Düsseldorf: Dieser Anwalt ist ein bisschen anders

Düsseldorf: Dieser Anwalt ist ein bisschen anders

Mark Wilhelm ist ein Star unter den Versicherungsrechtlern. Aber warum hat er einen Dino-Kopf auf dem Schreibtisch?

Anwälte haben allgemein ein klar umrissenes Image. Grundsätzlich wirken sie seriös. Und langweilig. Das mag für manche Advokaten ernüchternd klingen. Aber die Berufsbilder "Pilot" oder "Hundetrainer" klingen nun einmal deutlich irgendwie spannender als jene der Rechtsexperten. Seriös ist auch Mark Wilhelm. Nur langweilig ist er nicht. Das wird jedem klar, der zum ersten Mal sein Büro betritt. Es ist in einer gründerzeitlichen Villa an der Reichsstraße, die einst das Domizil des preußischen Landtagspräsidenten war. Kurz nach der Gründung seiner Kanzlei "Wilhelm Rechtsanwälte" hat Wilhelm es mit einem Kollegen gekauft - und daraus eine der schillernsten Kanzleien der Stadt gemacht. Vor Wilhelms Schreibtisch steht der blau eingefärbte Knochenschädel eines Dinosauriers, der eine rote Handgranate im Maul hält. Was es damit auf sich hat? "Sieht doch einfach cool aus", sagt Wilhelm. Einen tieferen Sinn scheint das Kunstwerk nicht zu haben, außer vielleicht dass es der ideale Aufhänger für jedes Gespräch ist. Das könnte auch eine Schaufensterpuppe schaffen, die direkt daneben steht. Sie ist leicht bekleidet, und hat wie die Justitia die Augen verbunden und eine Waage in der Hand.

Wilhelm und seine inzwischen 30 Mitarbeiter haben eine berufliche Nische für sich entdeckt. Sie sind auf Versicherung und Haftung spezialisiert und bieten Service für kritische Situationen im Unternehmen bis hin zur Strafverteidigung. Konkret heißt das, Wilhelm ist der Partner der Industrie, von Unternehmen, die nicht täglich mit Versicherungen im Clinch liegen, sondern nur ab und an. Dann aber geht es meist um viel, viel Geld. Wilhelms Spezialgebiet sind Managerhaftung und so genannte D&O-Versicherungen, in Langversion also Directors-and-Officers-Versicherung. Kurz gesprochen ist das eine Haftpflichtversicherung für Manager gegenüber dem Unternehmen, das sie leiten. Über seine Kunden freilich kann Wilhelm, wie jeder verschwiegene Anwalt, wenig sagen. Kein Geheimnis aber ist, dass die Vorstände und Manager der ganz großen deutschen Konzerne zu seinem Kundenstamm gehören. So vertrat er etwa die Spitze einer großen deutschen Warenhauskette nach deren Insolvenz - was ihm in Branchenkreisen viel Ansehen einbrachte. Nicht erst seitdem ist Mark Wilhelm ein begehrter Ansprechpartner für Fachblätter wie Juve oder Wirtschaftszeitungen wie das Handelsblatt. "Mark Wilhelm ist in jeder Hinsicht ein Original - persönlich absolut authentisch - beruflich ein Meister seines Fachs. Geradeaus und auf den Punkt, das schätze ich an ihm", sagt Harald Christ, bis vor wenigen Wochen Vorstandschef der Ergo Beratung und Vertrieb AG und einst Kandidat fürs Amt des Wirtschaftsministers im Schattenkabinett der SPD zur Bundestagswahl 2009.

Was Christ mit "Original" umschreibt, ist die private Seite von Mark Wilhelm. Einmal im Jahr lädt er in seine Kanzlei zur Party, zuletzt ließ er etwa die schillernde schweizer Nacktkünstlerin Milo Moiré einfliegen, mit der er befreundet ist. Die huschte dann gekleidet in einem Hauch von nichts durch die Kanzleibüros.

Im Eingangsbereich der Kanzlei, wo die Mandanten warten, bevor sie im gläsernen Aufzug ins Büro fahren liegen Zeitschriften aus, doch nicht Spiegel, Stern und Wirtschaftswoche, sondern ausschließlich die Satirezeitung Titanic, dafür aber nahezu alle Ausgaben der letzten Jahre.

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Eine Leidenschaft, die für die meisten Wirtschaftsanwälte eher ungewöhnlich ist, sind Wilhelms Tattoos. Freunde sagen, er sei öfter bei seinem Tätowierer als andere beim Frisör. Und ganz falsch sei das auch nicht, meint Wilhelm. Doch in Anwaltskluft, schwarzer Anzug, weiße Krawatte, bleiben die diversen Tattoos den Blicken verborgen.

Die Tattoo-Leidenschaft können aber auch Kunden erahnen. Wer eine halbe Million Euro Jahresumsatz macht, der erhält ein Feuerzeug-Unikat mit Gravur mit der Inschrift "Wilhelm true love", die stark an eine Tätowierung erinnert.

Der kreative Advokat lebt seine Kreativität auch geschäftlich aus. Immer wieder gründet Wilhelm "nebenbei" was Neues. Einen Weinhandel hatte er genauso im Portfolio wie Rock'n-Roll-Artikel. Die jüngste Idee: "Versicherungen gegen bestimmte Wetterlagen", sagt Wilhelm

(tb)