Dügida in Düsseldorf: Breites Bündnis gegen Islam-Gegner

Anti-Islam-Kundgebung : Breites Bündnis demonstriert gegen "Dügida"

Ein breites Bündnis aus Bürgerschaft, Sport, Kultur und Politik mit rund 5500 Teilnehmern hat am Montagabend in Düsseldorf gegen die Islamisierungsgegner von "Dügida" demonstriert. Für die Bundeskanzlerin gehört der Islam zu Deutschland.

Rund 5500 Bürger haben am Montagabend in der NRW- Landeshauptstadt gegen die Kundgebung von "Dügida" ("Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlands") demonstriert. An dem Protestzug des Düsseldorfer "Pegida"-Ablegers waren nach Angaben der Polizei 300 Teilnehmer beteiligt. In der Düsseldorfer Innenstadt war in Hauptbahnhofsnähe der Verkehr wegen der Protestkundgebungen — insgesamt waren drei angemeldet worden — stark eingeschränkt.

Als Zeichen gegen Intoleranz blieben viele markante Gebäude dunkel, darunter der Rheinturm, die Tonhalle und der Sitz von Regierungspräsidentin Anne Lütkes. Auch Innen- und Justizministerium wurden am Abend bis auf eine Notbeleuchtung abgedunkelt. Ergo und Vodafone schalteten die Beleuchtung der Logos auf ihren Hochhäusern ab. Vor allem jedoch gingen im Düsseldorfer Rathaus aus Protest die Lichter aus. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hatte sich dafür entschieden, obwohl die Organisatorin des "Dügida"-Marschs, die Rechtsradikale Melanie Dittmer, dies am Freitag vom Verwaltungsgericht hatte untersagen lassen. Die Richter sahen Geisels Neutralitätspflicht als Amtsträger verletzt.

Gegendemo Düsseldorfer Appell

Er wolle sich nicht zum "seelenlosen Technokraten machen lassen", sondern für Toleranz, ein weltoffenes Düsseldorf und eine pluralistische Stadtgesellschaft eintreten, betonte Geisel und legte gestern beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Beschwerde ein — mit Erfolg: Das OVG kassierte den Spruch des Verwaltungsgerichts. Geisels Aufruf, so die Richter, habe außerhalb von Wahlkampfzeiten und ohne Beteiligung politischer Parteien stattgefunden.

"Dügida": 3500 Menschen bei Gegendemo in Düsseldorf

Bei der Gegendemo der Vereinigung "Düsseldorfer Appell", zu der Kultureinrichtungen, Sportvereine, SPD, CDU, Grüne und FDP, die christlichen Kirchen, der Kreis der Düsseldorfer Muslime, die Jüdische Gemeinde sowie Geschäftsleute aufgerufen hatten, war viel Prominenz vertreten. Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) kritisierte Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. NRW werde weiter respektvoll mit Flüchtlingen umgehen.

30.000 Gegendemonstranten in Leipzig

In Leipzig marschierten 30.000 Menschen gegen den ersten Auftritt von "Legida" mit 2500 Demonstranten. In Dresden folgten dem Aufruf des Bündnisses "Dresden nazifrei" einige Hundert. Dort hatte "Pegida" 25.000 Teilnehmer mobilisiert.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warb für einen verstärkten Dialog: Man wolle in Deutschland ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Menschen anderer Religionen, sagte sie nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu. Merkel betonte: "Der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch." Sie stimmte damit Ex-Bundespräsident Christian Wulff zu, der 2010 gesagt hatte, der Islam gehöre zu Deutschland.

Zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit "Pegida" rief der rheinische Präses auf. "Es muss Adressen geben, an denen Ängste geäußert werden können", sagte Manfred Rekowski am Rande der Landessynode: "Wenn wir als Kirche das nicht sind, sind es die anderen, auch die Rattenfänger." Der Präses nannte "Stadtteile, die sich rasant verändern", in denen Menschen "im Bus zig Sprachen hören und Fremdheitsgefühle entwickeln".

Zugleich nahm Rekowski die deutschen Muslime gegen den Vorwurf in Schutz, sie distanzierten sich nicht genügend von islamistischer Gewalt - das hatte sein Vorgänger Nikolaus Schneider bemängelt: "Beim Großteil der Muslime ist eine Grundloyalität zu diesem Staat vorhanden. Die darf nicht in Zweifel gezogen werden, indem wir sagen: Erklärt das bitte dreimal täglich."

Hier geht es zur Bilderstrecke: 5500 Menschen protestieren gegen "Dügida" in Düsseldorf

(RP)
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