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Angst entlang der Trasse: Die Sorgen der Anwohner

Angst entlang der Trasse : Die Sorgen der Anwohner

Nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln haben auch viele Hausbewohner entlang der Trasse der Wehrhahn-Linie Angst. Konzepte seitens der Stadt und der Projektleitung, wie man diese lindern könnte, gibt es nicht. Kritisiert werden Lärm, Vibrationen und Risse in den Wänden.

Konzentriert. sitzt Nicole Teuber an ihrem Schreibtisch. Plötzlich hört sie lautes Hämmern, der Boden unter ihren Füßen beginnt zu vibrieren und mit Schrecken stellt sie fest, dass der Bildschirm ihres Computers auf einmal anfängt zu wackeln. "Teilweise sind die Bauarbeiten so heftig, dass es kaum auszuhalten ist", sagt die 40-jährige Inhaberin des Fotostudios "Zur alten Metzgerei" an der Elisabethstraße, wo die Vorbereitungen zum Bau der Wehrhahn-Linie gerade in vollem Gange sind. "Und seit dem Unglück in Köln wird mir bei dem Gedanken daran, dass sie hier bald mit dieser Riesen-Raupe direkt vor unserer Tür graben werden, ganz anders", meint Teuber.

Am Dienstagmittag war im Severinsviertel in Köln das vierstöckige Gebäude des Stadtarchivs in sich zusammengebrochen. Ein Zusammenhang zwischen den dortigen U-Bahn-Bauarbeiten und dem Einsturz ist zwar noch nicht erwiesen — doch seit dem Unglück sind auch in der Landeshauptstadt viele Anwohner entlang der geplanten Wehrhahn-Linie besorgt. "Man ist einfach sensibler geworden", sagt Nicole Teuber. Wenn hier nun eines Morgens plötzlich alles in Schutt und Asche läge, wäre alles zerstört, was sie sich aufgebaut habe, sagt die 40-Jährige.

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Auch Fred und Helga Gries, ebenfalls Anwohner der Elisabethstraße, meinen: "Wir bekommen nachts kaum noch ein Auge zu." Anfang 2008 habe die Stadt in ihrer Garage einen Messpunkt installiert, um die Statik des Hauses zu kontrollieren. Aber bis heute sei dies nicht ein einziges Mal geschehen. Alle wichtigen, teuren und zerbrechlichen Gegenstände hätten sie auf den Boden gestellt, erklärt das Ehepaar. "Die würden uns wegen der Erschütterungen durch die Bauarbeiten sonst von den Schränken fliegen", meint Fred Gries.

Doch bei weitem nicht alle Düsseldorfer sind aufgrund der Ereignisse in Köln besorgt — im Info-Container der Wehrhahn-Linie am Corneliusplatz beispielsweise wurden gestern weder besonders aufgeregte noch mehr Besucher als gewöhnlich registriert. Bisher gibt es seitens der Stadt oder der Projektleitung der Wehrhahn-Linie allerdings auch noch keine Konzepte, wie man Anwohner in der gegenwärtigen Situation zusätzlich über den Sicherheitsaspekt informieren oder ihnen die Sorgen nehmen könnte. "Es gibt noch keine Entscheidung, was wir jetzt tun", sagt Projektleiter Gerd Wittkötter.

"Seit rund zwei Monaten beobachte ich kleine Risse in den Wänden meiner Wohnung. Ich denke schon, dass das von der Baustelle kommen muss", sagt die 21-jährige Studentin Luise Springer. Doch Angst, dass das Haus tatsächlich einstürzen könne, habe sie nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas in Düsseldorf passiert. Ich mache mir eher Sorgen um meine schönen Wände", sagt die Studentin.

Die Wände der Kirche Sankt Peter am Kirchplatz hingegen, die aufgrund des Brandes vor anderthalb Jahren noch immer in ein Gerüst gehüllt ist, seien auf jeden Fall sicher, sagt Projektleiter Wittkötter: "Dort wurden Anker eingezogen, um die Wände zusammenzuhalten. Und das wird auch während der gesamten Bauphase der Wehrhahn-Linie so bleiben."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nach Unglück in Köln: Das denken Düsseldorfer über die Wehrhahn-Linie

(RP)