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Düsseldorf: 15-Jähriger soll zwölf Jugendliche ausgeraubt haben

Jugendlicher überfällt Gleichaltrige : 15-jähriger Serienräuber in U-Haft

Mit wechselnden Komplizen soll der Teenager seit Wochen andere Jugendliche brutal ausgeraubt haben. Seine Opfer suchte er gezielt nach deren Wertsachen aus.

Mindestens zwölf Taten soll ein Jugendlicher begangen haben, den Kripobeamte am Mittwochnachmittag auf frischer Tat gestellt haben. Ein 18-jähriger Komplize, der mit ihm gefasst wurde, soll einer von wechselnden Partnern sein, mit denen der Teenager unterwegs war.

Noch bevor der 15-Jährige vom zivilen Einsatztrupp des Jugendkommissariats festgenommen wurde, hatten sich Ermittler und Staatsanwaltschaft um einen Haftbefehl gegen den Knaben bemüht, der zwar in Duisburg bei seiner Mutter gemeldet, augenscheinlich aber selten zu Hause ist. Er hält sich überwiegend bei Bekannten in Düsseldorf auf, mit einigen von ihnen soll er seine Raubzüge bestreiten. „Es war uns wichtig, ihn schnell von der Straße zu kriegen“, sagt der Leiter des Jugendkommissariats, Wolfgang Wierich. Denn der 15-Jährige soll mit besonderer Brutalität und Skrupellosigkeit seine Opfer in Todesangst versetzt haben.

Der Teenager, der in Gronau geboren ist, misst gerade mal 1,60 Meter, nicht gerade furchteinflößend. Doch wenn er sich in der Straßenbahn dicht an seine meist jüngeren Opfer drängte, ihnen ins Ohr flüsterte: „Ich hab eine Knarre, ich mach dich platt“, dann gaben die ihm alles, was er verlangte. Smartphones, iPods, Markenjacken – wählerisch war der Räuber nicht. Und in der Regel wusste er noch vor der ersten Drohung, was er an sich bringen würde. „Seine Opfer suchte er danach aus, was sie so dabei hatten“, sagt Wierich. Die Beute verkaufte er, finanzierte vom Erlös seinen Lebensunterhalt.

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„Bei diesem Täter nutzt nur eine klare Ansage“, sagt Wierich, der auch deshalb auf einen Haftbefehl drängte. „Mit einer Ermahnung und einem Anti-Aggressionstraining wird man ihn kaum erreichen.“ Denn der 15-Jährige ist nicht mit kleinen Gaunereien in eine kriminelle Entwicklung abgerutscht, sondern sozusagen aus dem Nichts mit einer ganzen Serie Straftaten aufgetaucht. Neben Raub wird ihm Erpressung vorgeworfen, beides gilt auch juristisch als Verbrechen.

Ende Januar meldeten sich die ersten Opfer. Alle waren offenbar beobachtet und verfolgt, dann überfallen worden. Einer der Jugendlichen erkannte seinen Peiniger bei Instagram wieder. Seitdem war der 15-Jährige auf dem Radar der Polizei. Am Mittwochnachmittag entdeckte der Einsatztrupp den jungen Räuber in einem Fastfood-Lokal in der Altstadt, wo er mit seinem Begleiter zwei andere Jugendliche ins Visier nahm. Als diese beiden in den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee gingen, bemerkten sie die Verfolger, fühlten sich von ihnen beobachtet. Zu Recht, wie sich zeigte, als einer von ihnen, ein 15-jähriger Krefelder, in die Bahn stieg. In Lörick bedrängten ihn die beiden Verfolger, versuchten, ihn aus der Bahn zu zerren. Das misslang und blieb bei den übrigen Fahrgästen, auch den mitfahrenden Polizisten, unbemerkt. Bis zum Krefelder Hauptbahnhof blieben die Täter an der Seite des 15-Jährigen, flüsterten ihm massive Drohungen ins Ohr. In Krefeld stiegen sie mit ihm aus, forderten seine Uhr, Handy, Bargeld und die teure Markenjacke des 15-Jährigen. In diesem Moment griffen die Fahnder ein, setzten das Duo fest.

Der junge Duisburger soll mit einem anderen Bekannten bereits in der vergangenen Woche in der Altstadt einen 15-Jährigen zu Boden getreten und ihm seine Kopfhörer gestohlen haben. Wolfgang Wierich hält für möglich, dass es noch mehr als die bislang bekannten zwölf Taten gibt. Womöglich wurden andere Überfälle erst gar nicht angezeigt. Denn der Räuber soll seine Opfer völlig eingeschüchtert haben. Wierich weiß von einem Fall, in dem ein verängstigter Jugendlicher dem Räuber seine Wertsachen gab, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wurde.