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Düsseldorf: Darum nimmt Bäckerei "Bulle" kein Bargeld mehr an

Zahlung per Karte oder Smartphone : Erster Düsseldorfer Bäcker nimmt kein Bargeld mehr an

Beim Bäcker Bulle an der Oststraße in Düsseldorf kann künftig nur noch mit Karte oder mit dem Smartphone bezahlt werden. Chef Michael Gauert rechnet auch mit verärgerten Kunden – will die neue Strategie aber durchziehen.

Ab Dienstag kann in der Filiale der Bäckerei Bulle an der Düsseldorfer Oststraße nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden. Damit geht Inhaber Michael Gauert neue Wege. Zumindest ist ihm und auch der Innung der Düsseldorfer Handwerksbäcker kein weiteres Beispiel in der Landeshauptstadt bekannt. „Wir haben uns vorher mit einem Bäcker in Bonn ausgetauscht, der bereits das Bargeld abgeschafft hat“, sagt Gauert.

Zum Start will Gauert zwar noch nicht so streng sein und eine Woche lang noch Bargeld akzeptieren, dann werde die Kasse dafür allerdings abgeschafft. Auch für die bereits länger bestehende Filiale an der Birkenstraße sei das geplant, nun wolle man erst mal Erfahrungen sammeln.

Der Bulle-Chef verweist auf den hohen Aufwand, den Bargeld verursache. „Wir müssen jede Münze einzeln zählen, das Ergebnis kontrollieren und das Geld zum Automaten bringen oder auch neues Wechselgeld bei der Bank holen.“ Selten, aber immer mal wieder stimme zudem plötzlich mal das Ergebnis in der Kasse sehr deutlich nicht, was dann extrem viel Zeit koste. Mindestens eine halbe Stunde müsse aber auf jeden Fall gezählt werden, 45 Minuten kämen für das Einzahlen bei der Bank und den Weg dorthin dazu.

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Umgekehrt sei kontaktloses Bezahlen an der Theke mittlerweile schneller möglich, vor allem mit dem Smartphone oder einer Smartwatch, weil die Zeit zur Authentifizierung wegfalle. Die Gebühren von rund 20 Cent pro Transaktion nehme er in Kauf, da viele Kunden bei ihm größere Einkäufe machten. Umgekehrt koste ihn auch die Verwaltung des Bargeldes Geld, das Einzahlen am Automaten oder auch der Kauf von Wechselgeld.

Jeder zweite Einkauf werde bei Bulle noch bar bezahlt. Viel Potenzial ist das also auch für Ärger. „Ich habe schon Sorge, dass wir einige Kunden verprellen.“ Durchziehen wolle man die neue Strategie dennoch. Eine Umfrage bei Instagram zu Thema habe viele positive Rückmeldungen gebracht.

Viele Nachahmer wird es aus Sicht von Thomas Puppe, Sprecher der Düsseldorfer Handwerksbäcker, nicht geben. Für ihn komme die Abschaffung des Bargeldes nicht in Frage. „Die meisten Kunden bezahlen bei uns noch so.“ Umgekehrt habe er sich wie viele Kollegen lange gesträubt, Kartenzahlungen zu akzeptieren. „Die Gebühren sind schon hoch, wenn einer nur zwei Brötchen kauft.“ Vor allem bei Kreditkarten sei das so,  die Puppe heute noch nicht akzeptiert. „Das wird sich aber wahrscheinlich auch bald ändern. Es wollen einfach immer mehr Leute kontaktlos bezahlen. Da kommen wir nicht dran vorbei.“

Puppe sieht wie Gauert Aufwand und Kosten, die das Bargeld verursacht. Wer eine Rolle mit Ein-Cent-Münzen im Wert von 50 Cent bei einer Bank einzahlen wolle, müsse zum Teil 50 Cent Gebühren zahlen. Umgekehrt müsse er das Wechselgeld den Banken abkaufen. Auch bei Aspekten der Sicherheit und des Controllings verursache Bargeld mehr Arbeit.

Für den IHK-Handelsexperten Sven Schulte liegt die Entscheidung der Bäckerei im Trend der Zeit. „Dennoch ist das ein heikles Thema, weil in Deutschland sehr viel bar gezahlt wird. Hier zeigt einer sehr klare Kante und richtet sich damit vor allem an ein jüngeres Publikum.“  Mit kommenden Generationen werde die Bedeutung des Bargeldes allerdings nachlassen. Mit der Pandemie habe kontaktloses Bezahlen einen großen Schub bekommen. Dennoch sei es sehr selten, dass nicht bar gezahlt werden könne. Als Beispiel nennt Schulte den automatisierten Supermarkt Typy im Medienhafen.

Leseraufruf Was sagen Sie zum Ende des Bargelds beim Bäcker? Schreiben Sie an duesseldorf@rheinische-post.de.