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Düsseldorf: Carsten Sander fotografiert religiöse Orte in der Stadt

Multireligiöser Kalender aus Düsseldorf : Wo Gott, Allah und Buddha in Düsseldorf verehrt werden

Carsten Sander hat religiöse Orte in Düsseldorf fotografiert. Sein Kalender ist ein eindrückliches Plädoyer für Toleranz.

Hass-Kommentare, Gereiztheit und Polarisierung: Diesen gesellschaftlichen Grundströmungen will der Düsseldorfer Fotograf Carsten Sander eine andere Wirklichkeit entgegensetzen. Seine Fotografien bilden Vielfalt ab. Betonen den Reichtum, der durch Verschiedenheit entstehen kann. Im viel beachteten Band „Heimat. Deutschland Deine Gesichter“ zeigte er vor einigen Jahren 1000 Menschen, die zu diesem Land gehören. Von Bastian Schweinsteiger über Iris Berben bis hin zu Menschen ohne Obdach reichte der Bogen. Viel beachtete Porträts, für die er ab 2010 mehrere Jahre lang quer durch die Republik gereist war.

Jetzt legt er auf Anregung der großen Düsseldorfer Religionsgemeinschaften einen Kalender vor, der auf einer Galerieausstellung aufbaut. „In Ewigkeit“ heißt der immerwährende Kalender, der keine Wochentage nennt und deshalb nicht ans Jahr gebunden ist. 13 Fotos (mit Deckblatt) zeigen Düsseldorfer Kirchen, Moscheen, Tempel und die Synagoge. Im Stil betont sachlich, transportiert Sander über seine Bildsprache eine zutiefst menschliche Emotion – ausgelöst durch die Frage: Warum bin ich auf der Erde?

Carsten Sander (hier in der Andreaskirche in der Altstadt) hat 13 religiöse Räume in Düsseldorf fotografiert. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Zu den Ideengebern für den besonderen Blick auf die religiösen Orte in der Landeshauptstadt zählt Dalinc Dereköy, Vorsitzender des Kreises der Düsseldorfer Muslime (KDDM). „Zu Beginn meiner Laufbahn kam ich nach einer Nachtschicht um vier Uhr morgens aus der Kanzlei und sah, wie ein buddhistischer Mönch ein asiatisches Restaurant segnete. Die Idee, solche Szenen in guten Fotos festzuhalten, war geboren“, sagt der Anwalt. Irgendwann sprach er Sander an und schließlich wurde aus der Idee ein Projekt mit Hand und Fuß.

Fasziniert von der Idee ist auch Pater Elias Füllenbach. Bei der Vorstellung des Kalenders am Montag im Andreassaal des Dominikanerklosters sagte der Ordensprior: „Unsere Stadt wirkt oft säkular. Und doch gibt es überall sehr lebendige religiöse Räume, die ganz viel gemeinsam haben: Menschen treffen sich, um den Trubel der Stadt hinter sich zu lassen und um über sich selbst hinaus zu denken.“ Sanders Fotografien ermöglichten den wohlwollenden und toleranten Blick auf die jeweils anderen. Die Botschaft der Bilder sei klar: „All diese Gemeinschaften leisten einen wichtigen Dienst für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Weltanschauungen“, meint Füllenbach.

Gott im Gebet näher kommen: Diese Aufnahme machte Sander in der Ditib-Moschee in Derendorf. Foto: Carsten Sander

Doch wie ist es, gute zwei Jahre nach diesen Aufnahmen um die viel beschworene Toleranz bestellt? Zumindest mit Blick auf Düsseldorf ist Sander optimistisch. „Wir haben wirklich Glück, dass wir in einer rheinischen Metropole leben, in der Toleranz und die Bereitschaft, andere zu integrieren, tief verwurzelt sind“, sagt er. Deshalb komme hier deutlich seltener vor, was in anderen Regionen leider schon längst zum Alltag gehöre. „Ich hoffe, es bleibt so“, sagt der 52-Jährige. Auf den besonderen Geist Düsseldorfs vertrauen auch Dereköy und Michael Szentei-Heise, Verwaltungschef der Jüdischen Gemeinde. „Der Toleranzwagen im Rosenmontagszug ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das die Stadt stolz sein kann“, sagt Szentei-Heise. Dennoch warnen beide vor weltweiten Tendenzen, wie der Zunahme von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, die am Ende auch vor Düsseldorf nicht haltmachten. Umso wichtiger seien Sanders Bild-Botschaften. Nur ein Gemeinwesen, in dem Zusammenhalt prägend sei, sei am Ende zukunftsfähig.

Das Thema Vielfalt wird den in Neuss geborenen, in Düsseldorf und Berlin lebenden Sander in den kommenden Monaten weiter intensiv beschäftigen. Gute drei Monate wird er auf Initiative des Auswärtigen Amts mit einem Wohnmobil durch die EU reisen. „Faces of Europe“ (Gesichter Europas) heißt das Projekt, an dessen Ende 1000 Fotografien von Europäern stehen. Erstmals werden sie in Brüssel in einer Ausstellung zum Auftakt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu sehen sein. „Danach wandert die Schau in viele andere Städte, da­runter voraussichtlich Straßburg, Madrid und Warschau“, sagt Sander.

Info Der Kalender „In Ewigkeit“ (Format: DIN-A-2, Erst-Auflage: 250) kostet 29 Euro und ist in der Andreaskirche sowie gegenüber an der Klosterpforte der Dominikaner erhältlich.