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Bauprojekte in Düsseldorf: Dreischeibenhaus: eine Liga mit New York

Bauprojekte in Düsseldorf : Dreischeibenhaus: eine Liga mit New York

Architekt Joachim H. Faust von HPP leitet die Revitalisierung des Dreischeibenhauses. Im Interview spricht er über den Baufortschritt, die Besonderheit, dass HPP in der zweiten Generation das Hochhaus betreut und warum es kein Café in luftiger Höhe geben wird.

Herr Faust, seit dem Frühjahr laufen die Bauarbeiten am Dreischeibenhaus. Wie weit sind sie fortgeschritten?
Faust Wir sind jetzt praktisch am Punkt Null. Der Rückbau ist abgeschlossen. Tonnenweise Abbruchmaterial wurden aus dem Gebäude geräumt. Das Dreischeibenhaus ist nun praktisch leer.

Welche Probleme gab es?
Faust Das logistische Problem bestand darin, die alten Baumaterialien schnell aus dem Hochhaus zu bekommen. Aber das hat die Bauleitung gelöst. An der schmalen Nordseite wurden zwei spezielle Bauaufzüge installiert.

Was steht als Nächstes an?
Faust Wir schaffen die Grundlagen für eine neue Haustechnik. Außerdem wird bald der Brandschutz komplett erneuert. Das ist erforderlich, da das Dreischeibenhaus eine reine Stahlkonstruktion ist. Dabei gelten besondere Brandschutzbestimmungen.

Sie haben mit dem Ergo-Hochhaus und dem Vodafone-Campus gleich mehrere Großprojekte in Düsseldorf als Architekt begleitet. Ist das Dreischeibenhaus etwas besonderes?
Faust Für einen Architekten sind die Häuser die er baut, so etwas wie seine Kinder. Die begleitet und pflegt und hätschelt man über Jahre — und man hängt dran. Und wenn man dann nach Jahren der Bauzeit die Häuser fertiggestellt sind, das ist wie Trennungsschmerz. Die Revitalisierung des Dreischeibenhauses ist ohne Zweifel eine besondere Herausforderung. Vor 54 Jahren hat unser Architekturbüro HPP mit den Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg den Zuschlag für diese Architektur-Ikone bekommen. Heute dürfen wir als nächste Generation das Dreischeibenhaus fit für die nächsten 50 Jahre machen.

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Und unter architektonischen Gesichtspunkten?
Faust Das Dreischeibenhauses ist einzigartig, weil es an den Stirnseiten so schlank ist. Die Hochhäuser in den USA oder in Asien etwa haben ein Verhältnis Höhe zu Breite von 5 oder 6 zu 1, beim Dreischeibenhaus liegt es bei 11 zu 1, das macht die Eleganz aus. Und auch die Längsseiten sind spektakulär. Wenn ich auf die gläserne Fassade blicke, dann erinnert mich das eine große Wasserfläche oder einen fließenden Strom, mit sich im Tagesverlauf fortwährend wandelnden Lichtreflektionen in den Farben grün, silber und weiss. Als das Dreischeibenhaus in den 1950er Jahren gebaut wurde, war es revolutionär. Ich war kürzlich im Frankfurter Architekturmuseum. Dort ist eine Ausstellung und das Modell des Dreischeibenhauses steht neben dem Lever-Haus und dem Seagram-Gebäude — den prägenden Wolkenkratzern im New York der 1950er Jahre. In dieser Liga spielt unser Düsseldorfer Dreischeibenhaus mit. Damals hatte unser Büro HPP übrigens noch einen Alternativvorschlag im Rennen. Dieses Gebäude wäre nicht so schlank, sondern rautenförmig gekantet, ähnlich wie das Pirelli-Hochhaus in Mailand.

Gibt es ein Detail, das Sie besonders begeistert?
Faust Wenn man vor dem Gebäude steht, sieht es aus, als würde es schweben. Die Kölner sind besonders stolz auf den Dom. Ist das Dreischeibenhaus ebenso identitätsstiftend für Düsseldorf? Faust Ich denke die Düsseldorfer haben das Dreischeibenhaus liebgewonnen. Das hat man auch an den Reaktionen gesehen, als der Düsseldorfer Patrick Schwarz-Schütte verkündet hat, dass er das Wahrzeichen kaufen wird. Das war ein Glücksfall für Düsseldorf. Das Dreischeibenhaus steht in so einer exponierten Lage, dass man es von überall in der Stadt gut sehen kann. Das Dreischeibenhaus ist nicht wegzudenken.

