Brot und Brötchen in Düsseldorf-Golzheim 59 Quadratmeter – kleinste Bäckerei der Stadt hat einen neuen Besitzer

Düsseldorf · Die kleinste Bäckerei Düsseldorfs in Golzheim hat mit Schüren einen neuen Inhaber. Seit 1928 hat dort die Familie Kapust Brot und Brötchen gebacken. Der Vorgänger will seinem Geschäft als Kunde erhalten bleiben.

Seit 1928 war Düsseldorfs kleinste Bäckerei im Besitz der Familie von Rainer Kapust (l.). Jetzt hat die Hildener Kette von Roland Schüren übernommen.

Seit 1928 war Düsseldorfs kleinste Bäckerei im Besitz der Familie von Rainer Kapust (l.). Jetzt hat die Hildener Kette von Roland Schüren übernommen.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Knackige Brötchen, schmackhafte Brote und so einige Leckereien aus der Konditorei-Abteilung liegen in der Auslage. Es scheint, als ob alles so ist wie seit 1928, als Bäckermeister Kapust im Haus Uerdinger Straße 28 den ersten Laden eröffnete. Allerdings hat sich in den letzten 96 Jahren doch einiges verändert. Und den größten Einschnitt in der Bäcker-Tradition am Standort gab es jetzt, im Mai 2024.

Denn seit Kurzem prangt nicht mehr der Name Kapust über der Eingangstür, sondern Schüren. Die Bäckereikette hat die Kapust-Bäckerei als 20. Filiale – und sechste in Düsseldorf – in ihr Portfolio integriert, nachdem feststand, dass Rainer Kapust familienintern keinen Nachfolger findet. „Ich wollte aber, dass in dem Laden weiter eine Handwerksbäckerei betrieben wird“, sagt Rainer Kapust. „Und ich weiß, dass wir uns mit Schüren im Sinne unserer Stammkunden und damit richtig entschieden habe.“

Auch Roland Schüren, geschäftsführender Gesellschafter der Bäckereikette, ist von seiner Entscheidung, in die Kapustschen Fußstapfen zu treten, überzeugt. „Die Lage in Golzheim ist ideal. Die Kombination aus Wohnen und Arbeiten im direkten Umfeld ist perfekt“, schwärmt Schüren. „Deshalb gehen wir hier auch einen neuen Weg mit unserem Angebot.“ Nicht nur, dass 40 Brotsorten, vielerlei Brötchensorten und verschiedene Kuchen - alles in biozertifizierter Vollwertqualität - zum Sortiment gehören: Für die Büros in der Nachbarschaft bietet Schüren einen Extra-Service an.

„Wir haben eigens für diesen Standort neue Baguettes und ein Stangen-Dinkelbrot in Kastenform entwickelt. Damit bieten wir belegte Platten an, die Unternehmen etwa für Meetings bei uns bestellen können. Das geht persönlich, telefonisch aber auch per Whatsapp oder E-Mail“, sagt Schüren. „Und für die Mittagspause haben wir unsere frisch gebackene Dinkel-Pizza und weitere Köstlichkeiten im Angebot.“

Kapust ist begeistert. „Ich bin fasziniert von dem neuen Konzept“, gesteht der ehemalige Bäckerei-Inhaber. „Bäcker waren und sind immer gezwungen, sich zeitgemäß aufzustellen und den Bedürfnissen der Kundschaft anzupassen. Das hier ist ein Paradebeispiel dafür.“

Dass es jetzt in dem gerade mal 59 Quadratmeter großen Laden keine echte Backstube mehr gibt, Brötchen- und Pizza-Ofen in den Verkaufsraum integriert sind und die alte Backstube der Vorbereitung der Kanapees und Mittagsangeboten dient, überzeugt Kapust. Dazu kommt, dass die neue moderne Atmosphäre dennoch gemütlich ist und Kunden gern auch auf einen Kaffee bleiben können.

Sowohl der alte als auch der neue Inhaber zeigen sich also mit dem neuen Ladenlokal gänzlich zufrieden. Schüren allerdings ging der Umbau nicht schnell genug. „Es hat lange gedauert, auch weil es viel Arbeit war, etwa, den alten Backofen zurückzubauen“, erklärt er. „Und das Haus steht unter Denkmalschutz, da kann man ja auch nicht machen, was man will.“

Zudem hatten sich während der Umbauphase unerwartete Hürden aufgetan, die Zusatzarbeiten erforderten. So musste der Boden komplett erneuert werden. „Rein wirtschaftlich betrachtet, wäre es besser gewesen, wenn wir früher hätten öffnen können“, sagt Schüren, „aber durch die Verzögerungen hatten wir die Zeit, unser Team besser aufzustellen.“

Acht Mitarbeiter gehören zum „Uerdinger“-Personal, sechs von ihnen wurden neu eingestellt. Und auch die Logistik sowie der Fahrplan der elektrisch betriebenen Lieferfahrzeuge mussten angepasst werden. „Wir haben den Tourenplan geändert, damit wir die Filiale in Golzheim dreimal pro Tag anfahren können“, sagt Schüren, der seine Backstube in Hilden hat. „Brot, Brötchen und Kuchen sollen jederzeit frisch sein.“

Rainer Kapust hat übrigens jederzeit ein waches Auge auf seine Nachfolger, wohnt er doch im gleichen Haus. Dass sein Lebenswerk nicht mehr in der Familie geblieben ist, ärgert ihn nicht. „Mir wird es aber fehlen, immer mal wieder in ein noch warmes Puddingteilchen frisch aus meinem Backofen zu beißen“, gesteht der ehemalige Bäckerei-Inhaber.

„Das kannst du doch auch bei uns haben“, verspricht Schüren. Gut möglich, dass Kapust nicht nur im Sinne seiner Stammkunden die richtige Entscheidung getroffen hat.

In einer vorherigen Version dieses Artikels stand, der Bäcker würde Kapusat heißen. Das ist falsch, sein Name ist Kapust. Wir haben es korrigiert.

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