Hassels: Doppelmord: Täter bald vor Gericht

Hassels : Doppelmord: Täter bald vor Gericht

Im Juni 2010 wurden in Hassels ein Mann und seine Tochter erschossen. Dringend tatverdächtig sind der Stiefsohn der Familie und ein Komplize. Nun wurde Anklage erhoben. Noch im Sommer beginnt der Prozess gegen die Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes. Ihnen droht lebenslange Haft.

Am Montag haben die Anwälte der beiden Beschuldigten die Anklageschrift bekommen. Die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft darin gegen den 56-jährigen Detlef W. und seinen 22 Jahre alten Komplizen Johannes K. erhebt, wiegen schwer. Den Männern wird vorgeworfen, im Juni 2010 in Hassels den Stiefvater sowie die Halbschwester des Älteren ermordet zu haben.

Nur die 82-jährige Mutter von Detlef W., die sich zur Tatzeit ebenfalls in dem Haus der Familie an der Altenbrückstraße aufhielt, verschonten die Mörder. Als Motiv wird angenommen, W. habe durch die Tat seine Enterbung verhindern wollen. Demnächst werden sich die mutmaßlichen Täter vor dem Düsseldorfer Landgericht wegen zweifachen gemeinsamen Mordes verantworten müssen. Im Fall einer Verurteilung droht beiden Männern eine lebenslange Haft. Der Prozess soll im Spätsommer beginnen.

Dabei stützt sich die Anklage hauptsächlich auf die Aussagen des jüngeren Beschuldigten. Während Detlef W. noch immer zu den Vorwürfen schweigt, legte Johannes K. nach der Festnahme im Februar in Nordhessen ein Geständnis ab. "Und darin bezichtigt er W. der Anstiftung zu den beiden Morden", sagte gestern eine Sprecherin des Landgerichts. Demnach heuerte W. seinen Komplizen an, Stiefvater und Halbschwester für 3000 Euro zu erschießen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass W. den drogenabhängigen Johannes K. durch Drohungen gegen dessen Familie zu der Tat "überredete".

Jedenfalls fuhren die beiden nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft am Tattag morgens nach Düsseldorf, wo der 22-jährige K. schließlich die Tat ausführte, während W. vor dem Haus wartete. Tatsächlich erinnerte der Doppelmord an eine Hinrichtung. Nachdem der Mörder die Opfer gezwungen hatte, sich mit einem Klebeband zu fesseln, brachte er den 82-jährigen Vater sowie die 39-jährige Tochter mit Schüssen in den Hinterkopf um.

Lange rätselten die Fahnder über das Motiv. Inzwischen sind sie sich aber sicher, dass Detlef W. aus Geldgier die Tötung in Auftrag gab. So soll es in der Familie im Vorfeld der Tat schon häufiger zu Auseinandersetzungen um finanzielle Angelegenheiten gekommen sein. Die Polizei stellte bei ihren Nachforschungen fest, dass die Enterbung W.'s im Sommer wohl unmittelbar bevorstand. Der Verdächtigte, der von seiner Mutter immer wieder Summen zugesteckt bekam, hätte so eine knappe Million Euro verloren.

Grund genug, die Verwandten umbringen zu lassen? Tatsächlich fiel es den Beamten in den Monaten nach der Tat schwer, den Verdächtigen auf die Spur zu kommen. Zwar geriet Detlef W., der bis zu seiner Verhaftung in einem hessischen Dorf ein Bordell betrieb, bereits schnell nach den Morden in das Visier der Fahnder. Allerdings dauerte es dann, ehe die Überwachungen zum Erfolg führten. Als W. mit dem mutmaßlichen Komplizen K. zum ersten Mal am Telefon über die Tat sprach, waren sich die Polizisten sicher, die Richtigen zu haben – und schnappten zu.

Im Zuge der Ermittlungen geriet ein dritter Mann in Verdacht, nachdem die Polizei zuvor bereits nach zwei Leuten gefahndet hatte, die sich während der Tat im Haus aufgehalten haben sollen. Und bis heute steht nicht zweifelsfrei fest, wie viele Täter an der Ausführung der Morde beteiligt waren.

Der Verdacht gegen einen Bekannten von Johannes K. erhärtete sich indes nicht. Der Mann, der von K. zunächst der Mittäterschaft bezichtigt wurde und gegen den ebenfalls ein Haftbefehl erging, kam wieder frei. Dagegen sitzen die Hauptverdächtigen weiter im Gefängnis. Gegen den Anstifter Detlef W. wird im Prozess noch in einer weiteren Sache verhandelt. W. soll – neben dem Mordauftrag – K. auch angestiftet haben, einen Geschäftsmann auszurauben. K. lehnte dies aber ab.

(RP)