Düsseldorf: 3000 Kinder werden von Tageseltern betreut - neuer Höchststand

Kinderbetreuung in Düsseldorf : Tausende Kita-Plätze fehlen trotz Tageseltern-Höchststand

Erstmals werden in Düsseldorf mehr als 3000 Kinder von Tageseltern betreut. Dennoch müssen Eltern bangen: Voraussichtlich 1500 Betreuungsplätze für Kinder bis sechs Jahre werden zum Auftakt des neuen Kita-Jahres fehlen. Wer Stress vermeiden will, sollte frühzeitig die Initiative ergreifen.

Der Druck beim Thema Kinderbetreuung bleibt hoch. „Kümmere dich schon vor der Geburt um einen Platz“, haben Freunde Markus Niessner geraten. Im Oktober wird der 46-Jährige zum ersten Mal Vater. An diesem Mittwoch ist er zum Aktionstag Tagespflege an den Schadowplatz gekommen, um sich über Alternativen zu einem klassischen Kita-Platz zu informieren. „Ich gehe ruhiger weg als ich gekommen bin“, sagt er nach einer Viertelstunde. Tatsächlich mildert ein steigendes Angebot in der Tagespflege die Betreuungslücke in der Landeshauptstadt. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Vergabe der Kita-Plätze Zu Wochenbeginn waren von den 6700 Plätzen in den gut 300 Düsseldorfer Kitas 5243 vergeben. 4048 Plätze erhielten Kinder unter drei Jahren, 1195 waren es bei den Drei- bis Sechsjährigen. „Der Prozess läuft in den kommenden Wochen weiter, durch den noch ausstehenden Wechsel von der Tagespflege in die Kitas sowie durch zusätzliche Tagesmütter werden wir bis zum Spätsommer noch einmal 1400 Jungen und Mädchen ein Angebot machen können“, sagt Jugendamtsleiter Johannes Horn. Entwarnung kann er dennoch nicht geben. „Gemessen an den Vormerkungen im Kita-Navigator wird es für bis zu 1500 Kinder kein Angebot geben – weder in der Kita noch bei Tageseltern.

Zuwachs Die Versorgung mit einem Tagespflege-Platz hat einen neuen Höchststand erreicht. „Erstmals werden aktuell mit 3028 mehr als 3000 Kinder unter drei Jahren von Tagesmutter oder -vater betreut“, meint Horn. Hinzu kommen in diesem Bereich noch 750 Kinder zwischen drei und sechs Jahren sowie 129 Schulkinder. Zum Vergleich: Im März 2015 lag die Zahl der von Tageseltern betreuten U3-Kinder bei 1846. Für Juli 2020 sind 3300 Plätze prognostiziert.

Situation „Zu uns kommen Eltern, die damit rechnen, bei der Kita-Platz-Suche leer auszugehen, und solche, die sich ein familiäres Angebot wünschen“, sagt Marita Monz von der Fachberatung Kindertagespflege des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer. Wer an dieser Form der Betreuung interessiert ist, muss allerdings ähnlich starke Nerven haben wie bei der Kitaplatz-Suche. „Am Jahresende und im Januar melden sich bis zu drei Mütter am Tag“, sagt Monika Holzrichter, die seit 16 Jahren bis zu fünf Kleinkinder in ihrer Wohnung betreut. Vier davon werden sie im Sommer verlassen. Zusagen für die Nachfolger hat sie noch nicht verschickt. „Das mache ich erst, wenn die Eltern den Vertrag mit der Kita wirklich unterschrieben haben.“ Holzrichter („ich habe die Entscheidung für diesen Beruf keinen einzigen Tag bereut“) betreut täglich von sieben bis 16.30 Uhr, außer an Freitagen, da ist gegen 15 Uhr Schluss. „Muss ein Elternteil mal länger im Büro bleiben, arbeite ich auch mal länger“, sagt sie. Hinzu kommen die Stunden, die sie fürs Vorbereiten, Kochen und Einkaufen aufwendet. Pro Vollzeit-Kind und Monat erhält sie als erfahrene Kraft dafür 990 Euro vom Jugendamt. Dorthin überweisen Eltern von unter Dreijährigen auch ihren nach Einkommen gestaffelten Monatsbeitrag (bis zu 475 Euro).

Probleme beim Kita-Übergang Für Irritationen sorgt bei einigen Eltern der meist im dritten Lebensjahr stattfindende Wechsel in die Kindertagesstätte. Das Kita-Jahr beginnt am 1. August, ab dann werden in aller Regel auch die Gebühren berechnet. „Aber viele Kitas schließen in der zweiten Hälfte der Sommerferien. Wollen die Eltern dann das Kind bis Ende August bei mir lassen, müssten sie doppelt bezahlen“, erklärt Holzrichter, die in einem Fall das ihr für August erhaltene Geld ans Jugendamt zurücküberweisen musste. Horn ermuntert betroffene Eltern, sich beim Jugendamt zu melden. „Wir suchen und finden in aller Regel individuelle Lösungen.“

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