Düsseldorf: Doch kein Praktikum für Flüchtling

Düsseldorf : Doch kein Praktikum für Flüchtling

Das Glück dauerte genau zwei Stunden. Levon Cholakhyan, der armenische Arzt und Flüchtling, über dessen Schicksal die Rheinische Post am Montag berichtete, hatte am Morgen den Vertrag für sein Praktikum im Marienhospital unterschrieben und sich einer kurzen Untersuchung unterzogen, da machte ein Anruf alle Hoffnung zunichte.

Ohne Aufenthaltserlaubnis kein Praktikum, lautete die Botschaft. Das Marienhospital sagt, der Anruf kam von der Bezirksregierung - diese versichert, dass die zuständige Sachbearbeiterin nicht im Dienst war und auch sonst niemand von der Behörde angerufen habe. Der Rest ist ein großes Fragezeichen.

Der Rheinischen Post liegt ein Brief der Bezirksregierung vom 21. April vor, in dem Levon Cholakhyan (30) die Erlaubnis erteilt wird "zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufes in nicht selbstständiger Tätigkeit". Und weiter: Die Berufserlaubnis werde beschränkt auf eine sechsmonatige ärztliche Tätigkeit zur Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung - sie ist Voraussetzung für die Zulassung als Arzt.

Weiter heißt es in diesem Schreiben, um eine berufliche Tätigkeit in Deutschland aufnehmen zu können, brauche er eine Aufenthaltsgenehmigung. Für die Personalabteilung des Marienhospitals war die Sache klar: Praktikum ja, eine spätere Anstellung als Arzt nur mit Aufenthaltsgenehmigung.

Wer auch immer gestern im Marienhospital angerufen hat, Bezirksregierung oder nicht, wies die Personalabteilung darauf hin, dass auch ein Praktikum nur mit Aufenthaltsgenehmigung möglich sei. Oder zumindest mit einer Arbeitserlaubnis, aber die werde in der Regel nur auf der Basis einer Aufenthaltsgenehmigung erteilt. Levon Cholakhyan: "Es ist zum Verrücktwerden."

Oliver Ongaro, Vorstandsmitglied der Flüchtlingsinitiative Stay, will trotz dieser Ungereimtheiten noch heute Abend eine Arbeitserlaubnis beantragen. Das Marienhospital versicherte gestern: "Levon Cholakhyan ist uns immer noch willkommen." Aber ohne ein amtliches Papier? Ongaro: "Letztlich werden wir erst Klarheit haben, wenn am 12. Mai der Petitionsausschuss tagt." Dieses Gremium wird entscheiden, ob Cholakyhan mit seiner Familie in Düsseldorf bleiben kann. Wenn ja, ist die Aufenthaltserlaubnis wohl nur noch eine Formsache.

(RP)
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