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Dragonettes-Frauen spielen Rugby in Düsseldorf

Frauen-Rugby in Düssedorf : Voller Körpereinsatz fürs Team

Die „Dragonettes“ sind ein reines Frauen-Rugby-Team. Zusammenhalt, Spaß am Sport und gegenseitiger Respekt sind während des Trainings und bei Wettkämpfen allgegenwärtig.

Angespannt mustert Vera Quadflieg den großen, grünen Widersacher, der in einigen Metern Entfernung vor ihr aufgebaut wurde. Die zierliche Frau sprintet los und wirft sich mit der Schulter gegen den sogenannten Tackle Dummie. Die mit Druckschaum gefüllte Säule kippt nach hinten und fällt auf den Spielfeldrasen, doch Quadflieg bleibt nicht viel Zeit, um zu verschnaufen. Von vorne kommt eine andere Spielerin auf sie zu und versucht, Quadflieg vom eiförmigen Rugbyball, der neben ihr liegt, wegzudrücken. „Kleinere Schritte und tiefer stehen“, wird Quadfliegs Versuch vom Trainer David Whitley kommentiert.

Es ist erst das zweite Mal, dass die 37-Jährige am Training der Düsseldorfer Frauen-Rubgy-Mannschaft „Dragonettes“ teilnimmt. Die meisten Abläufe und Übungen sind deswegen noch neu für sie. „Man muss erst mal reinkommen, aber ich fand es schon beim ersten Training großartig. Die anderen Spielerinnen sind nett und man darf nicht zu zimperlich sein. Das gefällt mir besonders gut“, erzählt Quadflieg mit einem Lachen, während sich hinter ihr die nächste Spielerin gegen den Tackle Dummie wirft. Rugby bedeutet für sie vor allem Kontrastprogramm: „Ich habe vorher Fußball und Volleyball gespielt und nach einer neuen Herausforderung gesucht.“

Seit 1995 hat der Verein „Düsseldorfer Dragons Rugby Club“ eine Frauenmannschaft, die zwei Mal die Woche trainiert und regelmäßig an Turnieren teilnimmt. Gespielt wird 7er-Rugby. Wie der Name schon sagt, stehen sich bei dieser Variante des Sports zwei Teams mit jeweils sieben Spielern gegenüber und versuchen, den Ball auf die andere Spielfeldseite zu bewegen. Beim normalen Rugby sind es 15 Sportler pro Mannschaft. Gespielt wird dennoch auf einem normal großen Rugbyfeld. Damit die Spielerinnen während der siebenminütigen Halbzeiten ihr Tempo halten und sich den Ball dabei zielsicher zupassen können, sind Ausdauer- und Wurfübungen genauso ein Teil des Trainings wie die Tackle-Einheiten. „Rugby ist eine Kombination aus Laufen, Werfen und auch ein bisschen Ringen“, erzählt Hanna Roeloffs. „Deswegen sind auch alle willkommen. Egal, ob man groß oder klein, zierlich oder muskulös ist – es gibt für jeden eine passende Position.“

Roeloffs spielt bereits seit 14 Jahren Rugby. In Canada lernte sie den Sport kennen und war seitdem in verschiedenen Vereinen aktiv. „Ich habe immer schnell Anschluss gefunden, weil es überall Rugby-Vereine gibt, die einen herzlich aufnehmen.“ Neben Teamgeist und der sportlichen Herausforderung reizt viele Spielerinnen der „Dragonettes“ auch noch ein weiterer Aspekt des Spiels: das feste Wertesystem auf dem Feld. „Es geht viel um gegenseitigen Respekt und Anerkennung. Sowohl dem Gegner als auch dem Schiedsrichter gegenüber“, sagt Carola Gleixner, die ebenfalls bei den „Dragonettes“ spielt. „Man ist zum Beispiel dafür Verantwortlich, dass der Gegner beim Tackle richtig fällt.“ Dieses Prinzip ist auch beim Training der Mannschaft zu beobachten. Niemand hält sich hier zurück, oder fasst die anderen Spielerinnen mit Samthandschuhen an. Gleichzeitig wirkt jede Aktion sehr kontrolliert und zu keiner Zeit gefährlich.

Vorurteile gegenüber dem Sport gibt es dennoch viele, mit denen sich vor allem die Spielerinnen immer wieder konfrontiert sehen. Sätze wie „Ist das nicht zu gefährlich?“, „Muss man dafür nicht groß und kräftig sein?“ und „Ich dachte sowas machen nur Mannsweiber mit kurzen Haaren!“ sind keine Seltenheit. Auch innerhalb der Rugbyszene wird hin und wieder behauptet: „Rugby ist nichts für Frauen!“

Beim „Düsseldorfer Dragons Rugby Club“ hat sich das inzwischen gewandelt. So nehmen hin und wieder männliche Spieler am Training der „Dragonettes“ teil und unterstützen die Mannschaft auch organisatorisch. Beim nächsten Turnier am 21. März auf dem Gelände des Vereins in Düsseldorf Lörick übernehmen die anderen Teams des Rugby Clubs zum Beispiel die Betreuung der Veranstaltung.

Wer sich für den Verein interessiert, der kann jederzeit am Training der „Dragonettes“ teilnehmen. Erfahrung ist nicht notwendig. „Wir freuen uns über jeden, der den Sport ausprobieren möchte“, erzählt Gleixner und fügt augenzwinkernd hinzu: „Man sollte nur daran denken, nicht unbedingt das Lieblings-T-Shirt anzuziehen. Etwas dreckig wird man auf jeden Fall.“