Düsseldorf: "Dügida": Proteste gegen Rechtsextreme

Düsseldorf: "Dügida": Proteste gegen Rechtsextreme

80 Aktivisten kamen am Montagabend zur "Dügida" Demonstration zusammen. Rund 800 Düsseldorfer protestierten gegen den Aufmarsch, viele Anwohner unterstützten sie.

Gegen 18. 30 Uhr schiebt das Personal eines türkischen Cafés an der Graf-Adolf-Straße die Scherengitter vor dem Eingang bis auf einen schmalen Spalt zusammen. Das sieht zwar nicht sehr einladend aus. Aber bietet doch zumindest das Gefühl eines gewissen Schutzes.

Gegenüber stehen Polizisten im Eingang eines Hauses. Darin hat Rechtsanwältin Gülsen Çelebi ihre Kanzlei. Sie setzt sich öffentlich für die Anwohner und Geschäftsleute ein. Seit sie gefordert hat, den Aufmarsch der "Dügida", die der Verfassungsschutz für "von Rechtsextremisten unterwandert" hält, auf der immer gleichen Strecke zu verbieten, wird sie bedroht. Und nicht nur sie, sagt sie per Megafon vom Balkon: "Viele Anlieger haben Drohungen erhalten, gegen ihre Geschäfte, gegen ihr Leben. Das darf nicht sein." Und den Anwohnern ruft sie zu: "Ihr braucht keine Angst zu haben - wir vertrauen unserer Polizei."

Für die Gastronomie im Sperrgebiet am Bahnhof und gegen Dügida — dafür werben Gruppen wie die von Bea Kallen im Internet. Foto: Endermann, Andreas

Trotzdem haben wieder viele ihre Geschäfte geschlossen. Wer soll auch noch vorbei kommen, durch all die Polizeisperren und die Demonstranten, die an jeder Straßenecke stehen und sich darauf vorbereiten, lautstark gegen das zu protestieren, was "Dügida" einen Spaziergang nennt? "Wir werden alle verlieren", sagt ein Wirt, der vor seinem leeren Lokal steht und seinen Namen nicht nennen will. Ob er das gesellschaftskritisch meint, oder an den Umsatz denkt, lässt er schulterzuckend offen.

Das Restaurant Antalya am oberen Ende der Graf-Adolf-Straße liegt mitten drin, im Sperrgebiet. Selten ist die Straße so menschenleer wie neuerdings montagsabends. Aber im Lokal ist viel zu tun. Das liegt unter anderem an Bea Kallen. Die Internetaktivistin hat zum solidarischen Abendessen aufgerufen. Nun sitzen sie da, etwa 20 Düsseldorfer, die sich empören über den erneuten Aufmarsch der "Dügida". Nach dem Essen werden sie nach draußen gehen, um zu protestieren. "Wir sind Düsseldorf - nicht die "Dügida"-Leute, die von sonstwo anreisen."

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Dass ausgerechnet die fremdenfeindliche "Dügida" jede Woche das Bahnhofsviertel heimsucht, in dem überwiegend ausländische Geschäftsleute ihre Betriebe haben, findet Peter Kallen besonders unerträglich. "Die Leute werden doppelt geschädigt." Deshalb ruft seine Frau im Netz zur Solidarität mit den betroffenen Unternehmen auf. Nächste Woche wollen sie ein anderes Lokal mit ihrer Gruppe unterstützen, so lange, "bis der Spuk vorbei" ist.

Gegenüber vom Hauptbahnhof hängt seit dem Vormittag ein Transparent. "Humanität, Respekt und Vielfalt" steht darauf, von der gleichnamigen Initiative, mit der Sport- und Kulturschaffende den Protest gegen "Dügida" unterstützen. Ob deren Anhänger freilich die Botschaft verstehen, als sie fahnenschwenkend aus dem Bahnhof kommen?

Stadiongesänge grölend stürzen sich ein paar von ihnen in Richtung der Gegendemonstranten. "Süß", lobt die "Dügida"-Chefin ihre Gefolgsleute, als die Polizei sie zurückgedrängt hat. Dann marschieren sie los. Unter Çelebis Balkon liefern sie sich mit mit den dort versammelten Gegnern ein Schreiduell.

Unterdessen steht rund um die City der Feierabendverkehr still. Nächste Woche will "Dügida" wiederkommen.

(RP)