Igedo Düsseldorf Die Vergangenheit der Modemesse

Düsseldorf · Traditionell, seit der ersten Mode-Fachmesse der Welt 1949 mit 24 Ausstellern, wird am Rhein Mode hoch gehängt – die von der Stange und all die Unikate, die bei der Igedo präsentiert, geordert und dann in aller Welt verkauft wurden.

Traditionell, seit der ersten Mode-Fachmesse der Welt 1949 mit 24 Ausstellern, wird am Rhein Mode hoch gehängt — die von der Stange und all die Unikate, die bei der Igedo präsentiert, geordert und dann in aller Welt verkauft wurden.

Das Geld war knapp, die Sehnsucht groß. Von Nylons, Straußenfedern, schmal geschnürter Taille und weit schwingenden Röcken im "New-Look"-Stil des Pariser Couturiers Christian Dior träumten im Sommer 1949 die Frauen. Sie hatten die Zeit der Entbehrungen satt, die Kittelschürzen, die Mäntel aus Wolldecken. Man wollte wieder schön sein.

Die erste Modenschau auf der Königsallee war dann gleich eine Sensation: 15.000 Zuschauer drängten sich an den Absperrungen, als die Gründer der "Interessengemeinschaft für Damenoberbekleidung" — abgekürzt: Igedo — 150 Mannequins mit kessen Hüten und in feinen Kleidchen über den ersten Freiluft-Catwalk schickte.

Die alte Modehauptstadt Berlin lag in Trümmern. Die deutschen Konfektionäre suchten ein neues Zentrum. Warum nicht Düsseldorf? Zehrte die Stadt doch immer noch von ihrem eleganten Ruf. Zu den 24 Kojen der ersten Modemesse im März 1949 waren nur Einkäufer zugelassen, die für Geschäfte von Hamburg bis München orderten. Mit dem Erfolg des neuen Unternehmens Igedo hatten selbst Optimisten nicht gerechnet. Als sich die Konfektionäre zum zweiten Mal am Rhein trafen, hatten sie nach ein paar Tagen Aufträge für 16 Millionen Mark in der Tasche. Ein Jahr später kamen über 1000 Aussteller nach Düsseldorf. — Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsstory.

Erfolg auch im Ausland

Auch deshalb: Der erste Geschäftsführer Willi Kronen, Vater des langjährigen Firmenchefs Manfred Kronen, setzte früh auf Internationalität. 1954, als Reisende nach Holland noch ein Visum brauchten, kamen bereits Aussteller aus Belgien, Spanien, Schweden und den USA zur Igedo. Sieben Jahre später waren Konfektionäre aus Hongkong dabei. 1972 trafen zwei Superlative aufeinander: Die größte Modemesse der Welt zog um zum "modernsten Gelände der Welt", nachdem die Messe-Neubauten in Stockum fertig geworden waren.

1981 startet die Igedo Company die Exportinitiative für deutsche Mode im Ausland. Zwölf Modemarken, darunter Escada und Mondi, zeigten im Guggenheim Museum in New York ihre Kollektionen unter dem Titel "The New Expression of German Fashion". 1984 begann eine neue Ära: Manfred Kronen und seine Igedo organisierten Designerschauen und hoben damit neben Paris und Mailand einen neuen Schauplatz aus der Taufe. Auch Wolfgang Joop präsentierte hier seine Entwürfe. Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Karl Lagerfeld trafen sich 1989 bei der Messe. Supermodel Naomi Campbell sorgte auf dem Laufsteg für Aufregung wie Mode-Queen Vivienne Westwood.

Was klein angefangen hat, wurde — unabhängig vom Auf und Ab der Rocklängen — ein Riesen-Unternehmen mit Filialen in London, Hongkong, Shanghai, Moskau. 1992 kamen zu den Modemessen 8000 Aussteller aus 56 Ländern und 187 686 Einkäufer aus 82 Ländern. Mit einer Gesamtausstellungsfläche von 599 720 Quadratmetern waren die Düsseldorfer Messen unangefochten weltweit die Platzhirsche. 1999 feierte die Igedo mit ihrer 222. Messeveranstaltung groß den 50. Geburtstag in der Tonhalle.

Manfred Kronen bezeichnete damals die Igedo als Vorreiter für Fachmessen der Konsumgüterindustrie. Im Vergleich zu den Messeplätzen Paris und Mailand meinte er: "Wir sind nicht die Hauptstadt der Mode, aber die Hauptstadt des Modeumsatzes." Rund zehn Milliarden Mark wurden demnach pro Jahr auf den Düsseldorfer Modemessen umgesetzt.

Doch der Strukturwandel nahm seinen Lauf: In den 90er Jahren scheiterte so manches Projekt mangels Nachfrage. Wurden bei der Messe vor 15 Jahren noch 85 Prozent aller Textilwaren geordert, gehen Experten inzwischen von weit unter zehn Prozent aus. "Die Modemessen sind nicht alles", heißt es. Viel vom Geschehen, das früher bei der Messe seinen Platz hatte, hat sich schon lange in die sogenannten Showrooms verlagert.

Das sind die 500 Ausstellungsräume, in denen einzelne Hersteller in gediegenem Ambiente im Hafen oder an der Kaiserswerther Straße ihre Kollektionen zeigen und quasi ihre eigene Messe veranstalten. Die Stadt und die Igedo hatten die Showrooms anfangs als Trittbrettfahrer verunglimpft und ihnen den Krieg erklärt. Vergeblich!

Die klassische Ordermesse ist kein Modell für die Zukunft, monatlich wechselnde Kollektionen haben sich durchgesetzt. Das Geschäft mit den vertikalen Systemen und den Monolabelstores läuft weit entfernt von den Messen ab. Die Branche hat sich als Marktplatz für Berlin entschieden.

(RP)
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