Düsseldorf: Betonsperren gegen Terror bekommen Poller

Nach Vorfall mit Lkw: Stadt Düsseldorf sichert Terrorbarriere mit Poller

Ein Lastwagen hat in Düsseldorf einen Betonklotz verschoben, der eigentlich als Lkw-Sperre dienen sollte. Nun soll ein Metallpfosten davor schützen, dass die Betonwürfel vor dem Rathaus erneut bewegt werden.

Die Probleme mit der Anti-Terror-Barriere vor dem Rathaus werden immer skurriler. Die Stadtverwaltung hat nun einen Metallpoller hinter den Betonwürfeln aufstellen lassen, die am Montag von einem rangierenden Lastwagen um rund 30 Zentimeter verschoben worden waren. Das soll verhindern, dass sie erneut bewegt werden. In diesem Fall müssen sie nämlich extra mit einem Lastenkran zurück in ihre Position gebracht werden.

Wie aus dem Rathaus zu hören ist, kam die Idee bei einer Ortsbegehung mit Ämtern und Polizei nach dem Unfall am Montag auf. Das Straßenverkehrsamt soll die Installation des Pollers dann veranlasst haben. Dass die Maßnahme bei einer Attacke mit hoher Geschwindigkeit nichts bringt, sei allen Beteiligten klar, heißt es. Dahinter stünden lediglich praktische Überlegungen für die vielbefahrene Stelle. Die Idee löst allerdings auch im Rathaus einiges Kopfschütteln aus - schließlich stärkt sie nicht das Vertrauen, dass die Barrieren im Ernstfall helfen. Ein Rathausbeamter bezeichnet sie als "ziemlich unglücklich."

Die beiden versetzt aufgestellten Betonklötze auf dem Durchgang zwischen Burgplatz und Rathausvorplatz sollen verhindern, dass ein Lkw mit hohem Tempo in eine Menschenmenge rast, wie es bei den Anschlägen in Berlin und Nizza passiert war. Auch an anderen Stellen in der Altstadt stehen inzwischen solche Barrieren. Allerdings müssen trotz der Vorkehrungen gegen den Terror weiter Großfahrzeuge durch das Viertel kommen. Dazu zählen die Rettungsdienste, aber auch Lieferanten.

Kommen nun doch versenkbare Poller?

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Am Montag hatte es gleich zwei problematische Vorfälle gegeben: Nicht nur, dass ein Lkw die Barriere verschob, wodurch eine Debatte um die Standfestigkeit der Betonwürfel aufkam. Darüber hinaus kam ein Spezialfahrzeug der Awista, das die unterirdischen Altglascontainer vor dem Rathaus leeren sollte, wegen seines überbreiten Hecks nicht durch. Deshalb wurde der Durchgang zwischen den Barrieren vergrößert. Experten der Prüfgesellschaft Dekra beklagen ohnehin, dass die Barrieren einen Lkw in voller Fahrt nicht aufhalten könnten.

Die jüngsten Vorfälle beleben die Debatte um die Frage, wie Düsseldorf dauerhaft den Terrorschutz gewährleisten sollte. Eine Arbeitsgruppe aus diversen Behörden sucht bereits seit Monaten nach Varianten, die Schutz bieten, aber auch zum Stadtbild passen. Zeitweise wurde sogar darüber nachgedacht, Kunstwerke wie das geplante Köbes-Denkmal an brisante Durchfahrten zu postieren.

Die CDU fordert, dass auch wieder über versenkbare Poller nachgedacht wird. Die Fraktion will das Thema in den Ordnungs- und Verkehrsausschuss des Stadtrats bringen. "Die Verwaltung muss dringend ein Konzept für Anti-Terror-Barrieren im ganzen Stadtgebiet vorlegen - nicht nur in der Innenstadt", sagt Andreas Hartnigk. Die derzeitige Situation, in der über "Legosteine" und "Panzerbänke" debattiert werde, sei unbefriedigend. "Wir müssen schnellstens aus der Provisoriums-Phase raus."

(arl)
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