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Düsseldorf: Dreischeibenhaus wird umgebaut

Düsseldorf : Dreischeibenhaus wird umgebaut

Die für 72 Millionen Euro verkaufte Immobilie wird renoviert. Der Hamburger Käufer Ali-Reza Momemi ist für 1a-Sanierungen bekannt. Mehrere Düsseldorfer Projekte beweisen das. Experten loben den Büro-Turm.

Ali-Reza Momeni hat eine Menge Geld für ein leeres Bürohaus bezahlt, ohne Mieter und vor allem noch in einem wirtschaftlich sehr ineffizienten Zustand. 72 Millionen Euro hat der Hamburger Projektentwickler für eine Immobilie gegeben, die zwar als architektonisch weltberühmte Ikone zeitlos ist, doch ob sich der Kauf auch rechnen wird, ist nicht klar. Denn: Bevor das Dreischeibenhaus wieder ein großes Unternehmen als Mieter findet, wird es für viele Millionen umgebaut werden müssen.

Dabei war der Preis für die Ex-Konzernzentrale von Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren bereits deutlich gefallen. 2007 hatte der Stahlkonzern das 94 Meter hohe Bürohochhaus an die Deutsche Bank-Tochter, RREEF Global Opportunities Fund, für geschätzte 100 Millionen Euro verkauft. Als die Wirtschaftskrise die Situation auf dem Immobilienmarkt verschlechterte und Thyssenkrupp im vergangenen Sommer endgültig auszog, war an Vermietung kaum noch zu denken.

Der Grund: Das wie ein Skelett aus Edelstahl, Aluminium und Glas errichtete Hochhaus ist komplett klimatisiert, und die Fenster können nicht einzeln geöffnet worden. Die Energiekosten für das vollklimatisierte Gebäude liegen um ein Vielfaches höher als bei modernen energieeffizienten Bürohäusern. Laut Experten betragen die Energiekosten allein rund acht Euro pro Quadratmeter. Extrem hohe Kosten, die bei einer Neuvermietung nicht mehr zu vermitteln wären.

Die Umbaukosten werden aber ebenfalls immens sein. Bereits 1994 wurde das Dreischeibenhaus gründlich saniert, zum fünf- bis sechsfachen Preis der ursprünglichen Baukosten. Die betrugen damals rund 30 Millionen D-Mark. Außen blieb das Gebäude damals unverändert, obwohl mit Ausnahme der Aufzugschächte und der tragenden Stahlkonstruktion alles erneuert wurde.

So ist zum Beispiel dank Einrichtung von Hohlraumböden die Datenübertragung auf neuestem Stand. Und auch die Fenster sind jetzt weniger anfällig: In früheren Jahrzehnten mussten infolge der Windbelastung bis zu hundert Fensterscheiben im Jahr erneuert werden. Seit dem Umbau 1995 waren es nur fünf. Wer letztlich in das Dreischeibenhaus ziehen wird, orientiert sich auch an der künftigen Wertsteigerung der Immobilie. In zwei Jahren, wenn der benachbarte Kö-Bogen fertig ist, könnte auch der Umbau in ein sogenanntes ökologisches "green building" geschafft sein. Ali-Reza Momeni wird bis dahin ein Top-Unternehmen finden, dass einen Großteil der Büroflächen mieten wird, sind sich die Experten sicher.

Immerhin hat der Hamburger mit einigen Projekten in Düsseldorf bewiesen, wie sehr er sich auf Top-Sanierungen bei exklusiven Gebäuden versteht. Das Ben XII ist ein Büro- und Geschäftshaus im Bankenviertel mit Büros auf sechs Obergeschossen sowie zwei Ladengeschäften (Cinque und 7For All Mankind) im Erdgeschoss. Oder auch das 3Hoch5 an der Breitestraße: Das Büro- und Geschäftshaus inklusive Tiefgarage bietet Büroflächen, unter anderem für die Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle. Im Erdgeschoss residieren Tiger of Sweden und Baby Kochs. Bei allen Projekten gelten für Momeni dieselben Kriterien: immer Top-Lagen, nur teure Baustoffe und moderne Architektur.

Die Gestalt des Dreischeibenhauses wird bleiben. Immerhin steht das Gebäude in seiner Form und seinem Material für den Ex-Besitzer, den Stahlkonzern Thyssenkrupp. Die drei Scheiben symbolisieren jeweils eine Bramme, also einen Block aus gegossenem Stahl, Aluminium oder Kupfer, dessen Breite und Länge ein Mehrfaches seiner Dicke beträgt.

(RP)