Düsseldorf: Bürgermeister Thomas Geisel will Manager ins Rathaus holen

Aufregung um Pläne für Stadttöchter : Oberbürgermeister Geisel will Manager ins Düsseldorfer Rathaus holen

Der Stadtchef will einen hoch dotierten Posten schaffen – und die Stadttöchter direkt aus seinem Büro steuern lassen. Politisch droht Widerstand: Sein Wunschkandidat ist kürzlich schon als Rheinbahn-Chef abgeblitzt.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) sorgt mit Plänen für die städtischen Beteiligungsgesellschaften für Aufregung. Geisel will nach Informationen unserer Redaktion der Kämmerei die Steuerung abnehmen – und einem Manager zuteilen, der ihm direkt zuarbeitet. Er hat schon einen Wunschkandidaten: Norbert Menke, früherer Chef der Leipziger Stadtholding. Der war schon Geisels Kandidat für den Rheinbahn-Vorstand gewesen – aber im Aufsichtsrat abgeblitzt.

Die Holding-Geschäftsführung soll dann wie ein Manager-Posten bezahlt werden: Angeblich ist ein Jahresgehalt von mehr als 300.000 Euro vorgesehen. Geisel bestätigte auf Anfrage am Dienstagabend, dass er Pläne habe, wollte sich aber zu Details nicht äußern.

Er kündigte ein „durchdachtes Gesamtkonzept“ an. Seit langem führt Düsseldorf seine Beteiligungen an Stadttöchern wie Messe, Bäder, Rheinbahn, Stadtwerke oder Flughafen unter dem Dach der Holding. Die Konstruktion diente bislang vor allem dazu, Steuern zu sparen, da Gewinne und Verluste verrechnet werden konnten. Die Steuerung lag in der Kämmerei, die Geschäftsführer sind bislang Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und der Leiter der Kämmerei, Christian van Beeck.

Oberbürgermeister Thomas Geisel. Foto: Bretz, Andreas (abr)

>>>Am Mittwochmorgen hat OB Geisel seine Pläne im Rathaus vorgestellt<<<

Beobachter gehen davon aus, dass Geisel durch die Neustrukturierung seinen Einfluss auf das operative Geschäft verstärken will. Menke könnte als eine Art Über-Vorstand wirken. Der Manager könnteetwa auf höhere Ausschüttungen an die Stadt drängen, ein Reizthema, über das Geisel schon mit Sparkasse und Messe hart gerungen hat. Menke hatte ab 2014 die Leipziger Holding mit rund 4900 Mitarbeitern geleitet. Er musste im vergangenen Jahr vorzeitig gehen, unter anderem soll er sich mit Leipzigs OB Burkhard Jung überworfen haben.

Geisel soll mit dem Schritt auch auf die Kritik von Grünen und FDP reagieren wollen: Die SPD-Kooperationspartner im Stadtrat haben dem Oberbürgermeister zuletzt öffentlich vorgeworfen, mit der Vielzahl seiner Mandate überfordert zu sein. Insbesondere wegen der schlechten Entwicklung der Rheinbahn, bei der Geisel als Aufsichtsratschef fungiert, hagelte es Kritik. Durch die Unterstützung von Menke könnte Geisel zugleich seinen Einfluss behalten. Dem Stadtchef wird nachgesagt, sich bis in tiefe Details mit dem Geschäft der Stadttöchter zu befassen – und ein hohes Interesse daran zu haben, bei Entscheidungen maßgeblich mitzuwirken.

Allerdings bahnt sich ein politischer Konflikt an. Als Verwaltungschef darf Geisel zwar die Zuständigkeiten selbst neu regeln. Für den hoch dotierten Posten braucht er aber wohl die Zustimmung des Aufsichtsrats der Holding. In dem sitzen ausgerechnet die Arbeitnehmervertreter der Rheinbahn, die Menke schon abgelehnt hatten. Auch die Zustimmung der politischen Vertreter ist mehr als ungewiss. Der Schritt dürfte darüber hinaus Stadtkämmerin Dorothee Schneider düpieren, der ein wichtiger Bereich entzogen würde. Ein Treffen am Dienstag, bei dem die politischen Vertreter informiert werden sollte, wurde ohne Angabe von Gründen abgesagt.

Das Thema Holding-Geschäftsführung hatte schon einmal für Zwist gesorgt: Geisel hatte 2016 seinen Vertrauten Peter Kluth als ehrenamtlichen Geschäftsführer eingesetzt. Diese Position sollte Kluth ein Mandat geben, um in Geisels Sinne mit den Stadttöchtern zu verhandeln. Kluths Wirken sorgte für Kritik der CDU. Kluth verabschiedete sich im vergangenen Sommer.

Die Pläne von OB Geisel bergen zu viel Zündstoff, sagt Uwe-Jens Ruhnau

Mehr von RP ONLINE