Neue Serie Kunst Am Bau: Die rätselhaften Hauszeichen am Heerdter Sandberg

Neue Serie Kunst Am Bau : Die rätselhaften Hauszeichen am Heerdter Sandberg

Die Fassaden vieler Häuser sind mit Kunstwerken geschmückt. Aber sie werden im Vorbeigehen oft übersehen. Die Rheinische Post stellt in einer neuen Serie besonders gestaltete Fassaden vor. Heute: die Putten am Heerdter Sandberg.

Auf den ersten Blick nehmen Passanten die Backsteinhäuser wahr, die im Borgen gebaut den Verlauf des Heerdter Sandbergs zwischen Hansa- und Prinzenallee vorgeben. Das Wohnensemble wurde zwischen 1927 und 1928 für die Rheinische Bahngesellschaft errichtet und gilt bis heute als "Rheinbahnsiedlung", in der viele Angestellte des Verkehrsunternehmens wohnen. Geplant wurde die Anlage von den Architekten Dickmann, Dörschel, Franzius, Hülshoff und Stahl.

"Die Rheinbahn wollte damit Wohnraum für ihre Angestellten an der Hansaallee schaffen", wie Wolfgang Funken in seinem Buch "Ars Publica Düsseldorf" beschreibt. Die drei- bis fünfgeschossigen Häuserzeilen gehörten zur qualitativen Wohnungsarchitektur der 1920er Jahre. Eine Bauweise der wertigen Eleganz, auf die man laut Funken heute wieder zurückgreife, vor allem bei der Gestaltung hochpreisiger Immobilien wie etwa beim "Sophienhof" an der Quirinstraße.

Das ist aber nicht alles, was diese Straße zu bieten hat. Denn die eher strengen und geometrischen Formen des Gebäuderiegels sind durch putzige Figuren aufgelockert. Sie sind aus Muschelkalk, etwa 1,40 Meter hoch und "thronen" über den flachen Vordächern einiger Hauseingänge. Was sie bedeuten, erschließt sich nicht auf Anhieb. So ist auch Michael Pützhofen ratlos. "Sie können sich auf Gewerke der Rheinbahn beziehen", überlegt Pützhoven, der viel über die Gebäude an sich weiß: dass sie beispielsweise unter Denkmalschutz stehen, den Krieg gut überstanden haben und dass sich im Innenhof ein Luftschutzbunker befindet.

Der Experte weiß auch, dass in den Kellern Stahltüren vor Luft und Gasangriffen schützen - aber die Bedeutung der Hauszeichen? Auf die Sprünge hilft wieder Funken, der schreibt: "Bei den bauplastischen Unikaten handelt es sich nicht um Kinderfiguren, deren schlichte Röcke und Arbeitsmützen Bezüge zum Arbeitsmilieu herstellen, sondern um ein Bildprogramm mit ganz unterschiedlichen Typen." Da gibt es das "Mädchen mit dem Füllhorn", den "Ballspieler mit Hund", den "Geldbriefträger", "Steckenpferdreiter" und den "Hirten mit Ziege", um nur einige der zehn Figuren zu nennen.

(RP)
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