Düsseldorf: Diebe bauen Sprechanlagen aus

Düsseldorf : Diebe bauen Sprechanlagen aus

Vier der hochwertigen Geräte wurden in den vergangenen Wochen gestohlen. Unter den Geschädigten ist die katholische Kirchengemeinde in Heerdt. Die Polizei hat Erkenntnisse, dass die Anlagen mit Videokameras übers Internet verkauft werden.

Die Diebe machen vor der Kirche nicht Halt. Am Pfarramt St. Benediktus in Heerdt haben sie eine Gegensprechanlage mit Kamera gestohlen. Beute machten Unbekannte am vorvergangenen Wochenende auch am Kaiser-Friedrich-Ring in Niederkassel. Zwei weitere Fälle wurden in den vergangenen Wochen laut Polizeisprecher Markus Niesczery gemeldet. Die Tatorte sind meist gehobene Wohnlagen. Dass eine Kirchengemeinde zu den Geschädigten zählt, ist für ihn neu: "Da geht dann wohl das letzte bisschen Anstand auch noch verloren", sagt er. In der jüngeren Vergangenheit wurden weitere Fälle am Niederrhein und in Bocholt gemeldet.

Das Geschäft mit den teuren Gegensprechanlagen ist lukrativ: Geräte des Herstellers Siedle kosten zwischen 1000 und 1500 Euro. Nach Polizeierkenntnissen werden sie vor allem in Internet-Auktionshäusern angeboten - je nach Standard und Zustand für mehrere 100 Euro. Sie auszubauen, ist mit entsprechendem Know-how und Werkzeug verhältnismäßig einfach - und demzufolge schnell. Die Täter, die den Schutz der Nacht suchen, gehen ein geringes Risiko ein, beobachtet zu werden. Allerdings arbeiten die Hersteller daran, es den Kriminellen schwer zu machen: Die teuersten und modernsten Video-Gegensprechanlagen sind mit Signaturen versehen, die jederzeit dem Besitzer zugeordnet werden können.

Mit den vier neuen Fällen in diesem Sommer begegnet die Polizei einem Phänomen bei Diebstählen, mit dem sie vor vier Jahren zum ersten Mal konfrontiert worden war: Damals waren innerhalb weniger Monate mehr als 70 Gegensprechanlagen demontiert worden. Die Tatorte: Meerbusch, Haan, Hilden und Ratingen, aber überwiegend Düsseldorf mit 40 Fällen. Der Schwerpunkt: Oberkassel, der Norden und einige Wohngebiete im Süden. Die Serie ging auf das Konto eines Elektrikers und eines Sanitäters. Der Handwerker hatte die Anlagen tagsüber in Neu- und Rohbauten montiert und so die Tatorte ausgewählt. Abends schraubte der Elektriker mit Spezialwerkzeug die Anlagen aus den Halterungen.

Bis zu vier Anlagen haben er und sein Komplize bei ihren abendlichen Touren jeweils gestohlen. Der Schaden belief sich auf rund 35 000 Euro. Die Täter hatten bei den Verkäufen etwa 20 Prozent des Neupreises erhalten, teilweise auch nur 30 oder 40 Euro: Das hing in erster Linie davon ab, wie die Gebote im Internet-Auktionshaus gerade liefen.

Nur weil das Internetkonto des Handwerkers wegen Unregelmäßigkeiten gesperrt war, hatte sein Kumpel für ihn das sehr seltene Luxus-Gerät (1300 Euro) im Internet angeboten - wenige Tage, nachdem es in Oberkassel gestohlen worden war. Kriminalhauptkommissar Dirk Esser war aufmerksam geworden und hatte den Zusammenhang hergestellt.

(RP)