Düsseldorf wächst: Die Zukunft des Wohnens liegt in der Höhe

Düsseldorf wächst : Die Zukunft des Wohnens liegt in der Höhe

Düsseldorf wächst, und der Baugrund wird knapp. Architekten, Projektentwickler und Stadtplaner lassen deshalb Wohn-Hochhäuser – die Giganten aus Stahl, Beton und Glas – ein Comeback feiern.

Düsseldorf wächst, und der Baugrund wird knapp. Architekten, Projektentwickler und Stadtplaner lassen deshalb Wohn-Hochhäuser — die Giganten aus Stahl, Beton und Glas — ein Comeback feiern.

Hinter Schlagworten wie verdichtetes Wohnen, Wohnturm, Vertical Villages (vertikale Dörfer) stehen neue Konzepte für die Hochhäuser der Zukunft, denn Wohnen in den Wolken gilt als der urbane Trend der kommenden Jahre. "Weil Baugrundstücke mitten in Düsseldorf knapp sind, bleibt Projektentwicklern nur der Weg in die Höhe", sagt Nathalie de Vries.

Als Architektin setzt die Niederländerin seit 20 Jahren Maßstäbe, als Professorin für die Abteilung Baukunst unterrichtet sie an der Kunstakademie. Die Wiederkehr des Hochhauses sei die Antwort auf die zunehmende Re-Urbanisierung und den wachsenden Bedarf an Wohnungen. Allein die Vielfalt der geplanten oder bereits entstehenden Projekte in Düsseldorf belegt, dass sich Wohnen in luftiger Höhe — und zwar nicht im verpönten hässlichen Plattenbau oder den Wohnsilos der 60er und 70er Jahre — einer großen Nachfrage erfreut.

Das Wohnhochhaus D'Or, das bis Herbst 2014 auf dem Gelände des Quartier Central in Pempelfort entsteht, schießt 60 Meter in die Höhe. Foto: HPP Architekten

So wird auf dem Gelände das Quartier Central in Pempelfort zwischen Berty-Albrecht-Park und der neu angelegten Toulouser Allee bereits im Herbst das erste zentrumsnahe Wohnhochhaus der neuen Generation einzugsbereit sein. Mit seinen 60 Metern Höhe und den 19 Geschossen, die Platz für 110 Appartements bieten, wird das "D'Or" städtebaulich einen nicht zu übersehenden Akzent setzen. "Die Idee der Individualität und Vielfalt bestimmen im Inneren die vielfältigen Grundrisslösungen und auch die äußere Gestalt des Baukörpers", sagt Gerhard G. Feldmeyer, geschäftsführender Gesellschafter der für den Entwurf verantwortlichen HPP Architekten. Die neuen Hochhäuser bieten seiner Meinung nach ideale Möglichkeiten, Stadtquartiere zu beleben. Allein durch die Fassadengestaltung wirkten sie kontrastreich. "Sie sind keine uniformen Fremdkörper, und die Stadtbewohner fühlen sich nicht mehr von ihnen erschlagen."

Das D'Or beispielsweise ist quaderförmig angelegt und durch Vor- und Rücksprünge sowie Staffelungen in einzelne, überschaubare Einheiten gegliedert. Aufgelockert wirken auch die reliefartig ausgestalteten Fassadenecken mit ihren Loggien. Große Fensterfronten, Loggien und Balkone sind — so Feldmeyer — ein Muss. "Der weite, unverbaute Blick, ist es doch, der anzieht."

Aber weil das Wohnen so hoch oben seine ganz eigenen klimatischen Bedingungen hat, sei Schutz durch viel Grün und umlaufende Lamellen notwendig, erklärt Pablo Molestina, Architekt und Dekan der Peter-Behrens-Fachhochschule für Architektur. Mit seinem Büro hat er die Idee für das zweite Wohnhochhaus im Quartier Central geliefert. Wenn in wenigen Tagen dort der Bau beginnt, wird über 17 Geschosse das Stapeln verschiedener Wohntypen Wirklichkeit. "Unten gibt es Stadthäuser, in der Mitte Wohnungen und oben Hofhäuser", erklärt Molestina sein vertikales Dorf.

Anders als die üblichen Penthäuser warten die zweigeschossigen Hofhäuser in der Mitte des Grundrisses mit einem geschützten und doch sonnigen Patio auf. All die Türme, die neu in den Himmel wachsen, darunter auch das auf dem Gelände der alten Paketpost am Hauptbahnhof oder das linksrheinisch geplante Rheinkilometer 740 oder die Königskinder im Medienhafen, werden zentrumsnah errichtet und nicht wie früher auf Brachen an der Peripherie. Und: Sie sind wegen der Mehrkosten für Bau und Betrieb sowie der bevorzugten Lagen eher hochpreisig, richten sich an vermögende Eigentümer. Auch wenn deren Bedürfnisse unterschiedlich sein mögen, gibt es gemeinsame Ansprüche, sagt Feldmeyer. Dazu zählen eine gute Raumaufteilung, Rezeption, ein Concierge-Dienst, genügend Abstand zu den Nachbargebäuden, die Aussicht und die Außengrünflächen. "Denn je konzentrierter wir bauen, umso mehr können umliegende freie Fläche begrünt sein", erklärt Molestina.

Ein anderes Modell entsteht derzeit am Seestern. Vorzugsweise für Interessenten aus der Gruppe "Young Professionals", also junge Leute, die unter der Woche in der City arbeiten oder hier studieren, sagt Projektentwickler Philipp Roth von der Ferox Immobiliengruppe aus Wuppertal (Partner der Seestern-Initiative). Das Unternehmen entwickelt das 70 Meter hohe, sogenannte White Max, zu Düsseldorfs höchstem Wohnhaus-Projekt. Derzeit läuft die Vermarktung der 305 Wohneinheiten. Das Angebot umfasst Ein-bis Drei-Zimmerwohnungen, 45 bis 80 Quadratmeter groß, zu Mietpreisen ab 515 Euro. Alles wird neu, vom Boden bis zur Beleuchtung und dem Balkon. Allein durch seine markante Erscheinung und seine schiere Höhe soll — so die Vermarkter — das White Max zum neuen Wahrzeichen des Stadtteils Lörick werden.

(RP)
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