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Düsseldorf: Drittes Opfer des Amokläufers obduziert

Düsseldorf : Drittes Opfer des Amokläufers obduziert

51-jähriger Rechtsanwalt starb an schweren Kopfverletzungen. Tatverdächtiger soll zum Psychiater.

Er schweigt seit seiner Festnahme am Freitag in einer Gocher Pizzeria — und vorerst wird Yanqing T. auch nichts mehr gefragt. Er hat inzwischen einen Rechtsbeistand, dem die Staatsanwaltschaft drei Wochen Zeit eingeräumt hat. Die Ermittlungen gehen auch ohne die Befragungen von T. weiter. So sind noch Spurenexperten in den Anwaltskanzleien in Düsseldorf und Erkrath am Werk, wo er drei Menschen tötete, und auch in der Pizzeria in Goch, wo er eine Frau verletzte, werden noch Spuren gesichert.

Die Anwältin, die seine Pflichtverteidigung übernommen hat, bleibt vorerst anonym. Es ist nicht einfach, einen Mann zu vertreten, den womöglich der Hass auf ihren Berufsstand dazu trieb, vergangenen Freitag zwei Anwälte und eine Anwaltsgehilfin zu töten, weitere Mitarbeiter der beiden Kanzleien schwer zu verletzen. Nach der Obduktion des am Samstag verstorbenen 51-Jährigen ist gestern das Ergebnis vorgelegt worden: Der Mann starb demzufolge durch Messerstiche in den Kopf, hatte auch in einer Not-OP nicht gerettet werden können.

Martin Lauppe-Assmann, der in Düsseldorf mit seinen Kollegen nicht nur Geschäftspartner, sondern auch enge Freunde verlor, will sich um ein Nebenklage-Mandat bemühen, an der Seite des Staatsanwalts Yanqing T.s Verurteilung erwirken.

Der in Shanghai geborene, 48 Jahre alte Familienvater T. hatte sich von Lauppe-Assmanns langjähriger Kollegin vertreten lassen, nachdem er seiner früheren Chefin in der Gocher Pizzeria mit einer Ohrfeige das Trommelfell verletzt hatte. Die Geldstrafe, zu der er verurteilt wurde, wollte er nicht akzeptieren, beschimpfte die Anwältin am Telefon oder bei unangemeldeten Besuchen in der Kanzlei. Einen Erkrather Anwalt wollte er beauftragen, gegen die Düsseldorfer Juristin vorzugehen, der lehnte ab. Die Wut darüber könnte ein Motiv für die Morde gewesen sein. Aber auch verzweifelte Geldnot, in die er durch die Strafen und eine Schmerzensgeldforderung geraten war, könnten eine Rolle spielen. Die Staatsanwaltschaft will das nicht zuletzt mit Hilfe eines psychiatrischen Gutachtens klären.

(RP)