Die Verhandlungen über eine Vermarktung des Stadions durch Fortuna müssen schnell laufen.

Verhandlungen über Vermarktung : Fortuna steht beim Arena-Vertrag unter Zeitdruck

Die Verhandlungen über eine Vermarktung des Stadions durch Fortuna müssen wegen der anstehenden Lizenzierung schnell laufen. Die Politiker wollen bei dem Deal mitreden.

Bei D.Live, der Event- und Sporttochter der Stadt, ist man gespannt auf die Vorschläge von Fortuna Düsseldorf. In der vorigen Woche fand noch ein Gespräch beider Seiten statt. Der Ball, so ist zu hören, liege nun im Feld des Fußball-Erstligisten. Der Verein soll in wenigen Tagen mitteilen, über welche Rechte bei der Vermarktung der Arena er verfügen möchte und was er dafür zu zahlen gedenkt. Sind die Verhandlungen beendet, muss das Papier noch durch den Aufsichtsrat von D.Live. Ob der gleich zustimmt, ist offen, eventuell sind Nachverhandlungen nötig. Die Zeit drängt also auf jeden Fall, denn bereits Mitte März muss Fortuna für das Lizenzierungsverfahren sein Konzept für die kommenden Saison 2019/20 beisammenhaben. Die Fakten:

Warum ist die Arena-Vermarktung für Fortuna so wichtig? Nach dem Aufstieg ist vor dem Abstieg. So war es 2012/’13, als Fortuna nach einer tollen Hinrunde tief fiel und sich als Dauerverlierer gleich wieder in Liga 2 verabschiedete. Durch zuletzt drei Siege in Folge ist die Hinrunde dieses Mal noch gerettet worden, nun soll eine gute und vor allem stabilere Rückrunde folgen. Unabhängig davon, ob Fortuna in der 1. Liga bleibt, soll die Arena „mehr Fortuna“, also stärker auf den Hauptnutzer ausgerichtet sein. Die Fans sollen in den Umläufen zum Beispiel alte und aktuelle Stars des Klubs bewundern können, Rot-Weiß soll an vielen Stellen optisch dominieren.

Die Arena ist aber auch als Geldquelle wichtig. Dies umso mehr, wenn Fortuna einen Stammplatz im Oberhaus erobert. Denn die Höhe der TV-Gelder richtet sich auch nach Liga-Jahren. Fortuna bekommt jetzt rund 22 Millionen Euro, Mainz – um nur ein Beispiel zu nennen – zehn Millionen Euro mehr. Diese Lücke möchte man durch Einnahmen anderer Art gerne schließen, unter anderem aus der Arena-Vermarktung. Sie kann unter dem Strich zwei bis vier Millionen Euro bringen.

Wichtig zu wissen: Die aktuelle Bestandsaufnahme zwischen D.Live und Verein hat ergeben, dass Fortuna schon heute über rund 75 Prozent der Vermarktungsrechte verfügen kann, der Verein geht aber davon aus, als direkt Verfügungsberechtigter höhere Erlöse erzielen zu können.

Wie kann Fortuna stärker beteiligt werden? Der Verein könnte an den Spieltagen das Stadion komplett vermarkten. In diesem Fall spricht man von einem „weißen Stadion“ – wobei die Außenhaut mit dem Stadionnamen davon nicht betroffen wäre. Fortuna könnte aber sämtliche Logen, die Gastronomie und Getränkelieferungen vergeben und zusätzlich Werbeeinnahmen erzielen. Dass dies generell möglich ist, hat Michael Brill, Geschäftsführer von D.Live, vorige Woche gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

Damit kann ein großer Wunsch der Fortuna befriedigt werden.

Was müsste der Verein für das „weiße Stadion“ zahlen? Dies ist der programmierte Streitpunkt. Aktuell zahlt Fortuna rund 1,2 Millionen Euro Miete im Jahr. Von diesem Geld wird auch der Rasen erneuert, was Kosten von rund 500.000 Euro jährlich bedeutet. Dass dies kein schlechtes Geschäft ist, zeigt schon ein Blick in die Nachbarschaft: Drittligist KFC Uerdigen spielt seine Saison in Duisburg und zahlt mehr als 700.000 Euro Miete.

Insider gehen davon aus, dass Fortuna für ein „weißes Stadion“ vier bis fünf Millionen Euro wird zahlen müssen. Auch Kreditkosten für die Arena würden dabei zumindest anteilig berücksichtigt, ein Streitpunkt in den Verhandlungen.

Einfacher gemacht werden soll die getrennte Vermarktung von Fußball und anderen Events in der Arena durch die zunehmende Digitalisierung. Statt Postern oder Bemalungen soll es immer mehr LED-Screens und -Banden geben.

Ist das Verhältnis von Fortuna und Stadt beschädigt? Beschädigt ist es nicht, aber belastet. Beim Deal mit der Gauselmann-Gruppe für den Namen Merkur Spiel-Arena sieht sich der Verein noch heute übergangen. Auf die Erfüllung des Herzenswunsches, Fortuna mit Logo oder Schriftzug auf die Arena zu bringen – von Gauselmann angeboten –, haben die Rot-Weißen zunächst einmal verzichtet. Andererseits greift die Stadt der Fortuna beim Bau des Nachwuchsleistungszentrums mit fast zwei Millionen Euro unter die Arme – keine Selbstverständlichkeit.

Mehr von RP ONLINE