1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Dügida-Ärger: Anwohner schreibt Hannelore Kraft

Düsseldorf : Demo-Ärger: Anwohner schreibt Hannelore Kraft

Ein Düsseldorfer fürchtet wegen "Dügida" um die öffentliche Ordnung. In einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin protestiert er dagegen, "dass eine Handvoll Menschen die gesamte Innenstadt lahmlegt".

Er wohnt mitten im Bahnhofsviertel. Dass es mal laut wird, dass mal demonstriert wird - das macht Marcus H.* nichts aus. Er ist Stadtmensch, sagt er. Und Demokrat.

Am Montag aber war seine Geduld am Ende, als er aus dem Urlaub kam. Von der Kniebrücke bis zur Harkortstraße stand er am Spätnachmittag im Stau, Auswirkungen der Demo-Vorbereitungen in der Innenstadt. Und als er endlich den Mintropplatz erreichte, war auch die Harkortstraße gesperrt. H. parkte sein Auto schließlich "irgendwo in Friedrichstadt", schleppte zu Fuß sein Gepäck durch den Regen nach Hause.

"Ich habe die erste Demo hingenommen, auch die zweite", sagt er. Als "Verfechter des Demonstrationsrechtes, auch wenn mir die Ansichten der Demonstrierenden nicht gefallen", sei er auch bereit gewesen, bis April die geplanten montäglichen "Dügida"-Aufmärsche hinzunehmen. "Aber bis mindestens zum Jahresende? Das kann ich nicht akzeptieren."

Er erwarte nicht, dass sich die Ministerpräsidentin um die Parkplatzprobleme eines einzelnen Bürgers kümmere, schreibt H. an Hannelore Kraft. "Aber diese Demonstrationen gefährden die öffentliche Ordnung." In den NRW-Städten, die seit Wochen Schauplatz von "Pegida"-Demos seien, werde der Straßenverkehr massiv gestört, "was zum einen die öffentliche Ruhe, zum anderen die Wirtschaft in Düsseldorf, Köln, Duisburg massiv beeinträchtigt", schreibt der Düsseldorfer. "Es kann nicht sein, dass eine Handvoll Menschen mit fragwürdigen Ansichten jeden Montag die Innenstädte lahmlegt."

Ab 15 Uhr wird montags die Harkortstraße - wie auch die anderen Seitenstraßen rund um den Hauptbahnhof - gesperrt. Parkverbote werden eingerichtet, die Stellplätze geräumt. An der Bismarckstraße ließ die Polizei diesen Montag mehrere Fahrzeuge abschleppen, die im kurzfristigen Verbotsbereich abgestellt waren. "Ich verstehe, dass die Polizei weiträumig absperrt, um die Demo und die Gegendemo ausein-ander halten zu können und um Platz für ihre Einsatzfahrzeuge zu haben", sagt H.. Der Polizei mache er da keinen Vorwurf. "Die kann ja nichts dafür."

Dass aber ein Verwaltungsgericht entscheide, die von einer Demonstration ausgehenden Störungen seien im Interesse der Versammlungsfreiheit hinzunehmen, dafür hat er kein Verständnis mehr, seit er weiß, dass "Dügida" bis Dezember jede Woche marschieren will. "Ich muss dann jeden Montag in einem anderen Stadtviertel parken?" Und das treffe ja nicht ihn allein. Rund um Karl- und Graf-Adolf-Straße sind während der montäglichen Demos alle Seitenstraßen mindestens teilweise gesperrt, wie H. müssen viele Anwohner Strategien für den Heimweg austüfteln. Von den Geschäften ganz zu schweigen, in denen der Umsatz ausbleibt.

Marcus H. hofft nun, das sich die Ministerpräsidentin "Gedanken macht, wie man diese untragbare Situation für die Bürger Düsseldorfs ändern kann". Eine Kopie der Bitte schickte er an OB Thomas Geisel.

*) Name der Redaktion bekannt.

(RP)