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Dirk Elbers in Düsseldorf: Debatte um Rüffel für Stadtsprecher

Düsseldorfer Oberbürgermeister : Debatte um Elbers-Rüffel für Stadtsprecher

Vor laufender Kamera fuhr Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) seinen Sprecher an. RTL-Journalisten sehen darin die Androhung einer Kündigung. SPD-Herausforderer Thomas Geisel bemängelt "fehlenden menschlichen Umgang" von Elbers gegenüber seinen Mitarbeitern.

Eigentlich wollte Oberbürgermeister Dirk Elbers am Freitag nur eine gute Nachricht verkünden, nämlich die Tunnellösung für die U 81. Am Rande der Pressekonferenz im Rathaus wurde er aber von einem Kamerateam von RTL überrascht, das aus anderem Grund gekommen war: wegen der umstrittenen Äußerung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters, er wolle im Ruhrgebiet "nicht tot überm Zaun hängen". Elbers verweigerte den RTL-Journalisten einen Kommentar, drehte sich von der Kamera weg und wendete sich dann an den Rathaussprecher: "Wenn Sie Ihren Dienst tun wollen, auch weiterhin, dann kümmern Sie sich um die Journalisten."

Diese Äußerung sorgt nun für Aufregung im Wahlkampf: Die Journalisten des Fernsehsenders verstanden den Ausspruch als Drohung an den Sprecher. Der Fernsehsender warf sogar die Frage auf, ob der Rathaus-Mitarbeiter um seinen Job bangen muss — was, wie die Stadt inzwischen klarstellte, nicht der Fall ist. Jörg Zajonc, Programmchef von RTL West, über die Beweggründe für die Ausstrahlung: "Wir haben uns entschieden, die Szene zu senden, weil sie ein Dokument der Zeitgeschichte ist und weil wir es als ein seltsames Demokratieverständnis ansehen, wenn Journalisten, aber auch der eigene Stadtsprecher, vor laufender Kamera unter Druck gesetzt werden."

Fest steht: Elbers war vom Auftauchen des RTL-Teams sichtlich genervt, sein Ton gegenüber dem Stadtsprecher war gereizt. Aber drohte der Oberbürgermeister ihm? Darüber gehen die Meinungen der Augenzeugen auseinander. Nicht alle anwesenden Journalisten teilten die Sicht der RTL-Journalisten. Andere empfanden den Ausspruch nicht als Androhung einer Kündigung, sondern lediglich als Anweisung des Oberbürgermeisters an seinen Sprecher, auch nach Ende der Pressekonferenz seine Arbeit fortzusetzen.

Für Elbers‘ wichtigsten Herausforderer bei der Wahl am 25. Mai, SPD-Mann Thomas Geisel, ist die Szene ein weiterer Beleg für die Führungsschwäche des Oberbürgermeisters. "Sie zeigt wieder den fehlenden menschlichen Umgang und die fehlende Führungsfähigkeit des Oberbürgermeisters", sagte Geisel der Rheinischen Post. Er fühlt sich an die "Feuerwehr-Affäre" erinnert, als Elbers mehrere Feuerwehrleute wegen eines Facebook-Beitrags zeitweilig suspendiert hatte.

Auch die Kandidatin der Grünen, Miriam Koch, kritisiert den Oberbürgermeister: "Herr Elbers muss gestoppt werden — so darf man eine Stadt nicht regieren. Das Rathaus ist zum Glück kein Byzantinischer Hof. Wertschätzung und Respekt für die städtischen Mitarbeiter müssen Angst und Repressalien ersetzen."

Es ist nicht das erste Mal, dass Dirk Elbers im laufenden Wahlkampf für Aufregung sorgt. Zuerst gab es eine Debatte um provokative Wahlplakate der CDU, die an die Schilder an der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin zu DDR-Zeiten anspielte. Dann sorgte Elbers mit dem Spruch übers Ruhrgebiet für Aufregung. Auf dem Parteitag der CDU sagte er, er wolle im Ruhrgebiet "nicht tot überm Zaun hängen". Nach eigenen Angaben ging es ihm dabei um Kritik an der Landesregierung, welche die Städte im Stich lasse, aus dem Revier gab es trotzdem viel Widerspruch.

(arl)