Düsseldorf/Analyse: Die Tragödie der "Königskinder" am Hafen

Düsseldorf/Analyse : Die Tragödie der "Königskinder" am Hafen

Der Bau der beiden Wohntürme hat sich zu einer Chronik des Scheiterns entwickelt. Nach mehr als zehn Jahren der Planungen und Gespräche konnte keine Einigung erzielt werden. Das zeigte nun auch die Sitzung der für das Gebiet zuständigen Bezirksvertretung 3.

Als man dem Projekt, zwei 60 Meter hohe Wohntürme mit 120 exklusiven Wohnungen und eigener Marina am Hafen zu bauen, den Namen "Königskinder" gab, war das ein schlechtes Omen. Mit der Anspielung auf das altdeutsche Lied von den Königskindern, die an Flussufern standen und nicht zueinander fanden, wollte man das Motiv des Wassers aufnehmen und die Architektur der beiden getrennten Hochhäuser verdeutlichen, verstärkt durch zwei zwölf Meter hohe "Königskinder"-Skulpturen auf dem Dach, entworfen vom ehemaligen Akademie-Rektor Markus Lüpertz.

Doch wie die Liebesbeziehung in der Ballade steht auch das Projekt vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen.

Vor mehr als zehn Jahren wurde das Projekt des Investors Frankonia geplant und 2005 auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes präsentiert. Doch die Pläne, das alte Industrieviertel weiterzuentwickeln, stießen auf Widerstand: Die Stadt wollte das Wohnen am Industriestandort zulassen, doch die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde lehnte dies ab, weil die Geruchs- und Lärmbelästigung für die Anwohner dann zu hoch sein würde und damit Konflikte programmiert seien. Auch die Hafenfirmen - darunter die Mühlenbetriebe - befürchteten, dass Wohnhäuser und Industrie sich zu nahe kommen und Klagen folgen könnten.

Die Stadt klagte 2010 gegen die Entscheidung der Bezirksregierung, man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss, der grünes Licht für das Projekt "Königskinder" an der Speditionstraße vorsah. Im Gegenzug verwarf die Stadt die Idee, auch an der Kessel- und Weizenmühlenstraße Wohnprojekte umzusetzen. Die für das Gebiet zuständige Bezirksvertretung 3 stimmte 2011 mit einer Mehrheit aus CDU, FDP und Grünen für die gut 400 Seiten umfassende Vorlage zum Bebauungsplanentwurf, in der das Rathaus auch Stellung zu Bedenken und Anregungen von Behörden, Bürgern und Unternehmen bezog. Auch der Planungsausschuss stimmte damals in dieser Farbkombination für den Plan. Doch in den kommenden Jahren gab es immer wieder Änderungswünsche an dem Bebauungsplan für die Speditionstraße.

So ist weiter unklar, wann das Projekt starten kann. Das zeigte jetzt die Sitzung der Bezirksvertretung 3. Erneut stand dort der Bebauungsplan auf der Tagesordnung. Doch eine Einigung ist nicht in Sicht. So klagte ein Vertreter der Hafenindustrie, dass man über die Pläne nicht informiert wurde. Erneut sollen Änderungen in die Pläne eingearbeitet werden, unter anderem soll der Schallschutz bei einer größeren Fläche der Fassaden berücksichtigt werden als bisher.

Auch für die Fenster der Wohntürme müsse eine neue Lösung gefunden werden. Wahrscheinlich ist eine Glasfassade, die vor die eigentliche Fassade gesetzt wird. "Wir werden die Architektur der Gebäude überdenken", sagte Planungsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa. Das müsse mit dem Investor Frankonia geklärt werden. Auch mit den Hafenbetrieben gibt es noch keine Einigung.

Den "Königskindern" des Hafens droht das gleiche Schicksal wie den Protagonisten der Volksballade: Die scheiterten bekanntlich mit ihrem Versuch, die Hindernisse zu überbrücken.

(RP)
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