Viele Düsseldorfer hängen an dem Ensemble Dreischeibenhaus, Schauspielhaus und Tausendfüßler. Anders als die ersten beiden muss die Hochstraße nun weichen. Finden Sie das schade?
Faust Als Gestaltungselement der autogerechten Stadt in den frühen 60er Jahren war der Tausendfüßler eine herausragende Lösung. Doch die jetzt geplante Tunnellösung ist der alten Hochstraße überlegen. Heute ist der Tausendfüßler eher störend. Mein Herz blutet nicht, wenn der Tausendfüßler bald abgerissen wird. Das Dreischeibenhaus ist komplett aus Stahl. Warum eigentlich? Faust Damals wie heute sind die meisten deutschen Hochhäuser aus Stahlbeton. Das ist auch preiswerter als reine Stahlkonstruktionen. Aber der ehemalige Bauherr des Dreischeibenhauses war die Phoenix-Rheinrohr AG, ein Düsseldorfer Stahlkonzern. Später ging die Firma in Thyssen auf.

Das Dreischeibenhaus steht unter Denkmalschutz. Bereitet das Probleme bei der Revitalisierung?
Faust Wir haben die Denkmalschutzbehörde eng eingebunden. Die Fassade des Hauses wird sich durch die energiesparende Renovierung überhaupt nicht verändern. Hinter der heutigen Außenhaut wird quasi eine zweite Fassade entstehen, die energetisch dem neuesten Stand der Bautechnik entspricht und öffenbare Fenster hat. Der Sonnenschutz wird dann zwischen den beiden Fassaden geführt. Beim Europacenter in Berlin und dem früheren Unilever-Gebäude in Hamburg haben wir damit bereits Erfahrungen gesammelt.

Was wird sich trotz Denkmalschutz beim Gebäude ändern?
Faust Auf den beiden niedrigeren Scheiben werden Dachterrassen entstehen. Die neuen Mieter können diese dann flexibel nutzen und die wunderschöne Aussicht über Düsseldorf genießen. Der Rand dieser Terrassen wird ein 1,60 Meter hohes Glasgeländer sein. Der Denkmalschutz hatte dagegen keinerlei Einwände.

Wird es ein Café oder ein Restaurant auf einer der Terrassen geben?
Faust Nein, definitiv nicht. Dafür hätte man einen separaten Aufzug für Gäste und Material bauen müssen, aber dafür war kein Raum. Eine Gastronomie in einem so hohen Hochhaus ist nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Wie wird das Dreischeibenhaus von innen aussehen?
Faust Die denkmalgeschützte Lobby bleibt ein offener, sieben Meter hoher lichtdurchfluteter Raum. Die Feuertreppen bleiben offen. Die Büros werden den modernsten Anforderungen gerecht, Kombibüros sind genauso möglich wie einzelne. Hocheffiziente Aufzüge mit Zielwahlsteuerung erschließen die Etage, die auch als Halbetagen vermietet werden können. Man gibt unten an, in welches Stockwerk er fahren möchte. Das ist effizienter, als erst im Fahrstuhl das Ziel zu wählen.

Die Gestaltung des Kö-Bogens war auch umstritten. Wie wird sich dieser Teil der Innenstadt nun verändern?
Faust Durch Kö-Bogen, U-Bahn und revitalisiertes Dreischeibenhaus wird dieser Teil der Düsseldorfer Innenstadt eine enorme Aufwertung erfahren.

Haben Sie auch ein persönliches Verhältnis zum Dreischeibenhaus?
Faust Jedes Haus ist für einen Architekten etwas Persönliches. Das Dreischeibenhaus für unser Büro ganz besonders. Ich kann es von meinem Haus in der Innenstadt sehen und bin in zwei Minuten zu Fuß dort. Mit einer solchen Architektur-ikone zu arbeiten, das macht man in seinem Leben vielleicht nur einmal.

Thorsten Breitkopf führte das Gespräch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Dreischeibenhaus wird umgebaut