Düsseldorf: Arzt implantiert Penis-Prothesen bei Impotenz

„Ich habe nur noch geheult“: Düsseldorfer Arzt implantiert Penisprothesen bei Impotenz

Impotenz ist ein weit verbreitetes, aber oft tabuisiertes Problem. Nicht immer helfen Medikamente, doch mittlerweile gibt es operative Möglichkeiten. In Düsseldorf etwa implantiert ein Arzt Penisprothesen.

Als Martin G. nach seiner Operation zum ersten Mal mit seiner Freundin intim wurde, war das für ihn ein äußerst emotionaler Moment: „Ich habe nur noch geheult.“ 15 Jahre lang war ihm aufgrund seiner Impotenz kein normales Sexualleben möglich.

Für den heute 48 Jahre alten Mann eine schwere Zeit, geprägt von psychischen Problemen und einer Reihe wirkungsloser Behandlungsversuchen. Abhilfe schaffte am Ende eine Prothese, die ihm der Androloge – das Pendant zum Gynäkologen – Jörg Fröhlich an der Paracelsus-Klinik in Golzheim operativ einsetzte.

2003 bemerkte Martin G. Potenzprobleme. Zunächst machte seine Hausärztin ein blutdrucksenkendes Medikament dafür verantwortlich, das häufig Erektionsstörungen verursacht. Doch die Probleme wurden nach dem Wechsel des Mittels nicht besser. Für die Beziehung von G. und seiner damaligen Ehefrau eine große Belastung, geprägt durch Selbstzweifel. Auf seiner Seite, weil sein Körper plötzlich nicht mehr so wollte wie er. Auf ihrer Seite, weil Zweifel aufkamen, ob er sie vielleicht nicht mehr richtig liebte.

Da auch potenzsteigernde Medikamente keine Wirkung zeigten, ließ er sich genauer untersuchen. Dabei wurde als Ursache seiner Probleme ein venöses Leck an seinen Schwellkörpern diagnostiziert, wodurch sich das Blut dort nicht mehr stauen konnte und der Penis deshalb keine Erektion bekam. Versuche, dieses Leck zu beseitigen, blieben erfolglos.

Zu den körperlichen Leiden kamen mit den Jahren auch psychische Leiden hinzu. Seine Ehe scheiterte – wenn auch nicht allein wegen seiner Impotenz. Danach zog sich G. zurück, traute sich kaum mehr, Frauen anzusprechen. „Ich hatte Angst, abgewiesen zu werden“, erzählt er. Darüber hinaus war die Sorge da, in seinem Umfeld stigmatisiert zu werden. „Das ist ein typisches Verhalten von Betroffenen“, berichtet Jörg Fröhlich, „in unserer Gesellschaft dürfen Männer keine Schwächen zeigen, insbesondere Impotenz gilt als Verlust der Männlichkeit.“

Über einen Patienten seines Hausarztes mit ähnlichen Problemen kam Martin G. schließlich zu Jörg Fröhlich in die Paracelsus Klinik. Nach intensiven Vorgesprächen probierte er zunächst noch, seine Erektionsstörung mit einer Pumpe in den Griff zu bekommen, um einen Eingriff zu vermeiden. Zum einen, weil für den Andrologen eine Prothese die letzte Lösungsmöglichkeit ist, wenn nichts anderes funktioniert; zum anderen, weil sich Martin G. vor der Operation fürchtete: „Ich hatte große Angst.“ Nachdem auch die Pumpe nicht half, entschied er sich letztlich bestärkt durch die Unterstützung seiner neuen Freundin doch für den Eingriff.

In einer knapp 45-minütigen Operation setzte ihm Jörg Fröhlich über einen Schnitt an der Peniswurzel eine hydraulische Prothese in die Schwellkörper. Gesteuert wird diese über eine Pumpe, die im Hodensack platziert ist und Kochsalzlösung aus einem Reservoir, das in Nähe der Blase sitzt, in die Prothese leitet, wodurch der Penis in knapp zehn Sekunden steif wird und solange wie gewünscht auch so bleibt. Durch ein Ventil über der Pumpe wird die Kochsalzlösung anschließend aus der Prothese wieder in das Reservoir zurückgeleitet und der Penis erschlafft.

Schmerzen hatte Martin G. zwar während des Abheilens in den ersten Wochen nach der Operation, doch der Einsatz der Prothese ist für ihn beschwerdefrei. Doch nicht nur das: Sein Hilfsmittel ermöglicht ihm, nun wieder ganz normal mit seiner neuen Freundin zu schlafen, dabei Orgasmen zu empfinden, und auch seine Zeugungsfähigkeit bleibt bestehen.

Komplikationen treten bei dem Eingriff kaum auf. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist nach Angaben von Jörg Fröhlich mit rund fünf Prozent äußerst gering. Die Kosten für den Eingriff werden von den Krankenkassen übernommen Einziger Wermutstropfen: Nach circa 16 Jahren muss die Prothese aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden. Doch daran denkt Martin G. aktuell nicht. Stattdessen freut er sich, endlich wieder ein normales Sexualleben führen zu können. „Ich bin überglücklich“, erzählt er.

Mehr von RP ONLINE