Düsseldorf: BDA lädt zu "Wohnwochen" ein

„Wohnwochen“ in Düsseldorf : Diese Architekten wollen mit den Düsseldorfern übers Wohnen sprechen

Wohnen ist ein Menschenrecht, findet der Bund Deutscher Architekten (BDA) Düsseldorf. Dabei muss preiswerter Wohnraum nicht hässlich sein – im Gegenteil. Mit der Bevölkerung wollen die Architekten darüber diskutieren, wie die Krise zur Chance werden kann.

Die freischaffenden Architekten und Stadtplaner, die im Bund Deutscher Architekten (BDA) Düsseldorf organisiert sind, machen sich Sorgen: Sie befürchten, dass die Wohnungskrise unsere Gesellschaft spaltet. Dabei müsste das aus ihrer Sicht nicht sein – schließlich gibt es auf der ganzen Welt Beispiele für preiswerten und doch hochwertigen Wohnungsbau, der Städte sogar schöner machen kann. Der BDA lädt deshalb zu den „Wohnwochen Düsseldorf“ ein. Die Architekten wollen mit Bürgern ins Gespräch kommen, Lösungen vorstellen und Probleme diskutieren. Ein Gespräch mit den Initiatoren des Programms, Georg Döring (Vorsitzender des BDA), Ursula Ringleben (Professorin an der Universität Wuppertal) und Anna Wollenberg (freie Architektin).

„Bauen, bauen, bauen“ lautet die Lösung der Stadtspitze für das Wohnungsproblem. Eigentlich doch eine tolle Nachricht für Architekten, oder?

Georg Döring Grundsätzlich ja – aber die Qualität muss gegeben sein. Architektur muss den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Und drittens – aus meiner Sicht der wichtigste Punkt: Die Verkehrssituation muss stimmen. Man kann nur so viel bauen, wie man auch erschließen kann. Düsseldorf ist zwar bevölkerungsmäßig eine sehr große Stadt, hat aber verhältnismäßig sehr wenig Fläche. Man muss also genau wissen, wie man verdichtet und welche Flächen man zu Bauland machen kann.

Trotzdem müsste es den BDA doch freuen, dass inzwischen so viel über die Themen Wohnen und Bauen diskutiert wird und fast jeder den Begriff „Verdichtung“ kennt.

Ursula Ringleben Leerstellen innerhalb von Blocks zu füllen oder Häuser aufzustocken – das sind die beiden Möglichkeiten der Verdichtung, die man in der Stadt hat. Doch auch die Verdichtung hat Grenzen. Denn irgendwann ist die Wohnqualität hin und das nützt keinem. Die Wohnraumzunahme innerhalb einer beliebten Stadt wie Düsseldorf ist begrenzt. Man muss über die Randlagen von Städten nachdenken – da darf man sich nicht belügen.

Döring Man muss auch unangenehme Themen ansprechen können. Nehmen Sie Kleingärtnersiedlungen. Natürlich – man braucht frische Luft und freie Schneisen. Aber was ist wichtiger? Bezahlbarer Wohnraum oder Kleingartenflächen für jeden? Das Wort bezahlbar ist mir dabei besonders wichtig.

Was bedeutet es konkret?

Döring Dass Sie von Ihrem Einkommen maximal 30 Prozent für Miete ausgeben. Und das ist mittlerweile selbst für die Mittelschicht nicht mehr ohne weiteres gegeben. Das Thema geht uns also alle an.

Welchen besonderen Zugang bietet der BDA mit den „Wohnwochen“ zu der Wohnungsdiskussion?

Anna Wollenberg Wir möchten das Thema abseits der parteipolitischen Debatten behandeln. Mit den Vorträgen, der Ausstellung und dem Workshop wollen wir eine breite Masse der Bevölkerung ansprechen. Sie sollen sich informieren, mitdiskutieren, sich einbringen und die Vielschichtigkeit des Themas begreifen können.

Was ist das Problem in Düsseldorf?

Ringleben Wir als Architekten haben erkannt, wie man bezahlbare Wohnungen baut. Preislich Luft ist nur noch bei den Kosten für das Baugrundstück. Düsseldorf ist da kein Vorbild. Das Glashüttengelände hat die Stadt erworben und dann weiterverkauft an einen Investor, der es seinerseits weiterverkauft hat. Wo sind wir heute? Das Grundstück ist 1000 Prozent teurer, als es eigentlich sein dürfte, um preiswert zu bauen.

Was hilft dagegen?

Ringleben Auch Düsseldorf ist inzwischen auf die Idee gekommen, Grundstücke nur noch abzugeben an Käufer, die ein gutes Konzept für die Bebauung vorweisen können. Das finde ich sehr vernünftig.

Wie kann am Ende Wohnraum entstehen, der nicht nur preiswert, sondern auch qualitätvoll ist?

Döring Das ist eigentlich klar: Man muss vernünftig planen, einen Überblick über die Materialien haben und alternative Wege gehen. Schlussendlich ist aber immer das große Thema: Wir haben viele Vorschriften, ein wachsendes Baurecht. Wir müssen immer mehr dämmen, obwohl das gar nicht so viel bringt.

Ringleben Wir sollten als Architekten außerdem darauf hinarbeiten, dass die Häuser, die für sozialen Wohnungsbau gedacht sind, dieses soziale Gepräge nicht nach außen zeigen.

Wollenberg Sie müssen zur Stadt gehören und sich mit der Stadt vermischen. Es sollte keine Quartiere geben, die mit Sozialwohnungen zugekleistert sind wie im Düsseldorfer Süden.

Neue Wege zu sinnvollem Wohnungsbau in Düsseldorf wollen Sie mit den Bürgern diskutieren. Wie funktioniert das Programm der „Wohnwochen“?

Wollenberg Am 16. Mai eröffnen wir die Ausstellung. Dann haben wir im Zweiwochenrhythmus die Vorträge zu wesentlichen Aspekten des preiswerten Wohnungsbaus. Wer Lust hat, aktiv zu sein, kann an dem Workshop im Juni teilnehmen. Die beiden Leiter haben sich ein ganz spannendes Konzept ausgedacht. Ganz detailliert wollen wir noch nicht verraten, wie der Ablauf ist, aber es wird jedenfalls eine Intervention im Stadtraum geben.

Döring Alles, was diskutiert wird, wird gesammelt und am Schluss auf einer Plattform zur Verfügung gestellt. Das finde ich auch noch mal wichtig.

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