Probenbesuch in Düsseldorf-Benrath Ballettschüler feiern Bühnen-Comeback

Düsseldorf · Lange mussten die Kinder und Leiterin Daniela Schamoni der Ballettschule aus Düsseldorf-Benrath auf die Auftritte vor Publikum warten. In wenigen Tagen führen sie „Der abenteuerlustige Pirat“ auf – und die Vorfreude ist groß.

 Bei der Probe muss Daniela Schamoni nur selten eingreifen. Die Probe ist fast schon eine Aufführung.

Bei der Probe muss Daniela Schamoni nur selten eingreifen. Die Probe ist fast schon eine Aufführung.

Foto: Endermann, Andreas (end)

Von Ralph Kohkemper
Nach langer Pause kehrt das „Ballett am Schloß Benrath“ auf die Bühne zurück. Dafür treffen sie sich auch an diesem Sonntagmorgen wieder in der kleinen Turnhalle des Schloß-Gymnasiums zu einer weiteren Probe: die Mädchen und vier Jungen des Ensembles, mit ihrer Trainerin und Leiterin der Ballettschule Daniela Schamoni, die in diesem Jahr seit drei Jahrzehnten die Geschicke der Schule lenkt.

Jetzt führen sie das Stück „Der abenteuerlustige Pirat“ auf. Vor vier Jahren hatten sie das schon einmal gewollt, aber die Corona-Pandemie habe ihnen „ein Bein gestellt“. Einen Auftritt habe es damals zwar schon gegeben, aber ohne Publikum, nur vor einem Kameramann. Dass es nun wieder echtes Ballett-Theater sein wird, ist nicht nur für Schamoni ein „sehr emotionaler Moment“.

Die Geschichte, die erzählt wird, ist bunt, exotisch und wild – eine Piratengeschichte eben. Aber sie ist auch bisschen wehmütig, als der alte Pirat Piet in seiner großen Kiste kramt – und sich an junge Zeiten erinnert. Er wollte nur sein Schiff klar zum Auffahren machen, als ihm sein Fernrohr ins Wasser fällt. So taucht er hinterher und gerät durch Magie und Zauberkraft in eine farbenprächtige Abenteuergeschichte, die ihn auf eine entlegene Insel in warmen Gewässern führt.

Für eine solche Inszenierung bedarf es viel Vorbereitung. Kostüme müssen geschneidert, Choreographien erarbeitet, Musik arrangiert werden. Was an diesem Probentag so leicht und fließend wirkt, ist das Ergebnis ungezählter Trainingsstunden. Nun geht es um den Detailschliff. „Wir proben es jetzt in einem durch“, erklärt Schamoni zu Beginn. Ein Teil der Tänzerinnen wird daher erst einmal in die Kabine geschickt, um den richtigen Abgang und Auftritt zu testen.

Schamoni deutet sogar kurz ihre Rede an, die sie vor Publikum halten wird. „Corona hat es verhindert und jetzt bla, bla…“ Das genügt. Dann geht es los. Das erste Szenenbild des 1. Aktes steht, alle verharren still, warten auf den Einsatz. Der alte Pirat erscheint. Sein Blick zurück in seine Jugend lässt das Stück beginnen. Als die Musik einsetzt, kommt Bewegung auf, die Figuren erwachen. Der Vorhang zu dem Tanztheater, das Elemente verschiedener Stilrichten von Jazz bis Ballett vereint, erhebt sich.

Rund 200 Mädchen, junge Frauen und Jungen, sind beteiligt. Die Jüngsten sind erst fünf Jahre alt. Einer der Tänzer ist der 16-jährige Benedikt. Für ihn bedeutet Tanzen Entspannung und Stressabbau. Er, der die 10. Klasse des Annette-Gymnasiums besucht, tanzt auch vor Prüfungen, sagt er. In dem Stück hat er gleich fünf Auftritte, als Matrose in Steppschuhen, aber er mimt auch Welle, Nebel, Maske und Feuer. Für die Unterwasserwelt braucht es sowieso viele Rollen: Fische natürlich, aber auch Seesterne, Anemonen, Algen und Quallen. Und auf der Südseeinsel treffen am Ende Affen, Paradiesvögel, Schmetterlinge auf Forscher, Inselkinder und sogar auf Köche.

Die Titelrolle teilen sich zwei, die die Ballettschule von Daniela Schamoni schon länger nicht mehr besuchen, ihr aber weiter verbunden sind. Antonia war dort seit dem 4. Lebensjahr. Heute mit 31 gibt sie noch mal die alten Piraten. Tatsächlich ist sie auch die älteste Teilnehmerin in dem Stück. Den jungen Piraten spielt die 27-jährige Leony. Sie ist heute Schauspiel-Schülerin in Köln. Und ihre Mimik und Gestik sind so ausdrucksstark wie Daniela Schamoni es erhofft und angekündigt hatte.

Diese Probe ist fast schon eine Aufführung, vieles sitzt längst, läuft lässig und geschmeidig. Daniela Schamoni muss als Regisseurin kaum mehr eingreifen. Es sind nur Kleinigkeiten, die zu korrigieren sind. Ein paar der kleinen Mäuse verlaufen sich bei ihrem Auftritt etwas. „Macht nichts“, ruft Schamoni herein, „ihr müsst am Ende nur euren Platz erreichen“.

Auch die beste Probe schützt nicht vor dem Herzklopfen, das einsetzt, wenn hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer gespannt auf den Auftritt warten. Benedikt, Antonia und Alina (21) sind sich sicher: Es wird kommen, das Lampenfieber. Aber das gehöre dazu und sei hilfreich: Man mache dann weniger Fehler.

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