauss (17) von der Bischöflichen Marienschule Mönchengladbach wurde Landessieger im Fachgebiet Arbeitswelt. Er befasste sich mit in der Milchwirtschaft häufig auftretenden Klauenkrankheiten bei Rindern.

Foto: Henkel

Die Teilnehmer an der Landesrunde des Nachwuchswettbewerbs „Jugend forscht“ sind jetzt schon alle Gewinner, betont der Leiter des NRW-Wettbewerbs, Carsten Penz. „Sie alle konnten in den Regionalrunden bereits überzeugen und drei spannende Tage bei Henkel und unter Gleichgesinnten verbringen“, erklärt der Chemielehrer aus Münster, der inzwischen zum achten Mal den Landeswettbewerb leitet.

Zum ersten Mal ist dabei Henkel Gastgeber, nachdem das Unternehmen seit 2022 als Patenunternehmen neben der Ruhr-Universität Bochum und Bayer den Wettbewerb ausrichtet. Die Projekte kommen alle aus sogenannten Mint-Fächern, also dem naturwissenschaftlichen und mathematischen Bereich, hinzu kommen „Arbeitswelt“ und ein interdisziplinärer Preis, am Ende gibt es acht Preisträgerinnen und Preisträger, die eine Runde weiter kommen.

Auffällig ist dabei, dass sich viele Forschungsprojekte der Jugendlichen um Lösungen und Probleme rund um Nachhaltigkeit und Klima drehen. „Viele wenden auch Apps, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz an, die Entwicklung ist spannend mit anzusehen“, schildert Carsten Penz. Die Jugendlichen seien dabei multikompetent, viele lernten eigenständig mit Inhalten aus dem Internet und (YouTube-)Videos. „Diese intrinsische Motivation ist unglaublich wertvoll und viele schaffen erstaunliche Ergebnisse.“

Das macht sich auch im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern bemerkbar. Leonardo Prinz geht auf das Städtische Humboldt-Gymnasium in Düsseldorf und hat es neben 68 Mitbewerbern mit insgesamt 46 Projekten in den Landeswettbewerb geschafft. „Auch wenn ich in Düsseldorf wohne, habe ich mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Jugendherberge übernachtet“, erzählt er. Die Führungen über das Werksgelände von Henkel und das Wettbewerbsgeschehen seien ebenfalls spannend gewesen. Auch er hat sich für sein Projekt alles selbst beigebracht. „Informatik gibt es an unserer Schule nicht.“ Erschaffen hat er „Studymate AI“, einen Chatbot-basierten Lernassistent, der angepasst an den NRW-Lehrplan für Schüler Lernpläne, Quizze und Zusammenfassungen erstellt. Die Inhalte hat er selbst eingefügt; „damit auch alles stimmt, nicht wie bei ChatGPT“.

Ben Siebert vom Gymnasium Holthausen in Hattingen hat die App SaveWorld erschaffen, die insbesondere Jugendlichen das Thema Nachhaltigkeit näher bringen soll: „Die Umwelt und unsere Zukunft beschäftigt Jugendliche, aber oft fehlt eine Idee, wie das eigentlich funktioniert mit der Nachhaltigkeit. Die App soll dabei unterstützen“, erklärt Siebert. Zumindest für Apple-Geräte ist die App auch nutzbar, Android soll bald folgen.

Claire Jeane Harpering und Karolina Golinski vom Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop sind im Fachgebiet Biologie der Frage nachgegangen ob Mehl- und Superwürmer die Lösung für das Plastikproblem sind und haben dafür viele Experimente durchgeführt. Daneben gab es viele weitere spannende Projekte, die sich mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigen und zu oft spannenden Ergebnissen kommen. Die acht Siegerinnen und Sieger jedenfalls dürfen Anfang Juni nach Heilbronn auf Bundesebene gegen andere junge Forscher antreten.

Das sind die Gewinner und Gewinnerinnen in den einzelnen Fachgebieten:

Arbeitswelt Julius Clauss (17), Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach, befasste sich mit in der Milchwirtschaft häufig auftretenden Klauenkrankheiten bei Rindern. Es gelang ihm, diese per Wärmebildkamera bei betroffenen Tieren genauer zu lokalisieren, wodurch sich die Behandlungszeit verringert.

Biologie Malte Cox (18), Leo Roer (17) und Beeke Drechsler (17), Städtisches Wilhelm-Hittorf-Gymnasium in Münster. In Laborversuchen gingen sie der Frage nach, warum die Larven des Großen Schwarzkäfers in der Lage sind, Polystyrol zu fressen und so zu verwerten, dass sie kein Mikroplastik ausscheiden. Sie fanden heraus, dass das Darmmikrobiom eine entscheidende Rolle spielt.

Chemie Ben Eumann (17), Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Hilden, befasste sich mit der Synthese von Düften auf Basis von Naturstoffen. Er entwickelte ein Verfahren zur Isolation von Guajacol aus Buchenholzteer als Grundstoff für die Duftstoff- und Aromastoffherstellung.

Geo- und Raumwissenschaften Jonas Moritz Wewel (18), Gymnasium Paulinum in Münster, konnte sich mit der Bestimmung der differenziellen Rotation der Sonne anhand von Sonnenflecken im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften durchsetzen. Da die Sonne hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium besteht, dreht sie sich an ihrem Äquator und an den Polen unterschiedlich schnell.

Mathematik/Informatik Leo Blume (15), Gymnasium Essen-Werden, überzeugte mit einem Projekt zur Generalisierung der sogenannten vergleichsbasierten Sortierung. Es gelang, diese so zu verallgemeinern, dass sich auch mehrdimensionale Objekte ordnen lassen. Eine selbst programmierte Webanwendung ermöglicht die praktische Nutzung – beispielsweise um Bücher im Regal nach Farben zu sortieren.

Physik Felix Freddy Weihermann (16) und Jonas Umpfenbach (17), Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Münster, entwickelten einen alternativen Antrieb für Magnetschwebebahnen. Dafür nutzen sie Halbach-Arrays, das sind kreisförmig angeordnete Magneten, die idealerweise über einer gut leitenden Metallplatte rotieren, die als Schiene dient.

Technik Marvin Rzok (22), Berufskolleg Niederberg in Velbert, konstruierte eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Radiosonden für die Wetterdatenerfassung.

Interdisziplinäres Projekt Zsombor Gál-Knapcsek (18), Thomas Mann Gymnasium – Deutsche Schule Budapest, beschäftigte sich mit einem spannenden physikalischen Phänomen, bei dem ein kleiner Ball aus ferromagnetischem Material in einem veränderlichen magnetischen Feld infolge hoher Frequenz chaotische Bewegungen vollzieht.

Infos zum Wettbewerb und den Gewinnern gibt es online unter www.jugend-forscht.de.

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