Düsseldorf: Die schönen Schaufenster der Königsallee

Düsseldorf : Die schönen Schaufenster der Königsallee

In Zeiten des Internets werden ausgefallene Schaufenster immer wichtiger. Besonders an der Kö in Düsseldorf gleichen manche Auslagen extravaganten Kunstwerken. Sie sollen die Passanten zum Träumen einladen.

Solch prachtvolle Schaufenster wie bei Hermès hat die Königsallee lange nicht gesehen. Im Girardet-Haus auf der Westseite des Boulevards hat die französische Luxus-Marke vor kurzem ihr neues Geschäft eröffnet, und während man im Ladenlokal gegenüber lange einen zurückhaltenden Auftritt hatte, zeigen die Pariser Händler nun mit Eleganz und Aufwand, wozu sie in der Lage sind. Prachtvoll inszenieren sie die Bilderwelten des großstädtischen europäischen Lebens, wie es sich im 19. Jahrhundert mit seinen Boulevards und Passagen entwickelte.

Verpflichtet hat das Unternehmen dafür Künstler. "Wir möchten den Passanten Geschichten zu unserem jeweiligen Jahresthema erzählen und sie zum Träumen einladen", sagt Katja Kleebach, Kommunikationschefin der Firma. Dieses Jahr ist das Flanieren das Jahresthema. Wie bei Collagen lassen sich in diesen Bild-Skulpturen witzige Details entdecken: Pferderennen, die Gesichter eines Theaterpublikums, Straßenszenen auch mit Düsseldorfer Anklängen bis hin zum Schlossturm (natürlich fehlt der Eiffel-Turm auch nicht).

Die Ware selbst, um deren Anpreisung es doch eigentlich geht, findet hier nur wie eine Nebensache statt, wird am Fuß der Bilder auf kleinen Tischchen dargeboten, als wolle man die Schaulust nicht stören. Handschuhe um die 450, ein Portemonnaie für 1500 Euro: Vermutlich wird vom Kunden später die Kreditkarte ebenfalls nur mit einem zurückhaltenden Hüsteln über die Ladentheke geschoben. In dieser Welt stört man einander nicht.

Ähnlich fein, aber reduzierter gibt sich Tiffany. In kleinen Guckkästen finden sich kleine Cartoons im Stil der fünfziger Jahre wieder. Herr und Frau Katze schauen den Betrachter an, und auch bei Familie Hund wird es festlich - eine Menükarte und ein Geschenkkarton stehen auf dem Tisch. Vermutlich ist drin, was auch die kleine Szenerie am Rande dezent ziert: Ach ja, da glänzt ein wenig Schmuck...

Dass der Kö-Bogen der Königsallee ein Gefälle beschert, ist auch an den Schaufenstern ablesbar. Jenseits der Steinstraße Richtung Süden werden die aktuellen Ausverkaufsschilder größer, flackern auch mal fette rote Preise über LED-Wände. Immer wieder aber auch edel inszeniert. Während Hermès seine Kunst nach vorne schiebt und kaum einen Blick ins Ladenlokal gewährt, ist der Eingang von Armani eine einzige Glaswand. Drei Puppen stehen an den Rändern, wirken, als hätten sie sich in das Fenster verirrt. Über dem vielen Glas türmt sich der Sandstein in die Höhe, so blickdicht, als beherberge der Designer mitten auf der Kö auch noch ein Pharaonengrab.

Den Gipfel der Transparenz bietet Philipp Plein. Das riesige gerundete Glasfenster bietet Durchblick in den kompletten Shop, an der Rückwand ist ein Regalsystem wie ein großer Setzkasten eingebaut, in dem Schaufensterpuppen stehen und Taschen eingeräumt sind. Über allem schwebt im Saal ein großer glitzernder Totenschädel.

Das Morbide zieht die Designer an, aber ebenso wird die Lebensfreude gefeiert. Urlaubsfantasien lösen die Fenster bei Sarar aus. Ein großes Motorboot, aus der Luft aufgenommen, schießt durchs Wasser, was Vorfreude auf den Sommer weckt. "Unsere Deko zur Boot", sagt Manager Erdal Önal, der mit einem Düsseldorfer Unternehmen zusammenarbeitet, das die Wassergefährte vertreibt. Jetzt wird umdekoriert, die Frühlings- und Sommermode wird beworben.

Mit der jüngsten Publikumsmesse haben die Bötchen im Fenster von Tommy Hilfiger nichts zu tun. Mehr als 200 sind es, die Deko-Chefin Clarissa Koellen mit zwei Kolleginnen über drei Tage mühevoller Arbeit im Fenster drapiert hat. Einmal brach eines der Haltegitter aus der Decke. Ein Drama, dass das Publikum nicht bemerkte. Am Ende zählt ja nur der schöne Schein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So schön sind die Schaufenster an der Kö

(RP)