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Halsbandsittiche: Droht Papageien der Abschuss?

Halsbandsittiche : Droht Papageien der Abschuss?

Das Bundesamt für Naturschutz prüft, ob der Halsbandsittich möglicherweise schädlich für das Ökosystem ist. Sollte dem so sein, könnte der exotische Vogel zum Abschuss freigegeben werden. In NRW nistet er vor allem in Düsseldorf und Köln.

Im Winter kommt Bärbel Jahn beinahe täglich in den Düsseldorfer Volkspark, um die Vögel zu füttern. "Ich hänge Meisenknödel in die Äste", sagt die 73-Jährige. "Und ich passe auf, dass die Papageien den anderen Vögeln nicht alles wegfressen." Sie meint die giftgrünen Halsbandsittiche, die dort in den Bäumen nisten und den kleineren Grünfinken, Rotkehlchen und Zaunkönigen die Nahrung in der kalten Jahreszeit streitig machen. "Die lassen die anderen nicht an die Körner. Sie attackieren sie regelrecht, wenn sie nur in die Nähe kommen", berichtet Jahn.

Dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn ist das Problem mit den wilden Papageien bekannt, die entlang der Rheinschiene zwischen Köln und Düsseldorf zu Tausenden leben. Die Behörde prüft derzeit, ob der Halsbandsittich schädlich für das ökologische System ist. "Er steht unter genauer Beobachtung. Möglicherweise besetzt er die Brutplätze anderer Arten", sagt Stefan Nehring vom BfN.

Sollte dem so sein, denkt der Naturschutzbund darüber nach, den Papagei auf die sogenannte Schwarze Liste zu setzen, auf der eingeschleppte Arten aufgeführt sind, deren weitere Ausbreitung aus Naturschutzgründen verhindert wird. Die Sittiche würden dann zum Abschuss freigegeben, die Nester zerstört werden. Aber so weit sei es noch nicht. "Wir erwarten, dass wir frühestens im Herbst dieses Jahres belastbare Untersuchungsergebnisse über den Papagei vorliegen haben", sagt Nehring. Noch werde der Sittich als potenziell invasive Art geführt, "das heißt, er steht auf der Grauen Liste, also sein Verhalten wird erst noch genauestens erforscht", erklärt der Naturschützer. Biologen schätzen, dass aktuell rund 8500 wilde Halsbandsittiche in Deutschland leben, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen.

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In Köln sollen es knapp 2000 sein, in Düsseldorf etwa 800. "Er stammt ursprünglich aus Afrika und Asien und wurde als Käfigvogel nach Europa gebracht", erklärt Tobias Krause, der ein Buch über die Verbreitung des Halsbandsittichs in Deutschland geschrieben hat. In den 1960er Jahren entdeckten Biologen in Köln erstmals ein Brutpaar in der freien Natur. Es stammte wahrscheinlich aus dem Kölner Zoo, aus dem es entkommen war. Seitdem vermehren sie sich kontinuierlich und konkurrieren mit anderen Vögeln um Nahrung und Lebensraum.

In Düsseldorf nisten die Papageien vor allem im Südpark und im Volksgarten, weil sie dort in den Platanen Höhlen als Brutstätten finden. Bei der Stadt Düsseldorf sind bislang keine Klagen über die Vögel bekannt. "Wir kennen sie nur als possierliche Tiere, die die Parkbesucher erfreuen", sagt ein Stadtsprecher. Auch beim Naturschutzbund (Nabu) berichtet man nur Positives über die bis zu 40 Zentimeter großen Papageien: "Sie tun niemanden etwas. Außerdem sind es ja nicht so viele, dass man gegen sie etwas unternehmen müsste", sagt Paul Ludwig Henrichs.

In Großbritannien hingegen haben sich die exotischen Vögel schon zu einer ausgewachsenen Plage entwickelt. Die britische Regierung hat den Halsbandsittich offiziell zum Staatsfeind erklärt. Er darf gejagt und getötet werden. Im Großraum London leben rund 30 000 Exemplare. Sie nisten in Kolonien von bis zu 300 Tieren und bedrohen die Stromversorgung, weil sie ihre Nester oft entlang der Leitungen bauen.

In NRW hält sich der wirtschaftliche Schaden, den die Sittiche verursachen, in Grenzen. Denn die Einwanderer bevölkern fast ausschließlich die Parks in den Städten. "Dort finden sie die Bäume vor, die es in ländlicheren Regionen in der Dichte wegen der Forstwirtschaft nicht gibt", erklärt Stefan Nehring vom Naturschutzbund. Zudem bevorzugten die Sittiche die milderen Temperaturen in den Ballungsräumen. Sollten sich die Tiere jedoch künftig auch vermehrt außerhalb der Städte ansiedeln, sei die Landwirtschaft bedroht, warnen Biologen.

In England ist es bereits des öfteren zu Ernteausfällen gekommen, weil sich die Sittiche über Felder hermachten. Erste Populationen sollen sich auch schon in NRW in ländlichen Räumen fernab der Städte niedergelassen haben, berichten Biologen. Natürliche Feinde haben die vergleichsweise großen Papageien kaum. Nur vor Wanderfalken und Habichten müssen sie sich in Acht nehmen.

Eigentlich erfreut sich Bärbel Jahn an den bunten Exoten im Düsseldorfer Volksgarten. "Sie sehen schon toll aus", sagt sie. Wenn sie nur nicht immer den kleineren Vögeln die Körner wegfressen würden, wäre alles in Ordnung. "Aber deswegen darf man sie auf gar keinen Fall zum Abschuss freigeben."

Was ist Ihre Meinung: Sollten Halsbandsittiche weiter bei uns geduldet werden, oder sind sie Schädlinge, die bekämpft werden sollten? Schreiben Sie uns bis Mittwoch, 11. Januar, an aktionen@rheinische-post.de (Stichwort: Halsbandsittiche).

(RP/jco)