DSGVO: Schule in Düsseldorf lässt Zeugnisse per Hand schreiben

Neue Datenschutzverordnung: Düsseldorfer Schule lässt Zeugnisse per Hand schreiben

Aus Angst vor neuen Datenschutz-Regeln müssen Lehrer an einer Düsseldorfer Schule dieses Jahr alle Zeugnisse handschriftlich schreiben. Hinter der Posse steht auch ein Streit um Dienstcomputer.

Alle Welt redet von der Digitalisierung, doch an einer Düsseldorfer Grundschule ticken die Uhren anders: An der Kaiserswerther Gemeinschaftsgrundschule wird es – zunächst einmal dieses Jahr – wieder handschriftliche Zeugnisse geben. Der Grund: Unklarheiten um den Schutz der Schülerdaten. „Das wurde uns in der Schulkonferenz Ende Mai mitgeteilt“, sagt Philipp Petersen. Der 43-Jährige ist Vize-Vorsitzender der Schulpflegschaft und Mitglied der Schulkonferenz, sein Sohn geht in die vierte Klasse der Schule.

Die Schulleitung selbst wollte sich auf Anfrage nicht zum Thema äußern. Laut Petersen hatte die Schule als Grund für den Rückgriff aufs klassische Schreibgerät die neuen Vorschriften beim Datenschutz benannt. Hinter allem stehe die Sorge, dass Lehrer – die zum Großteil Zeugnisse auf ihren privaten Computern schreiben – die Daten der Schüler und Schülerinnen nicht rechtlich sicher schützen können. Anlass war laut Petersen ein Schreiben des NRW-Schulministeriums. Darin hatte es bereits Anfang des Jahres Hinweise zum Umgang mit der automatisierten Verarbeitung von personenbezogenen Daten gegeben. Demnach sollen Lehrer sicherstellen, dass ihr privates Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird oder dass ein Zugriff auf sensible Schüler-Daten beispielsweise durch Whatsapp ebenso wie die Nutzung von USB-Sticks ausgeschlossen ist.

Nur zwei Dienst-PCs an der Schule

Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hätten alle Lehrer in NRW eine Erklärung zu ebendiesem Datenschutz mit persönlicher Haftung unterschreiben sollen – wenn sie ihre privaten Computer nutzen wollten. „Davor schrecken die meisten Lehrer wohl zurück“, sagt Petersen. An der Grundschule in Kaiserswerth aber bliebe dann nur die Nutzung zweier Schul-PCs. „So wie ich die Lehrer verstanden habe, sind das einfach viel zu wenige Geräte. Man hätte dann schon vor Ostern mit dem Schreiben der Zeugnisse beginnen müssen“, sagt Petersen. Für den Vater dreier Kinder schießt die Schule mit ihrer Maßnahme „weit über das Ziel hinaus“.

  • Firmen und Vereine betroffen : Was die neue Datenschutzverordnung der EU bedeutet

So sieht es auch der Düsseldorfer Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Weil der Erlass des Ministeriums zu Verunsicherungen in den Schulen geführt habe, sei im Mai eine weitere Schul-Mail verschickt worden. Darin heißt es laut Hintzsche: „Die Dienstanweisung begründet keine neuen rechtlichen Verpflichtungen oder gar Verschärfungen im Datenschutz, sie gibt lediglich die aktuelle Rechtslage wieder.“ Weiter werde klargestellt, dass es zulässig sei, Schülerdaten für schulische Zwecke auf Privatgeräten der Lehrkräfte zu verarbeiten. Allerdings müssten dabei der Schutz persönlicher Daten gewahrt sowie eine Genehmigung der Schulleitung eingeholt werden – diese Regelung bestehe schon seit 1995. Die GEW will das Thema Datenschutz nun ein für allemal regeln. Sie fordert deshalb deutlich mehr Dienst-Computer an Schulen. Laut Hintzsche sind die zwei PCs an der Düsseldorfer Grundschule für die Schulgröße durchaus normal.

Gut finden Petersen sowie weitere Eltern die handschriftlichen Zeugnisse nicht. Denn insbesondere in den ersten und zweiten Klassen gibt es statt Noten ausführliche Beurteilungen. „Per Hand geschrieben werden die wohl kürzer als sonst ausfallen“, befürchtet der Vater.