20 Zentimeter breiter Gehweg Die schlimmste Straße in Düsseldorf

Düsseldorf · Für Fußgänger und Radfahrer ist die Bertastraße in Düsseldorf-Gerresheim ein ständiger Gefahrenherd. Anwohner wollen jetzt wenigstens Tempo 30 durchsetzen. So ist die Situation vor Ort.

 Der Protest formiert sich: Die Anwohner der Bertastraße fordern eine Einführung von Tempo 30.

Der Protest formiert sich: Die Anwohner der Bertastraße fordern eine Einführung von Tempo 30.

Foto: Marc Ingel

Dass diese Straße jemals so konzipiert wurde, wie sie aktuell aussieht, ist aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar. Und das betrifft nicht Autofahrer, die haben ausreichend Platz. Für Fußgänger und Radfahrer jedoch ist die Bertastraße in Gerresheim in jeder Hinsicht ein Gräuel. Nur ein schmaler, teilweise nur 20 Zentimeter breiter, zumeist noch von Hecken überwucherter Streifen steht ihnen zur Verfügung.

Wer noch mit Kinderwagen oder Rollator unterwegs ist, muss immer wieder auf die Straße ausweichen, da auf dem Mini-Bürgersteig mittig Masten von alten Gasleuchten stehen, die zudem nachts allenfalls die Straße beleuchten, den Fußweg aber in tiefer Dunkelheit belassen.

Alltag auf der Bertastraße: Ayescha Kroll-Brenk muss mit dem Kinderwagen auf die Straße ausweichen, da einen Laternenmast den Weg versperrt.

Alltag auf der Bertastraße: Ayescha Kroll-Brenk muss mit dem Kinderwagen auf die Straße ausweichen, da einen Laternenmast den Weg versperrt.

Foto: Marc Ingel

„Nachts wird die Bertastraße erst recht zum Nürburgring“, sagt ein Anwohner. Manchmal endet der mit Stolperfallen übersäte Weg dann auch einfach an einer Hecke. Viele Poller, die das Parken verhindern sollen, wurden von Rasern bereits umgefahren.

Die Anwohner protestieren gegen diesen Zustand schon seit vielen Jahren, gehört wurden sie bis heute nicht. Jetzt haben sie eine Petition gestartet, fast 500 Unterstützer haben bereits unterzeichnet. Denn zumindest eines muss aus ihrer Sicht gewährleistet sein: Auf der gesamten Bertastraße dürfen Autofahrer nicht schneller als 30 fahren.

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Foto: D.LIVE

Das Tempolimit gilt ohnehin bereits auf dem Abschnitt zwischen der Bushaltestelle und dem Zamenhofweg, nachdem hier 2016 ein Mensch bei einem Umfall ums Leben kam. „Das muss jetzt auch für die letzten noch fehlenden, katastrophal ausgebauten 600 Meter bis zur Dreherstraße eingeführt werden“, fordert Ayescha Kroll-Brenk.

Sie ist dreifache Mama und sagt: „Wir alle hier lassen unserer Kinder keinen Meter alleine auf der Bertastraße zu Fuß gehen, das ist einfach viel zu gefährlich.“ Drei Schulen und zwei Kitas plus die komplette Nahversorgung mit Supermarkt, Bäcker, Apotheke und Ärzten liegt an oder in unmittelbarer Nähe der Dreherstraße, und wer dorthin will, muss über die Bertastraße. Den Gehweg zu verbreitern, dürfte schwer fallen, die Grundstücke der Vorgärten gehören zumindest zum Teil nicht der Stadt – bleibt also nur Tempo 30.

Die Bezirksvertretung 7 hatte eine Temporeduzierung bereits einmal beantragt. „Aber die Verwaltung hat erklärt, dass die straßenverkehrsrechtlichen Grundlagen für eine Reduzierung der Geschwindigkeit – wie beispielsweise eine Überschreitung der Lärmgrenzwerte oder das Vorhandensein sensibler Einrichtungen wie Altenheim, Krankenhaus, Schulen oder Kitas – auf dem gesamten Straßenverlauf nicht gegeben seien“, gibt Bezirksbürgermeisterin Maria Icking die Antwort wieder. Was wiederum Kroll-Brenk auf die Palme bringt: „Die Bertastraße ist unmittelbarer Schulweg für viele Kinder, und das soll nicht zählen?“

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Foto: Stefani Geilhausen

Hinzu kommt, dass die Rheinbahn das Einrichten einer Tempo-30-Regelung auf dem gesamten Verlauf der Bertastraße und auf dem Zamenhofweg unter Berücksichtigung der Fahrzeiten und der damit erforderlichen Anpassung des Fahrplanes mit Anschlussverbindungen abgelehnt hat. „Das sind doch nur 600 Meter, der Bus würde allenfalls ein paar Sekunden verlieren“, fehlt Kroll-Brenk jegliches Verständnis.

Auch Ferry Weber, Sprecher des Düsseldorf Ortsvereins „Fuss e.V.“, erklärt vor Ort: „So eine sinnvolle, wenig aufwendige Maßnahme mit solch fadenscheinigen Argumenten abzulehnen, ist nicht akzeptabel. Hier muss einfach etwas passieren, die Stadt ist in der Verkehrssicherungspflicht.“

Ayescha Kroll-Brenk will jedenfalls nicht so schnell aufgeben, und sie spürt eine große Solidarität. Nicht nur von Seiten ihrer Nachbarn – rund 250 Betroffene dürften an der Bertastraße leben – „auch der Kleingartenverein Königsbusch oder der Post Sportverein an der Dreherstraße haben deutlich signalisiert, dass sie auf unserer Seite sind“.

Sie will den öffentlichen Druck weiter erhöhen, die Bezirksvertreter zu einem Ortstermin einladen in der Hoffnung, dass diese dann die Sorgen weiter in den Rat tragen. „Die Bertastraße ist anders als andere Straßen. Daher brauchen wir eine Sonderregelung“, fordert sie.

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