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Düsseldorf: Berufsschüler machen Praktikum mit Raketenkontakt

Schulen in Düsseldorf : Berufsschul-Praktikum mit Raketen-Kontakt

Sieben Berufsschüler des Max-Weber-Kollegs verbrachten drei Wochen in Französisch-Guayana. Zwei von ihnen arbeiteten im Weltraumbahnhof Kourou der European Space Agency.

Große Maschinen, die in luftigen Höhen fliegen, können Denise Koch eigentlich nicht mehr beeindrucken. Schließlich durchläuft sie gerade eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement am Düsseldorfer Flughafen – da gehören Flugzeuge zu ihrem Arbeitsalltag. Die Maschinen allerdings, die Koch am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana beobachten durfte, haben die 20-Jährige dann doch beeindruckt. Drei Wochen lang sah sie täglich die Ariane-Raketen, die von Kourou aus ins Weltall geschickt werden. Trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen durfte sie t den gigantischen Satellitenträgern ganz nah kommen und miterleben, wie die Startrampen vorbereitet wurden. Nur für den Start reichte die Dauer ihres Auslandspraktikums dann leider doch nicht aus. „Trotzdem war das sehr beeindruckend. So eine Rakete ist nunmal eine ganz andere Hausnummer“, sagt Koch.

Mit dabei im Raumfahrtzentrum der European Space Agency (ESA) war auch David Emmerich (26), ebenfalls angehender Kaufmann für Büromanagement. Beide waren Teil einer siebenköpfigen Gruppe von Berufsschülern des Max-Weber-Berufskollegs (MWBK), die die vergangenen Wochen für verschiedene Auslandspraktika in Französisch-Guayana verbrachten. Ermöglicht wurde der Aufenthalt durch das Förderprogramm Erasmus+, das den Austausch von Schülern und Studierenden innerhalb der EU fördert. Darunter fällt auch Französisch-Guayana, denn das Gebiet im Nordosten Südamerikas gehört als Übersee-Département des französischen Staates offiziell zur Europäischen Union.

„Wir hätten auch nach Italien oder Großbritannien gehen können. Aber Guayana war das weiteste Ziel, was man wählen konnte und damit auch ein Abenteuer“, sagt Emmerich. Das Förderprogramm stellt allerdings nur begrenzte Mittel zur Verfügung – um Unterkunft, Anreise und nicht zuletzt einen Praktikumsplatz mussten die Azubis sich selbst kümmern. „Es war also definitiv kein Urlaub, den wir dort gemacht haben“, betont Koch.

Seit 2012 gibt es die Möglichkeit von Auslandspraktika als freiwillige Zusatzqualifikation am MWBK, erklärt Barbara Stieldorf. Zusammen mit ihrem Kollegen Nick Denis koordiniert und unterstützt sie die Berufsschüler bei ihrem Aufenthalt. „Guayana als Ziel ist jedoch neu und resultiert aus einer Kooperation mit einer guayanischen Berufsschule, die wir in diesem Jahr aufgebaut haben“, sagt Stieldorf. Beide Lehrer begleiteten die Berufsschüler deshalb auch in ihrer ersten Woche, um sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Besonders die schlechten Lebensverhältnisse im französischen Département überraschten Schüler und Lehrer gleichermaßen. „Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind enorm und leider meist auch an die Hautfarbe geknüpft“, resümiert Koch. „Gerade Lebensmittel sind um ein Vielfaches teurer als hier, da alles aus Frankreich importiert werden muss.“ Auch die Infrastruktur und der öffentliche Personennahverkehr seien schlecht ausgebaut, was die tägliche Pendelei von ihrer Unterkunft in einem guayanischen Internat aus deutlich erschwerte. „Manchmal habe ich einen der wenigen Busse verpasst und musste dann schauen, wie ich nach Hause komme“, sagt Emmerich. Glück für ihn, dass er schnell Bekanntschaft mit der ESA-Chefin Charlotte Beskow schloss, die ihn in solchen Fällen nach Hause fuhr.

Erfahrungen, die beide nicht missen wollen. Vor allem Emmerich konnte seine Sprachkenntnisse zwangsläufig enorm ausbauen, denn Französisch war in seinem Büro die Amtssprache. Und trotz der arbeitsreichen Wochen blieb am Wochenende schließlich auch noch etwas Freizeit, um die beeindruckende Regenwaldlandschaft erkunden zu können.