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Die Wollengel in Düsseldorf helfen Menschen auf der Straße

Vereine in Düsseldorf : Die Wollengel

Anfangs war es nur ein Hobby, dann wurde daraus ein Verein, der Menschen auf der Straße hilft. Inzwischen geht das Engagement der Wollengel weit über das Stricken warmer Socken hinaus. Auch im Sommer sind sie aktiv.

Tanja Elle strickt leidenschaftlich gerne. „Doch irgendwann waren alle in meinem Familien- und Freundeskreis mit warmen Socken und Schals versorgt“, sagt sie zurückblickend. Also knüpfte Elle vor zwei Jahren den Kontakt zur Obdachlosenhilfe Fiftyfifty, ob denn dort nicht Bedarf für warme Sachen im Winter bestünde. „Die waren sofort begeistert, so etwas sei für die anstehende Weihnachtsfeier doch der Knaller“, berichtet sie. Mit Freundin Sabine Schmitz fand sie eine Mitstreiterin, die eigentlich mit Stricken nichts am Hut hatte, die Idee aber toll fand. „Über die Sozialen Medien haben wir in der Handarbeitsszene um Spenden gebeten. Und es kam eine Menge, Wolle, aber auch schon fertig Gestricktes, insgesamt waren es am Ende 300 Teile.“ Für die besagte Weihnachtsfeier war das alles schon viel zu viel, den Rest gaben die beiden an den Gute-Nacht-Bus von „Vision:Teilen“ ab.

Überwältigt von dem Anklang beschloss das Duo, einen Verein zu gründen, ein Name war schnell gefunden: die Wollengel. Tanja Elle wurde 1. Vorsitzende, Sabine Schmitz ihre Stellvertreterin, ein Büro mit angeschlossenem Lager im Keller wurde angemietet. Rund 130 Mitglieder gibt es inzwischen, wobei längst nicht alle selbst zu Stricknadeln greifen, viele wollen das Anliegen einfach nur unterstützen. Mit Wolle wurden die Engel im Anschluss zugeschüttet, aber auch Geldspenden sind natürlich willkommen. Ohnehin richtet sich das Augenmerk der Wollengel nicht allein auf Obdachlose, es sind alle Menschen, deren Mittelpunkt die Straße ist, die profitieren sollen. „Viele können sich vielleicht so gerade eben noch eine Wohnung leisten, aber Mitte des Monats ist das Geld weg“, sagt Tanja Elle.

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Längst reicht das Engagement des Vereins über die Weihnachtszeit hinaus, „denn vorher ist die Spendenbereitschaft immer vergleichsweise groß, danach flaut sie aber schnell ab“, sagt Elle. Und überhaupt müsse sich der Einsatz der Wollengel ja nicht nur auf die kalte Jahreszeit beschränken. Gerade im Lockdown habe es für Menschen auf der Straße kaum noch Anlaufpunkte gegeben. Daher wird zum Beispiel jetzt der „Sommer im Rucksack“ gepackt: Plätzchen, Hygieneartikel, Erfrischungstücher, ein T-Shirt, Mütze und Thermobecher wandern in den Rucksack. Schmitz und Elle bringen diese dann zum Streetwork-Café von Flingern mobil an der Charlottenstraße, das einmal im Monat für die Wollengel unterwegs ist und die Präsente verteilt. „Das ist für uns so etwas wie die erste Adresse geworden, die Streetworker dort wissen, wo und wie sie die Menschen erreichen, die Hilfe benötigen“, sagt Sabine Schmitz. Mit dem Gute-Nacht-Bus sind die Wollengel bisweilen aber auch durchaus persönlich unterwegs. Mit Aidshilfe, Armenküche oder der Tafel stehen die Engel ebenfalls in engem Austausch.

Inzwischen erstreckt sich das Einzugsgebiet der Woll­­engel über die Grenzen von Düsseldorf hinaus. „Die Leute schicken uns aus ganz Deutschland Wolle, stricken, häkeln oder nähen für uns“, sagt Tanja Elle. Zumindest die Abnehmer leben aber immer in Düsseldorf, da fühlen die Mitglieder aktuell noch eine lokale Verbundenheit. Der Mann von Sabine Schmitz fährt zudem das Wolltaxi in Düsseldorf, bringt oder holt die „Ware“ ab, „da kommen schnell sieben, acht Touren die Woche zusammen, es waren sogar schon mal mehr als 20“, erzählt die Gattin.

Auch wenn die Erfolge der Woll­engel schon ganz beachtlich sind, kämpft Tanja Elle für noch mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz. „Wir könnten uns auch gut vorstellen, mittelfristig außerhalb von Düsseldorf tätig zu werden. Die Menschen auf der Straße sind wirklich sehr dankbar für etwas Selbstgemachtes, das quasi nur für sie angefertigt wurde. Nach dem Winter ist unser Lager jedenfalls immer leer.“

Info Wer mehr über die Wollengel erfahren möchte: duesseldorferwollengel.com