Kriminalität in Düsseldorf: Die raffinierten Tricks der schnellen Diebe

Kriminalität in Düsseldorf : Die raffinierten Tricks der schnellen Diebe

Die Zahl der Taschendiebstähle steigt wieder deutlich an. Und nicht nur im Gedränge greifen die Täter zu: Auch Autofahrer werden immer öfter geschickt abgelenkt und dann bestohlen.

Im Fall von Giesela C. setzten die Täter auf Tierliebe. Sie hatte am Montag gerade den Motor ihres Wagens gestartet, als ein Mann ans Blech der Fahrertür hämmerte, mit einer Hundeleine in der Hand wild gestikulierte und verzweifelt unters Auto deutete. Giesela C. öffnete das Fenster, fragte, was denn los sei.

"Der Mann sagte kein Wort, deutete nur unters Auto." Und dann sah sie aus dem Augenwinkel, wie sich die Beifahrertür ihres Wagens leise schloss — ein Komplize des Mannes mit der Leine, der blitzschnell verschwand, hatte ihre Handtasche gestohlen.

"Die Masche ist nicht neu, nur die Vorwände variieren, mit denen die Menschen aus ihren Autos gelockt werden", sagt Polizeisprecherin Susanna Heusgen. Mal ist es der angebliche Hund unterm Auto, mal ein defektes Rücklicht oder ein anderer Schaden, auf den die Diebe gestenreich aufmerksam machen. "Den Tätern geht es darum, Hektik und Aufregung zu erzeugen", so Heusgen. Und das bringt ihnen, im Zusammenspiel mit dem Komplizen, der den eigentlichen Diebstahl begeht, leichte Beute.

Der Trick funktioniert so gut, dass die Passanten, die am Sonntag auf der Bahnstraße einen Hotelgast auf ein Loch in seinem Autoreifen aufmerksam machten, beim Portier direkt in Verdacht gerieten. Schon zweimal hat er nämlich Gäste trösten müssen, die nach angeblichen Reifenschäden schauten und dabei bestohlen wurden. Am Sonntag wurde aber nicht gestohlen, die Polizei ermittelt tatsächlich wegen eines zerschnittenen Reifens.

Beifahrersitz und Handschuhfach nehmen Diebe auch auf Parkplätzen vor Supermärkten im Visier. Damit man die Hände beim Beladen des Kofferraums frei hat, wird die (Brief-)Tasche gern auf dem Sitz abgelegt, den man bei geöffneter Kofferraumklappe hinterm Fahrzeug stehend nicht mehr im Blick haben kann — das ist längst nicht mehr die Gelegenheit, die Diebe macht, sondern eine, auf die Diebe warten, und die sie auch schon einmal provozieren, indem sie die Kunden am Kofferraum ansprechen und ablenken, während die Komplizen vorn den Wagen ausräumen. Der Rat der Polizei: Wertsachen und Bargeld am Körper tragen, das Auto möglichst auch beim Beladen abschließen.

Besonders leicht haben's Diebe, wenn ihre Opfer nicht mehr nüchtern sind. Im Frühsommer 2013 tauchten in der Altstadt die ersten "Tanzenden Täter", seither sind fast jedes Wochenende solche Diebe unterwegs. Fröhlich und herzlich tanzen sie durch die Straßen und auf ihre alkoholisierten Opfer zu, umarmen die, tanzen mit ihnen — und stecken Geld, Handy und was sonst noch in der Jackentasche steckt, ihren Komplizen zu.

"Diese Täter sind weder fröhlich noch ausgelassen, die sind stocknüchtern und voll konzentriert", sagt Susanne Heusgen. Die Opfer dagegen bemerken den Verlust oft erst, wenn sie das nächste Bier oder das Taxi nach Hause bezahlen wollen. Und nicht selten bringen sie die fröhlichen Tänzer überhaupt nicht mit dem vermissten Geldbeutel in Verbindung. Das erschwert die Polizeiarbeit, ebenso, dass die Täter ihre Beute blitzschnell weitergeben. Trotzdem haben Zivilfahnder in den vergangenen Wochen immer wieder Tanzdiebe festgenommen und in Haft gebracht.

Auch nicht tanzende Taschendiebe, vor allem professionell geschulte, eigens zum Stehlen nach Deutschland geschickte Kinder sind wieder vermehrt in der Landeshauptstadt unterwegs — die Polizei registrierte bis zum Jahresende über 7000 Taten — 2000 mehr als im Vorjahr, und eine Umkehr des Trends ist nicht in Sicht, heißt es bei den Ermittlern.

(RP)