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Keine Kaufinteressenten: Dreischeibenhaus ist ein Ladenhüter

Keine Kaufinteressenten : Dreischeibenhaus ist ein Ladenhüter

Seit fast einem Jahr steht das Hochhaus leer. Der Eigentümer würde es gern verkaufen, findet aber keinen Interessenten. Denn die Immobilie gilt unter Experten inzwischen als fast unvermietbar: Der Aufwand, sie nach heutigen Ansprüchen herzurichten, ist viel zu hoch.

Als die Deutsche-Bank-Tochter RREEF Global Opportunities Fund (in einem Konsortium mit der Habacker Holding, Düsseldorf und Harder & Partner, Hockenheim) das Dreischeibenhaus 2008 kaufte, da war man noch absolut sicher: Dieses Hochhaus, seit seiner Fertigstellung 1960 eines der Düsseldorfer Wahrzeichen, wird sich leicht vermarkten lassen. Ein so genannter Anker-Mieter musste her, der möglichst viel Fläche belegt — und dann sollte die Immobilie als profitables Projekt weiter verkauft werden. Aber die Rechnung ging nicht auf — denn offenbar ist keiner bereit, für einen Quadratmeterpreis von rund 20 Euro Miete in diese spektakuläre Immobilie zu ziehen.

Es gab mindestens ein halbes Dutzend Kauf-Interessenten, mit denen lange verhandelt wurde. Aber am Ende blieb keiner dabei — denn das Gebäude lässt sich nur schwer vermieten.

Experten: Haus ist veraltet

Für Immobilien-Experten liegen die Gründe auf der Hand: Das Haus, obwohl von außen für Laien prächtig anzusehen, ist nach heutigen Maßstäben überholt — man könnte auch sagen: veraltet. Auf jeder Etage sind rund 1200 Quadratmeter Bürofläche zu belegen. Aufgrund der besonderen Gebäudestruktur lässt sich diese Fläche, so ein Makler, maximal einmal teilen. Das heißt: Ein Mieter müsste mindestens 600 Quadratmeter nehmen. Das jedoch ist vielen, die neue Flächen suchen, schon zu groß.

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Interessenten jedoch, die mehrere Tausende Quadratmeter haben wollen, sind meist nicht daran interessiert, diese Flächen über mehrere Etagen zu verteilen. Das ist schlecht für die interne Kommunikation, heißt es. Also winkten einige potenzielle Mieter, die bereits im Gespräch waren — unter anderem eine große Anwaltskanzlei — dann doch wieder ab.

Wer neue Bürokonzepte umsetzen will, setzt deshalb lieber auf Neubauten. So zog es Siemens vor, ein neues Gebäude am Flughafen zu beziehen. Dort arbeiten die Mitarbeiter täglich an anderen Schreibtischen, je nach Arbeitslage. Ein Konzept, dass im Drei-Scheibenhaus schwer oder gar nicht umsetzbar wäre. Auch der Axa-Konzern setzt für seine neuen Großraumbüros auf den Neubau Prinzenpark, der im November fertig wird. Dort hat man ein riesiges Großraumbüro auf einer Etage, und nicht auf mehrere Etagen verteilt.

Um das Gebäude auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und vor allem die nötigen ökologischen Anforderungen zu erfüllen, wären Änderungen an der Fassade notwendig. Die jedoch sind nicht erlaubt, dann das komplette Ensemble steht unter Denkmalschutz Fest steht jedoch: Das von 1957 bis 1960 gebaute Hochhaus ist aus energetischen Gründen nicht mehr tragbar. Nur mit erheblichem Millionenaufwand könnte es zu einem "Green Building" verändert werden. Vor allem die komplette Klimatechnik ist wenig effizient und heutzutage viel zu teuer. Die Energiekosten für das vollklimatisierte Gebäude liegen um ein Vielfaches höher als bei modernen energieeffizienten Bürohäusern. Würden die Flächen — ohne Modernisierung — mit den hohen Nebenkosten vermietet, sinkt der Quadratmeterpreis. Oder man nimmt Millionen in die Hand und baut um.

Die ursprünglichen Eigentümer hatten seinerzeit auf die herausragende Lage des Hauses gesetzt und seinen Ruf als Düsseldorf-Wahrzeichen. Diese Kalkulation ist jedoch nicht aufgegangen — zumal in einigen Monaten unmittelbar nebenan im Kö-Bogen Büroraum neuester Machart entsteht und zur Vermietung bereit steht. In Maklerkreisen heißt es, die Eigentümer hätten vor Arroganz, schon Mieter für die frühere Vorzeigeimmobilie zu finden, jegliche Vermarktung verschlafen.

(RP)