1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Uniklinik: Druckkammer ist überlastet

Uniklinik : Druckkammer ist überlastet

Von Außen sieht die sieben Meter lange Überdruckkammer wie ein U-Boot aus. Wer einen Blick hinein wirft, scheint in die Businessklasse eines Flugzeugs zu sehen: Menschen sitzen mit Büchern in der Hand und Decken auf ihren Schenkeln auf blauen Ledersitzen.

Einige dösen vor sich hin. Tatsächlich ist der Metallzylinder eine Krankenstation und die Therapie in vollem Gang: Für die Patienten fühlt es sich gerade wie bei einem Tauchgang in 20 Metern Tiefe an. Sie spüren den Druck auf ihren Ohren und ihrem ganzen Körper. Über Masken atmen sie 100-prozentigen Sauerstoff ein, der mit dem Überdruck in der Kammer dazu führt, dass das giftige Kohlenmonoxid (CO) in ihren Körpern regelrecht rausgespült wird und ihre Organe wieder besser durchblutet werden.

Die Überdruckkammer an der Uniklinik ist eine von zwei Anlagen landesweit, in der Menschen mit Kohlenmonoxid- und Rauchgasvergiftungen, etwa nach Gas- oder Brandunfällen, behandelt werden. "Wenn man die Patienten nicht rechtzeitig behandelt, drohen ihnen irreversible Schäden in Herz, Nervensystem und Gehirn oder in schlimmen Fällen sogar der Tod", erklärt Leiter Hartmut Strelow. Doch seit Anfang des Jahres müssen Patienten mit Vergiftungen immer öfter auf ihre "Hyperbare Sauerstofftherapie" (HBO) warten. "Unsere Telefone stehen nicht still", sagt Strelow, "wir haben bereits 33 CO-Patienten behandelt, 2011 waren es im gleichen Zeitraum zwölf. Und die Zahlen steigen weiter an."

  • Auf dem Stiftsplatz: Die engagierte Laiin
    Interview Beate Plenkers-Schneider und Gregor Linßen : „Ein Katholikentag strahlt in den Alltag“
  • Peter Minko forscht zur Athrose Schmerztherapie.
    Serie Forschung in Düsseldorf : Neue Therapie gegen Schmerzen
  • Die Komödie an der Steinstraße feiert
    Theater in Düsseldorf : Komödie hofft auf Rückkehr an die Steinstraße
  • Haushaltsenergie hat sich binnen Jahresfrist um
    Hohe Energiepreise treiben Nebenkosten : Das droht Mietern in NRW an Nachzahlung
  • Aufräumarbeiten laufen : Mehrere Schulen und Kitas in NRW bleiben nach Tornados geschlossen
  • Thomas Kutschaty und Hendrik Wüst treffen
    Nach NRW-Landtagswahl : Wüst trifft Kutschaty trotz schwarz-grüner Sondierung

Strelow befürchtet nicht nur ein kurzzeitiges, sondern ein langfristiges Versorgungsproblem. "Um Geld zu sparen, warten viele Menschen inzwischen ihre Gastherme selbst und damit oft nicht fachmännisch." Zudem würden immer mehr Menschen leichtsinnig mit Feuer umgehen. "Wie kommt man auf die Idee, den Gartengrill im Wohnzimmer anzuwerfen, weil die Heizung ausfällt?", fragt er. Insgesamt werden mehr als 300 Patienten jährlich an der Uniklinik behandelt, darunter viele auch mit Tinnitus oder Diabetischem Fuß.

Um die Versorgung sicherzustellen, sollte eine weitere Anlage (Kosten: mehr als zwei Millionen Euro) in NRW angeschafft werden, meint Strelow. Dabei würde er sich Hilfe vom Land NRW wünschen: "NRW sollte sich des Themas annehmen. Bisher hat das Land uns nicht einmal einen Versorgungsauftrag gegeben. Finanzielle Mittel für die Behandlung von CO-Patienten bekommen wir also nicht."

(RP/jco)