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Düsseldorf: 200 Menschen demonstrieren für Freilassung Nawalnys

Russischer Kreml-Kritiker in Haft : 200 Menschen demonstrieren in Düsseldorf für Freilassung Nawalnys

Während in Russland am Samstag Tausende bei Demonstrationen für den inhaftierten Kreml-Kritiker und Oppositionellen verhaftet worden sind - darunter auch seine Frau - , sind in deutschen Städten viele Menschen für Alexej Nawalny auf die Straße gegangen.

In Düsseldorf demonstrierten 200 Menschen auf dem Marktplatz für Nawalny. Nach Angaben der Polizei war die Kundgebung zunächst mit 100 Teilnehmern angemeldet worden. Die Demonstration verlaufe friedlich und störungsfrei, hieß es von der Polizei während des Verlaufs. Auch die Corona-Abstandsregeln würden eingehalten.

Rund 2000 Menschen haben in Berlin für die Freilassung Nawalnys demonstriert. Diese Zahl nannte ein Polizeisprecher am Samstagabend. Der Protestzug „Freiheit für Nawalny“ zog an der russischen Botschaft vorbei und endete vor dem Brandenburger Tor. Der Ablauf sei „störungsfrei“ gewesen, sagte der Sprecher.

Der Oppositionsführer war am Montag nach seiner Rückkehr aus Deutschland bei Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war. Nawalny soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholte. Der 44-Jährige sieht das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert an. Ihm drohen viele Jahre Gefängnis - sowie mehrere Gerichtsverfahren.

Der Beobachtergruppe OVD-Info zufolge sind derweil am Samstag mindestens 2250 Menschen in Russland festgenommen worden. Darunter seien 855 in Moskau und 327 in Sankt Petersburg, teilte die Gruppe am Abend mit. Sie sprach von Protesten in fast 70 Städten. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte die Zahl der Demonstranten in der Hauptstadt auf mindestens 40.000 geschätzt, das russische Innenministerium sprach dagegen von 4000.

Am Abend hat die Moskauer Polizei Anhänger Nawalnys festgenommen, die vor seine Haftanstalt gezogen waren. Hunderte Menschen riefen vor dem berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Matrosskaja Tischina in Sprechchören "Freiheit!", wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Einige Demonstranten wurden mit Schlagstöcken traktiert, andere brachten sich in Sicherheit, indem sie wegliefen.

Bereits am Nachmittag war die Frau Nawalnys bei Protesten in Moskau festgenommen worden. Julia Nawalnaja postete am auf Instagram ein Foto aus einem Gefangenentransporter. „Entschuldigt die schlechte Qualität“, lautete die ironische Bildunterschrift. Das Licht im Polizeiwagen sei sehr schlecht. Zuvor hatte Nawalnys Team ein Foto von Nawalnys Mutter veröffentlicht, die ebenfalls zur Demo gekommen war. Am frühen Abend war Nawalnaja wieder auf freiem Fuß.

Wegen des Vorgehens gegen den Kremlkritiker haben derweil prominente russische Oppositionspolitiker die EU zu Sanktionen gegen Oligarchen und Freunde von Kremlchef Wladimir Putin aufgefordert. „Jagt sie, verfolgt ihre Geldströme“, sagte Garri Kasparow bei einer Online-Pressekonferenz am Samstagabend. „Hört auf, mit der Mafia zusammenzuspielen.“ Die Mittel lägen bereit, die Vermögen von Putins milliardenschweren Freunden im Westen zu sperren.

Gemeinsam etwa mit dem früheren Oligarchen Michail Chodorkowski forderte der ehemalige Schach-Weltmeister Kasparow, das Sanktionsinstrument zu nutzen, das die EU im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen im Dezember beschlossen hatte. Damit soll die politische Ahndung solcher Verbrechen deutlich erleichtert werden. Zudem sollen auch Einreiseverbote für Personen verhängt werden. Die EU-Außenminister treffen sich an diesem Montag.

„In Russland ist endgültig eine Diktatur errichtet worden“, sagte Chodorkowski. „Der Hauptgrund, um an der Macht zu bleiben, ist ein unvorstellbarer Diebstahl und der Wunsch, der Verantwortung für die begangenen Verbrechen zu entgehen.“ Gegen die Bevölkerung werde Gewalt eingesetzt. „Die Situation mit Nawalny zeigt diesen Wandel.“

Chodorkowski betonte, er stehe hinter Nawalny. Dieser sei ein politischer Gefangener wie er selbst einer war. „Solange er im Gefängnis ist, werde ich ihn unterstützen“, sagte er. Kasparow betonte: „Wir können Nawalny jetzt nicht beschützen. Aber wir können dafür kämpfen, für das er kämpft: Ein freies Russland.“

Kasparow kritisierte die Rolle von Altkanzler Gerhard Schröder, der Posten bei Nord Stream 2 und dem staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft hält. Es müssten alle Aspekte der Zusammenarbeit Schröders mit Putin aufgedeckt werden. Allerdings sei der SPD-Politiker nur eine Person. „Die Schröderisiering ist ein Phänomen, das viele westliche Länder betrifft“, sagte Kasparow. „Wir müssen mehr über Putins Helfer aufdecken.“

Mit Blick auf die landesweiten Proteste am Samstag für eine Freilassung Nawalnys sagte der Kremlkritiker Wladimir Kara-Mursa, vor allem junge Leute hätten keine Angst mehr vor Putin und seiner Führung. „Dies wird weitergehen“, sagte er. „Die Menschen sind bereit, ihm eine Botschaft zu schicken, dass sie genug haben.“

(felt/dpa)