Düsseldorf: Diese Einrichterin nutzt die heilende Kraft der Farben

Düsseldorf : Diese Einrichterin nutzt die heilende Kraft der Farben

Gelb hellt die Stimmung auf, Blau beruhigt - Jeanet Marit Herbst ist überzeugt, dass Farben Selbstheilungskräfte wecken. Sie arbeitet für Krankenhäuser und Psychiatrien, um den Patienten die Genesung zu erleichtern.

Farben würzen unser Leben. "Ich sehe rot", sagt der Wütende und beruhigt sich wieder in der "blauen Stunde". Verliebte schauen durch eine "rosa Brille" und sehen "schwarz", wenn es vorbei ist mit den großen Gefühlen. Studien belegen, dass Gelb den Appetit anregt, Grün die Kreativität steigert und Frauen in roten Kleidern auf Männer besonders attraktiv wirken (brauchten wir dazu die Wissenschaft?).

Aber der Kraft der Farbe ist mehr zuzutrauen. "Sie kann kranke Menschen unterstützen, wieder gesund zu werden", weiß die Farb- und Architektur-Expertin Jeanet Marit Herbst. Und setzt gezielt Akzente, um die Selbstheilungskräfte zu wecken.

Sie arbeitet für Krankenhäuser, Psychiatrie-Kliniken, Reha-Einrichtungen - überall dort liegen Menschen in ihren Betten "und schauen meist auf weiße Wände - wie öde". In deutschen Kliniken setze man vor allem auf den "grünen" Aspekt, was allerdings keiner Farbskala entspringt. "Dort ist es besonders wichtig, energiesparend zu bauen und Materialien zu verwenden, die recycelbar sind."

Erst langsam setze sich hier die Erkenntnis durch, dass viele Faktoren den Heilungsprozess beeinflussen, "und dass Patienten schneller gesund werden und weniger Medikamente brauchen" - wenn man Farbe bekennt.

Können gelbe Wände Depressiven helfen?

Soeben kommt Jeanet Marit Herbst aus Dortmund zurück. Dort hat sie für zwei neue Psychiatrie-Klinikgebäude ein Konzept komponiert - und Farben je nach Krankheitsbildern eingesetzt. Depressive Patienten schlafen nun in Zimmern mit Gelbtönen ("hellt die Stimmung auf, stärkt die Nerven"), Grün dominiert die Räume von Suchtpatienten ("wirkt befreiend, vermittelt das Gefühl durchatmen zu können"), Menschen mit Psychosen sind von sanftem Blau umgeben ("beruhigt, kühlt ab"). Es sei erwiesen, dass die Meeresfarbe auch den Blutdruck senkt. Und dass Patienten in der Orthopädie nach Operationen schneller wieder auf die Beine kommen, wenn sie von Gelb umgeben sind.

Im großen Restaurant der Klinik für über 600 Patienten habe es früher immer wieder mal starke Spannungen gegeben. Nun führt ein grasgrünes Treppenhaus ("holt die Natur hinein") zu einem hellen lichten Raum mit sanften Holztönen und verschiedenfarbigen Stühlen - "da kann sich jeder das aussuchen, was ihm gut tut".

Mit verblüffender Wirkung: Das Pflegepersonal hat Jeanet Marit Herbst bestätigt, dass die Mahlzeiten nun nicht mehr von Aggressionen beeinträchtigt werden. Bald will sie dort auch die Farbzusammenstellung der Speisen beeinflussen. "Rote Tomaten und grüne Bohnen als Beilage zu Fisch wecken den Appetit eher als weißer Blumenkohl."

In ein Kölner Krankenhaus, das an einer Durchgangsstraße liegt, ließ die Farbexpertin Eifellandschaften transportieren - riesige Wandfotos des Düsseldorfer Fotografen Manfred Damm ersetzen die Natur. In einer Psychiatrieklinik verwirklichte sie die Idee von einem "beruhigenden Rundlauf", dort lassen sich mit den Fingerspitzen die Wellenbewegungen in den Holzwänden nachspüren. Und für ein Jugendgefängnis in Münster plant sie einen runden Gang, "der lässt niemanden in der Ecke stehen".

Überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sie ihre Konzepte realisiert. Und in Düsseldorf? Im Heerdter Krankenhaus hatte sie bereits begonnen, Zimmer, Flure und den Eingangsbereich neu zu gestalten. Noch immer weisen ihre blauen Punkte als Leitsystem zur Ambulanz. Ob sie ihre Ideen mit den neuen Betreibern des Hauses, den Schön-Kliniken, vollenden kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. "Im Alltag, wenn Menschen sich begegnen, ist Farbe immer ein Signal", sagt Jeanet Marit Herbst. Und ein Bekenntnis. In ihrer Wohnung dominieren ihre persönlichen Vorlieben - Taubenblau im Schlafzimmer, Grau und Senfgelb im Wohnraum, Knallblau in der Küche: "Hält Ungeziefer fern."

(RP)